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Alexander Wrabetz: Stehaufmann peilt dritte Amtszeit als ORF-General an

Alexander Wrabetz (56) will es wieder wissen. Zehn Jahre, nachdem er Monika Lindner den Chefsessel am Küniglberg abgejagt hat, kandidiert der Generaldirektor des ORF für eine dritte Amtszeit. Der Rückhalt der SPÖ ist ihm sicher - das war nicht immer so. Wrabetz kann aber auch einen Amtsbonus ins Treffen führen, steht der ORF doch grundsätzlich auf soliden Beinen.

Alexander Wrabetz: Stehaufmann peilt dritte Amtszeit als ORF-General an SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Alexander Wrabetz will wiedergewählt werden.

Ausreichen würden die Stimmen der 13 SP-nahen Mitglieder im Stiftungsrat des ORF ohnehin nicht. Darum ließ sich Wrabetz auch bereitwillig auf den allerorts ausgerufenen "Wettbewerb der Konzepte" für die Zukunft des Unternehmens ein. Und auf einen Schlagabtausch mit seinem Konkurrenten Richard Grasl, der "ein bisserl in Wahlkampf ausartete", wie er selbst konstatierte.

Als Amtsinhaber kann Wrabetz auf eine solide Bilanz verweisen und tut dies auch in seiner Bewerbung. Seit 2007 fährt der ORF ein Spar- und Restrukturierungsprogramm, mit dem kräftig Personal eingespart wurde. 2015 schloss man deutlich über Plan ab. Die wirtschaftlichen Erfolge kann sich freilich genauso gut Grasl auf die Fahnen schreiben, seit 2010 Finanzdirektor.

Jüngste Errungenschaft des Wrabetz-ORF im Programmbereich ist die Frühstücks-Schiene "Guten Morgen Österreich". Der ORF meisterte eine österreichische Song-Contest-Austragung samt Kosten, baute die TVthek aus und lancierte ORF III sowie ORF Sport plus. Publikumsrenner wie "Dancing Stars" funktionierten weiterhin, mit "Vorstadtweiber", Skurrilem wie "Braunschlag" oder auch den "Landkrimis" setzte man österreichische Produktionsakzente.

In Wrabetz Amtszeit fiel überdies nach langem Hin und Her die Entscheidung, das ORF-Zentrum in Wien-Hietzing zu renovieren (anstatt neu zu bauen) und (fast) alle Standorte dort zusammenzuziehen. Auch den - nicht zuletzt daraus resultierenden - Verkauf des Funkhauses zog Wrabetz durch.

Nicht alles ging immer glatt

Doch nicht alles kann glattgehen in einem Medienmoloch wie dem Öffentlichen Rundfunk. Wie bei jedem ORF-General steht stets eine Frage im Raum: Wie hält es Wrabetz mit der Politik? Dass er SPÖ-nahe ist, hielt zwar schon 2011 auch die ÖVP-nahen Stiftungsräte nicht davon ab, ihn zu wählen. Doch in den vergangenen zehn Jahren passierten ihm auch Schnitzer. Als er den früheren SPÖ-Ministersprecher Niko Pelinka zu seinem Büroleiter machen wollte, gingen die Wogen so hoch, dass er die Notbremse zog.

Wie überhaupt ORF-Personalia stets von politischem Getöse begleitet werden - oder zumindest von entsprechenden Mutmaßungen. Mehrmals in den vergangenen Jahren brachten ihm Entscheidungen über Spitzenpositionen Knatsch mit der Belegschaft ein und Vorwürfe, er habe ein gar zu offenes Ohr für Wünsche aus SPÖ und ÖVP. Öffentlich umstrittene redaktionelle Entscheidungen wie etwa das Solo-Interview mit damals Noch-Kanzler Werner Faymann (SPÖ) in "Im Zentrum" oder die Nicht-Einladung von Richard Lugner zu den Kurzduellen im Präsidentschafts-Wahlkampf taten das Ihrige dazu, dass die ORF-Information unter Wrabetz zuletzt kritisch beäugt wurde.

Jurist und Opernliebhaber

Dass sich der promovierte Jurist und Opernliebhaber aus freiheitlichem Elternhaus über die Jahre der ungebrochenen Unterstützung der SPÖ gewiss sein konnte, traf indes nicht immer zu. Es gab eine Zeit, da zeigten Faymann und sein Staatssekretär Josef Ostermayer recht unverhohlen Lust, ihn abzusägen. Wrabetz überlebte schließlich beide - was ihm jedenfalls einen Platz in den inoffiziellen Annalen des ORF sichert. In die offiziellen Geschichtsbücher des Küniglbergs würde er sich mit einer dritten Amtszeit schreiben, denn er wäre damit der erste Chef der Medienorgel mit drei Amtsperioden ohne Unterbrechung.

Zur Person: Geboren am 21. März 1960 in Wien, Jusstudium und Promotion. Bundesvorsitzender des Verbands Sozialistischer Studierende (VSStÖ), SPÖ-Mitgliedschaft seit Antritt als Generaldirektor 2009 ruhend gestellt. Karrierestart im Bankenbereich, 1987 bis 1992 Österreichische Industrieholding AG, 1992 Geschäftsführer Intertrading, dann VAMED-Vorstand. 1998 Kaufmännischer Direktor des ORF, 2009 ORF-Generaldirektor. Wrabetz ist geschieden und hat drei Kinder. Sein Bruder Bernd arbeitet als außenpolitischer Berater im Kabinett von Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern.

Quelle: APA

Aufgerufen am 20.09.2018 um 07:07 auf https://www.sn.at/panorama/international/alexander-wrabetz-stehaufmann-peilt-dritte-amtszeit-als-orf-general-an-1186111

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