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Anti-Doping: Richard McLaren, der Mann für die schwierigen WADA-Fälle

Richard McLaren liebt es, quer über den Globus zu reisen. Somit dürfte der Rechtsprofessor in den vergangenen Monaten ein glücklicher Mensch gewesen sein. Denn der Kanadier ist bei der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zum Mann für die schwierigen Fälle aufgestiegen.

Anti-Doping: Richard McLaren, der Mann für die schwierigen WADA-Fälle SN/AP
Richard McLaren, der Mann für die schwierigen WADA-Fälle.

Erst gehörte er der WADA-Kommission an, die das flächendeckende Dopingsystem in der russischen Leichtathletik aufgedeckt hat. Dann wurde ihm die Federführung bei den Anschuldigungen über womöglich manipulierte Dopingproben russischer Sportler bei den Winterspielen 2014 in Sotschi übertragen. Sein am Montag (15.00 MESZ) in Toronto dazu präsentierter Untersuchungsbericht wurde mit Spannung erwartet.

Bei der WADA wissen sie, was sie an McLaren haben. Der hoch angesehene Professor ist keiner, der ins Rampenlicht drängt. Vielmehr wird er für seine gut strukturierte, akribische Arbeit geschätzt. Arbeit, die stets zu beachtlichen Ergebnissen geführt hat. Schon 2007 hatte er am "Mitchell-Report" mitgewirkt. Dieser Bericht attestierte dem amerikanischen Profi-Baseball ein flächendeckendes Dopingproblem.

Der 1945 geborene McLaren genießt einen exzellenten Ruf. Seit Jahren ist er auch für den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) tätig. So war er bei zahlreichen Sommer- und Winterspielen in den Ad-hoc-Kommissionen des CAS tätig. Sein Urteil war oft entscheidend - im Fall Russland nun vielleicht mehr denn je. Denn sollte es im größten Land der Welt nachweislich Staatsdoping gegeben haben, dann könnte das Grundlage für die weiteren Diskussionen über einen Komplett-Ausschluss Russlands bei den bevorstehenden Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) sein.

Bereits vor Wochen hatte McLaren davon gesprochen, dass es "ausreichend erhärtete Beweise" für "staatlich gelenkte Manipulationen" von Doping-Proben im Moskauer Labor gegeben habe - und das mindestens von 2011 bis zur Leichtathletik-WM 2013 in der russischen Hauptstadt. Auslöser der WADA-Untersuchung zu den Winterspielen 2014 waren die Enthüllungen von Grigori Rodschenkow.

Der ehemalige Chef des russischen Doping-Kontrolllabors, der sich in die USA abgesetzt hat, behauptet, dass er in Sotschi positive Dopingproben russischer Athleten zusammen mit der Anti-Doping-Agentur RUSADA sowie dem Geheimdienst auf Anordnung vom Staat vertuscht habe. Demnach seien 15 der russischen Medaillengewinner in Sotschi gedopt gewesen.

Russlands Sportminister Witali Mutko hat diese Anschuldingungen über ein staatlich gelenktes Dopingsystem stets zurückgewiesen. Wie auch der Rest der russischen Funktionäre sieht er Russland als Opfer einer westlichen Verschwörung. Deshalb wurde auch beim CAS Einspruch gegen den Olympia-Ausschluss der russischen Leichtathleten eingelegt. Der Sportgerichtshof in Lausanne will sein Urteil dazu am Donnerstag bekanntgeben.

Quelle: Apa/Dpa

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