Kopf des Tages

Arno Kompatscher - minimalistisch punktgelandet

Das "Edelweiß" wurde zwar einigermaßen gerupft, doch Arno Kompatscher ist mit einem blauen Auge davongekommen: Ein Ergebnis über 40 Prozent hatte der Landeshauptmann und SVP-Spitzenkandidat als Wahlziel ausgegeben. Und er bekam es mit 41,9. Ein Ergebnis, weder Fisch noch Fleisch. Ein Tiefstand in der Parteigeschichte, doch noch gut genug, um nicht als Desaster eingestuft zu werden.

Arno Kompatscher (SVP). SN/APA/EXPA/JOHANN GRODER
Arno Kompatscher (SVP).

Die selbst ernannte Sammelpartei ist weit entfernt vom so mächtigen Glanz früherer Tage. Das Wahlziel "Wiederlangung der absoluten Mehrheit" hatte ohnehin schon lange niemand mehr im Mund geführt - wahrscheinlich wohl wissend um dessen Unwahrscheinlichkeit. Doch ein Ergebnis über 40 Prozent muss trotzdem erst einmal eingefahren werden - in politisch volatilen und polarisierenden Zeiten wie diesen. Rund 26 Prozentpunkte Respektabstand vor dem Zweitplatzierten Team Köllensperger zeugt noch immer von einer tiefen und breiten Verankerung der "Edelweiß"-Partei in der Südtiroler Gesellschaft.

Die Südtiroler Volkspartei und damit auch Kompatscher scheinen zwar nicht voll, aber doch von einem politischen Trend getroffen worden zu sein, der derzeit allerorten um sich greift: Das Auflehnen gegen das Destehende und schon immer mächtig Dagewesene, gegen das Establishment. Der "Trend was not their friend". Anders ist der beträchtliche Stimmenzuwachs für die Lega von Italiens Innenminister Matteo Salvini, die auch bei den Deutschsprachigen reüssiert haben muss, und vor allem für die Liste des Polit-Außenseiters Paul Köllensperger nicht zu erklären.

Sein Amt wird Kompatscher parteiintern wohl niemand streitig machen. Auch wenn der viel zitierte Landeshauptmann-Bonus - trotz hervorragender Daten Südtirols in vielen Bereichen - nur in ausbaufähiger Form zu tragen kam. Ein Volkstribun wird aus dem 47-jährigen Juristen keiner mehr - und Kompatscher will auch gar keiner sein.

Kompatscher ist ein Landes-Manager, kein fürsorglich-herrschaftlicher Landesvater wie sein Vorgänger Luis Durnwalder, der Südtirol 25 Jahre lang regiert hatte. Der Landeshauptmann ist ein bienenfleißiger, rhetorisch begabter, im persönlichen Umgang gewinnender Politiker. Kein Marktschreier, sondern ein bedächtiger Zeitgenosse, der auf die Kraft von Verhandlungen und Dialog setzt. Kein beliebiger Volksvertreter, aber ein Mann der pragmatischen Mitte. Bodenständigkeit kann ihm niemand absprechen, doch trägt er diese nicht als politische Botschaft vor sich her. Vielleicht hätte es mehr Ecken und Kanten bedurft, wäre der Emotionsarbeiter Kompatscher vonnöten gewesen.

Arno Kompatscher wurde am 19. März 1971 in Völs am Schlern als jüngstes von fünf Kindern geboren. Sein Vater war Dorfschmied und später Bürgermeister der Gemeinde. Nach Volksschule, Gymnasium und Militärdienst studierte er Rechtswissenschaften in Innsbruck und Padua. Beruflich war Kompatscher unter anderem als Geschäftsführer der Seiser Alm Umlaufbahn AG tätig, von 2005 bis 2013 bekleidete er ebenfalls das Bürgermeisteramt in Völs am Schlern. Politisch trat er zudem als Präsident des Südtiroler Gemeindeverbandes in Erscheinung. Seit 2014 ist er Landeshauptmann. Kompatscher und seine Frau Nadja haben sieben Kinder.

Quelle: APA

Aufgerufen am 19.11.2018 um 01:51 auf https://www.sn.at/panorama/international/arno-kompatscher-minimalistisch-punktgelandet-49773568

Kommentare

Schlagzeilen