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Aufregung um Verkehrschaos in Venedigs Lagune

Nach zwei tödlichen Bootsunglücken in Venedig, bei denen drei Menschen ums Leben gekommen sind, herrscht große Aufregung über das starke Verkehrsaufkommen in der Lagune. Wegen Liberalisierungsmaßnahmen im öffentlichen Verkehrssystem sei die Zahl der Boote in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

So kann es auf dem Canal Grande zugehen, das war anlässlich der Hochzeit George Clooneys im Jahr 2014.  SN/AP
So kann es auf dem Canal Grande zugehen, das war anlässlich der Hochzeit George Clooneys im Jahr 2014.

Todesfälle seien zwar selten, doch immer wieder kommt es in der Lagune zu Verletzungen nach Zusammenstößen zwischen Motorbooten. Starker Verkehr und hohe Geschwindigkeit seien die beiden Hauptprobleme, berichteten die Behörden des Hafens Venedig. Circa 70.000 Boote sind in Venedig registriert, die Zahl nimmt konstant zu. "Der Canal Grande ist ärger als eine Autobahn geworden", kommentierten lokale Medien.

Bootsbesitzer würden Geschwindigkeitslimits nicht respektieren, vor allem abseits des Stadtkerns. "Die Stadt ist stark auf Tourismus angewiesen. Mehr Tourismus bedeutet mehr Boote für den Personen- und Warenverkehr", berichtete Marco Agostini, Sprecher der städtischen Polizei. Unter dem "Ponte degli Scalzi", einer der vier Brücken über dem Canal Grande, verkehren 300 Wasserfahrzeuge pro Stunde, vor allem Vaporetti, Taxi-Motorboote und andere Boote. "Venedig ist wie Bangkok", klagten einige Bewohner der Stadt.

Vielen Bootsbesitzer mangle es an nautischen Kenntnissen. Starke Motorboote würden von Jugendlichen geführt, die auf die Geschwindigkeit nicht achten. Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, forderte mehr Polizeieinsatz. "Es muss strengere Kontrollen geben", sagte er.

Vor allem die Gondolieri von Venedig beschweren sich wegen des zunehmenden Motorbootverkehrs, der ihre Arbeitsbedingungen deutlich erschwert. Die von immer schnelleren Booten verursachten Wellen brächten die Passagiere der Gondeln in Gefahr, die nur 14 Prozent der Boote ausmachen, die auf dem Canal Grande kreuzen.

Experten warnen seit längerem, die Bedrohung durch wachsenden Schiffs- und Bootsverkehr sei nicht geringer als die Gefahren durch das häufige Hochwasser. Die Jahrhunderte alten Palazzi stehen auf oftmals maroden Holzpfeilern, die dem Druck der Wellen einfach nicht länger standhielten. "Der Canal Grande ist zu einer höllischen Fahrbahn geworden, der Wellengang das Problem Nummer eins in Venedig", warnten lokale Medien.

Aufgerufen am 07.12.2021 um 07:27 auf https://www.sn.at/panorama/international/aufregung-um-verkehrschaos-in-venedigs-lagune-38411071

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