International

Barcelona wehrt sich: "Touristen, geht nach Hause!"

In Barcelona steigen die Bewohner auf die Barrikaden. Sie haben genug vom Massentourismus und seinen Folgen.

Spaniens Tourismus-Hauptstadt Barcelona will den grenzenlos boomenden Besucherstrom bändigen, der die Stadt überflutet und die Bürger erzürnt. "Der Tourismus tötet unsere Stadt", prangt an etlichen Hausfassaden. Die linksalternative Bürgermeisterin Ada Colau, eine frühere Hausbesetzerin, warnte: "Wir können es uns nicht erlauben, nichts zu tun." Nun beschloss der Stadtrat, in dem Sozialisten und linke Parteien die Mehrheit haben, auf die Bremse zu treten: Die Politiker verhängten einen Baustopp für neue Hotels im Zen trum, nur am Stadtrand soll es noch neue Herbergen geben.

Zugleich wird der Wildwuchs der Zigtausenden privaten Touristenappartements gestoppt: Neue Lizenzen, ohne die niemand vermieten darf, wird es nicht mehr geben. Wer ohne Erlaubnis der Behörden seine vier Wände an Touristen vermietet, muss mit hohen Strafen rechnen. Die großen Vermittlungsplattformen im Internet werden ebenfalls an die Kette gelegt: Sie dürfen nur noch legale private Unterkünfte anbieten.

"Barcelona steht nicht zum Verkauf", skandierten Hunderte Bewohner, die auf der weltbekannten Rambla, Barcelonas Pracht allee, gegen die Auswüchse des Massentourismus demonstrierten. Sie könnten kaum vor die Tür gehen, ohne herumgeschubst zu werden. Der Touristenboom treibe die Wohnungspreise nach oben, klagt Ana Menéndez, Vorsitzende der örtlichen Bürgerinitiative. Die Immobilienspekulation treibe alteingesessene Bürger aus der Innenstadt. Einzelhändler würden von Touristenshops verdrängt. Daher gehen die Bürger "für das Recht, in unserer Stadt zu leben", auf die Barrikaden.

Die Stimmung kippt: Vor einigen Wochen stoppten wütende Bürger mehrere der markanten roten Panorama-Busse, mit denen sich Touristen durch die Stadt kutschieren lassen. Wenig später besetzten Anrainer zwei Hotels, die in der City gerade eröffnet worden waren. "Ihr macht unsere Stadt kaputt. Touristen, geht nach Hause", lautet eine Parole, die man in der Stadt auf Wände und Gehsteige gesprüht sieht.

Der Stopp für neue Gästebetten sei erst der Anfang, kündigte Vizebürgermeisterin Janet Sanz an: Man arbeite an weiteren Maßnahmen, um den "unkontrollierten" Besucherstrom in geordnete Bahnen zu lenken und zu verhindern, dass Barcelona "ins Chaos" steuere. In der Me tropole leben 1,6 Millionen Menschen. Im Vorjahr kamen rund 40 Millionen Touristen.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 12:47 auf https://www.sn.at/panorama/international/barcelona-wehrt-sich-touristen-geht-nach-hause-481516

Schlagzeilen