Kopf des Tages

Barry Manilow - verträumter Blick zu butterweichen Balladen

Es gab Momente, da schien Barry Manilow es in den Olymp der Popmusik geschafft zu haben. 1984 wurde er bei den American Music Awards vorgestellt als jemand, den Michael Jackson "sehr verehrt". "Stimmt das, Michael?", fragte Manilow und stimmte Jacksons Ballade "Ben" an, während der "King of Pop" aus der ersten Reihe zuhörte. Der Popthron blieb Manilow, der nun 75 wird, aber dennoch verwehrt.

Barry Manilow wird 75. SN/APA/AFP/MARK RALSTON
Barry Manilow wird 75.

Gemessen an seinen Plattenverkäufen und der Länge seiner Karriere müsste man Barry Manilow zu den erfolgreichsten Sängern seiner Zeit zählen. Aber gefühlt nach ganz oben oder gar zu einer Art Kultstatus brachte es der New Yorker nie, obwohl eine Fanbasis über Jahrzehnte treu zu ihm hielt. Seine soften Hits wie "Mandy" und "Could It Be Magic" gehören zum Soundtrack der 70er-Jahre, Manilow selbst wurde dabei aber auch ein bisschen belächelt und seine Titel als Hintergrundmusik abgetan. Heute ist er im leuchtenden Las Vegas und im glitzernden Showgeschäft der USA zu Hause.

75 Jahre wird Manilow am 17. Juni alt, und den mal heiteren, mal melancholischen Entertainer gibt er bis heute. Zu einem seiner Instagram-Fotos von Anfang Mai heißt es: "Bei einer Barry-Manilow-Show gibt es immer etwas zu feiern!" Mit weißem Sakko, verträumtem Blick und dem goldfarben-gebräunten, faltenfreien Gesicht wirkt der Mann auch mit Mitte 70, als sei er in Las Vegas unweit eines Hotel-Springbrunnens aus einer pastellfarbenen Marmorplatte geschnitzt worden.

Die streichzarte Musik kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der als Barry Alan Pincus geborene Sänger 13 Nummer-Eins-Hits und mehrere Platin-Alben hinlegte. Der Vater hatte die in Brooklyn lebende Familie verlassen, als der kleine Barry zwei Jahre alt war, und so nahm er später den Namen der Mutter an. Mit sieben Jahren spielte er Klavier und Akkordeon, sein Musikstudium an der begehrten Juilliard School finanzierte er mit einem Job in der Poststelle des TV-Senders CBS. Dort wurde er musikalischer Leiter der Show "Callback", nebenher schrieb er Werbe-Jingles, unter anderem für zwei große Fast-Food-Ketten.

Der Einstieg ins Showgeschäft gelang Manilow durch das Multitalent Bette Midler, die ihn als Pianist und Musikdirektor engagierte. Beim Label Arista nahm er den Pop-Titel "Brandy" auf, verwandelte ihn dann aber ihn die zu "Mandy" umgetaufte Ballade, um Verwechslungen mit dem gleichnamigen Hit der Band Looking Glass zu vermeiden. Auch die Chopin-Adaption "Could It Be Magic" schaffte es in den Charts weit nach oben.

Bei weiteren Stücken wie "I Write the Songs", "Weekend in New England" und "Looks Like We Made It" folgte Manilow demselben Erfolgsmuster: ein nachdenklicher Text und eine zunächst ruhige Klaviermelodie, die nach einem stetig aufbauenden Crescendo in allumfassender Harmonie und einer satten Portion Glückseligkeit gipfelt. Der Sänger Manilow ist allem voran ein Showman, was sich auch daran zeigt, dass sein meistverkauftes Album bis heute die Doppel-LP "Live" (1977) mit seinen Konzertmitschnitten geblieben ist. In diesen Aufnahmen strahlt seine unbefangene Energie am stärksten.

3,5 Millionen Fans zählt Manilow heute auf Facebook, bis Oktober sind in den USA (vor allem in Las Vegas) und Großbritannien rund 30 Auftritte geplant. Seine Abkehr von butterweichen Pop-Balladen führte ihn teilweise zum Jazz und Swing, aber auch die großen Standards und Hits der vergangenen Jahrzehnte sang er ein. Vergangenes Jahr verriet er erstmals, dass er 2014 seinen Manager Garry Kief geheiratet hatte. Die beiden sind seit mehr als 40 Jahren ein Paar.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 13.12.2018 um 08:05 auf https://www.sn.at/panorama/international/barry-manilow-vertraeumter-blick-zu-butterweichen-balladen-29151511

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