Kopf des Tages

Beate Meinl-Reisinger - forsche Wienerin beerbt Strolz

Beate Meinl-Reisinger ist also die Auserkorene, die den NEOS in den kommenden Jahren zumindest das Überleben, im Bestfall weiteres Wachstum sichern soll. Dass die Wahl auf die 40-jährige Wienerin fällt, überrascht wenig. Neben Matthias Strolz gilt sie als das prominenteste Gründungsmitglied der pinken Truppe.

Beate Meinl-Reisinger. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Beate Meinl-Reisinger.

Dass sie bei Wahlen reüssieren kann, hat die Mutter von zwei Kindern schon bewiesen. Trotz einer für die NEOS ungünstigen Stimmungslage führte sie die Partei 2015 sicher in den Wiener Landtag. Das Ergebnis bei der vergangenen Nationalratswahl, als sie die Landesliste anführte, war freilich eher durchwachsen.

An ihrem Selbstbewusstsein geknabbert hat das nicht. Meinl-Reisinger verzichtete auf ihr Mandat im Nationalrat, dem sie von 2013 bis 2015 bereits angehörte und wo sie sich vor allem im Kultur-Bereich Meriten holte, und warf sich zurück in die Wiener Landespolitik, wo sie nicht unerfolgreich kleinere und größere Skandale in Nahbereich der Stadt anprangerte. Zuletzt verkündete sie wortreich unter dem Motto "Ehrlich gesagt", was ihr politisch gerade nicht passt.

Auf den Mund gefallen ist die studierte Juristin soundso nicht. Selten lieblich, meist eher resch, aber angenehm offen agiert sie im politischen Geschäft, das sie in der ÖVP lernte. Unter anderem assistierte sie Othmar Karas im EU-Parlament und war Mitglied des Kabinetts von Familienstaatssekretärin Christine Marek (ÖVP).

Doch die Volkspartei wurde Meinl-Reisinger wie eben auch Strolz zu eng. Waren die NEOS vor allem in ihrer Anfangsphase eher ein Hort selbstbewusster Männer, bahnte sich Meinl-Reisinger schnell ihren Weg nach vorne. Dass sie forsch und fordernd ist, passt in der eigenen Partei nicht jedem. Dennoch war sie während der vergangenen Jahre die klare Nummer zwei hinter Strolz.

Schwierig könnte für sie werden, dass sie zumindest noch nicht über die Autorität des Parteigründers verfügt. Meinl-Reisinger steht wie Strolz eher für einen moderaten liberalen Kurs, der für den stärker werdenden wirtschaftsliberalen Flügel tendenziell zu weich ist. Hier eine Klammer zu bilden und divergierende Meinungen nicht nach außen dringen zu lassen, wird zu den größeren Herausforderungen der neuen Spitzenfrau werden.

Ein anstrengender Spagat wird für Meinl-Reisinger auch, sowohl im Bund zu reüssieren als auch die Wiener Truppe am Laufen zu halten. Durchaus möglich ist, dass sie wie Gernot Blümel (ÖVP) und Heinz-Christian Strache (FPÖ) eine Doppelrolle in Bund und Stadt einnehmen wird. Regierungsverantwortung zu erlangen könnte in Wien für die NEOS sogar greifbarer sein als in der Bundesregierung.

Für die Mehrfachaufgabe wäre die eifrige Sportlerin, die vor einigen Monaten beim Skifahren sogar eine unliebsame Begegnung mit einem Blitz hatte, durchaus geeicht. Meinl-Reisinger ist bekannt dafür, ein großes Pensum gehen zu können. Eine Kopie von Strolz wird sie mit Sicherheit nicht sein, alleine schon, weil das ihr Selbstbild nicht zuließe. Eine Chance, dass sie eine erfolgreiche Eigenmarke begründet, scheint aber gegeben.

Zur Person: Beate Meinl-Reisinger, geboren am 25. April 1978 in Wien, verheiratet, zwei Kinder. Abgeschlossenes Jus-Studium. Politische Tätigkeit u.a. als Assistentin des ÖVP-EU-Abgeordneten Othmar Karas sowie als Kabinettsmitglied bei Familienstaatssekretärin Christine Marek (ÖVP). 2012 Wechsel zu den NEOS, wo sie als stellvertretende Vorsitzende und Wiener Landeschefin dient. Von 2013 bis 2015 Abgeordnete im Nationalrat, nach erfolgreicher Spitzenkandidatur bei der Wien-Wahl Landtagsabgeordnete. Spitzenkandidatin der Wiener Landesliste bei der Nationalratswahl 2017.

Quelle: APA

Aufgerufen am 25.09.2018 um 05:03 auf https://www.sn.at/panorama/international/beate-meinl-reisinger-forsche-wienerin-beerbt-strolz-27797794

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