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Bier, Barock und ein Rad

Der deutsche Donauradweg führt zu bayerischen Barockjuwelen, mittelalterlichen Städten und schattigen Biergärten.

Der Schotterweg verläuft am Damm und hebt den Radler einige Meter über die flache Landschaft hinaus. So kommt zum lauen Fahrtwind ein prachtvoller Rundblick: Links fließt die junge Donau munter dahin, gesäumt von saftigen Wiesen und Weiden, rechts leuchten Rapsfelder in kräftigem Gelb, Pferde, dahinter ein Ort samt Kirchturm, ein Wäldchen, Hopfen- und Spargelfelder. Im jungen Weizenfeld hocken Graugänse und lugen neugierig hervor. Eine wahre Idylle. Für all jene, die am deutschen Donauradweg unterwegs sind.

Der berühmte Donauradweg in Österreich zwischen Passau und Wien ist der mit Abstand meistbefahrene Radweg Europas. Doch diesmal fiel die Entscheidung zugunsten seines deutschen Bruders entlang der sogenannten jungen Donau. "Der deutsche Donauradweg ist weit weniger prominent, weniger befahren und ursprünglicher", erklärt Pamela Steidl vom Radreiseveranstalter Donau Touristik, die die kleine Sportlergruppe anführt. "Und, ehrlich gestanden, auch abwechslungsreicher und naturbelassener als der in Österreich!" Sie hat nicht unrecht: Während der österreichische Donauradweg etwas eintönig und fast durchgängig asphaltiert auf Treppelwegen direkt dem Fluss folgt, zweigt der deutsche Kollege oft auch vom Strom ab und führt in die Flussbegleitlandschaft. Erst in den letzten Jahren wurden die Sträßchen, Feld- und Uferwege hier für den Radverkehr entdeckt.
Start für die kleine Radgruppe ist diesmal das Städtchen Neuburg an der Donau. Für den Weiterweg nach Ingolstadt gäbe es zwei Varianten: entweder am nördlichen Flussufer direkt am Wasser schnurgerade dem Treppelweg folgen - oder die wesentlich abwechslungsreichere Variante südlich der Donau nehmen. Diesmal wird es die Südroute, sie schlängelt sich durch Felder und Wiesen, lichte Auwälder und majestätische Alleen, vorbei an kleinen Weihern und am Jagdschloss Grünau sowie am Gut Rohrenfeld. Es ist ein kurzweiliges Vergnügen, hier zu radeln! Rasch ist die Audi-Hochburg Ingolstadt erreicht, die seit 1472 als Sitz der ersten bayerischen Universität punktet und mit ihrer historischen Altstadt gefällt. Hier wurde übrigens 1516 - als ältester Lebensmittelkodex der Welt - das Reinheitsgebot für Bier erlassen. Das ruft natürlich nach einer Pause und einem kühlen Hellen.

Doch der Halt ist nur von kurzer Dauer, es warten noch 28 Kilometer bis zum Etappenziel in Bad Gögging, wo dann aber die müden Radlerbeine in riesigen Innen- und Außenpools, gefüllt mit reinstem Thermalwasser, entspannen. Eine Wohltat.

Tags darauf geht es weiter zum Kloster Weltenburg, einem der kulturellen Highlights Bayerns: Die barocke Benediktinerabtei begrüßt ihre Besucher nicht nur mit ihrer herrlichen Kirche mit Deckenfresken der Gebrüder Asam, sondern auch mit der ältesten Klosterbrauerei der Welt, einem schattigen Gastgarten und einer Hochzeitsgesellschaft samt herzerweichender Blasmusik. Das ist Bayern wie aus dem Bilderbuch. Zu schade, dass auch hier kein Bleiben ist, denn die nächste Etappe wird per Schiff zurückgelegt, und das wartet nicht.

Beim sogenannten Donaudurchbruch stromabwärts von Weltenburg stellt sich der Fränkische Jura den Wassermassen in den Weg. Die bohrten sich in mühevoller Kleinarbeit über viele Jahrtausende eine beeindruckende Engstelle durch das Hindernis: Mehr als 100 Meter ragen die senkrechten Felswände zu beiden Seiten des hier nur 70 Meter breiten Stroms in die Höhe. Für einen Radweg ist hier definitiv kein Platz!

Erst bei Kelheim geht's mit Schwung wieder in den Sattel, nach 37 Kilometern kommt das Grüppchen in Regensburg an. Die 160.000-Einwohner-Stadt zählt zu den ältesten in ganz Deutschland und verdankt ihren UNESCO-Weltkulturerbe-Status ihrer perfekt erhaltenen mittelalterlichen Altstadt. Die Regensburger wurden dereinst dank des Handels mit Luxusgütern auf der Donau sehr wohlhabend, die rund 1000 Kulturdenkmäler blieben auf wundersame Weise im Zweiten Weltkrieg verschont, sodass Regensburg heute die einzige erhaltene mittelalterliche Großstadt unseres nördlichen Nachbarn ist. Darin sind stattliche Bürgerhäuser aus Romanik und Gotik ebenso zu finden wie fast so viele Kirchen wie Tage im Jahr.

Regensburg ist nur einer von vielen Höhepunkten. Eine Radtour durch eine der schönsten Flusslandschaften Europas wird hier zur gemächlich entschleunigten Kulturreise. Unberührte Auwälder, bayerischer Barock - seit jeher wurde die Donau besungen und bespielt, viele Legenden ranken sich um den Fluss. Der Deutsche Donauradweg zeigt seine schönsten Schätze.

INFORMATION

Anreise:

Bahnanreise mit DB/ÖBB nach Neustadt an der Donau,

etwa mit dem DB-Kur-Ticket um 92 Euro (Tarif noch bis

27. August). www.bahn.de, www.oebb.at

Packages und Sternfahrten:

Der Linzer Veranstalter Donau Touristik bietet Packages für den Donau-Radweg, etwa die achttägige "Sternradtour TT61 - 1st class" an Donau und Altmühl. www.donaureisen.at

Generelle Info zu Land und Radweg:

www.deutsche-donau.de/donauradweg, www. germany.travel

Quelle: SN

Aufgerufen am 15.12.2018 um 03:08 auf https://www.sn.at/panorama/international/bier-barock-und-ein-rad-38860579

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