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Boeing will Software der 737 innerhalb von zehn Tagen ändern

Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien will Boeing die Modernisierung einer möglicherweise fehlerhafte Software an Bord des betroffenen Flugzeugtyps innerhalb der kommenden zehn Tage abschließen. Wie Nachrichtenvertreter am Freitag aus Branchenkreisen erfuhren, soll dann die Installation der veränderten Software für das sogenannte Trimmsystem MCAS nur zwei Stunden dauern.

Ein Flugzeug dieses Modells stürzte kürzlich ab SN/APA (AFP)/TONY KARUMBA
Ein Flugzeug dieses Modells stürzte kürzlich ab

Die Überarbeitung der Software hatte den Angaben zufolge bereits vor dem jüngsten Unglück begonnen. MCAS ist in den Verdacht geraten, für den Absturz am vergangenen Sonntag der Boeing 737 Max der Ethiopian Airlines mit 157 Toten verantwortlich zu sein. Auch der vorherige und ähnlich verlaufene Absturz einer Maschine des gleichen Typs der Gesellschaft Lion Air im Oktober in Indonesien könnte durch einen Fehler in diesem System ausgelöst worden sein; darauf deuten bisherige Untersuchungsergebnisse hin.

Die Identifikation der sterblichen Überreste der 157 Opfer des Flugzeugabsturzes in Äthiopien wird bis zu sechs Monate dauern. Das erklärte Verkehrsministerin Dagmawit Moges am Samstag vor Journalisten. Die Behörden hätten bereits DNA-Proben von den Angehörigen der Opfer eingesammelt, sagte sie weiter. Auch 16 Experten der US-Luftsicherheitsbehörde NTSB werden demnach bei der Identifikation der Opfer des Absturzes helfen.

Am Sonntagabend soll in der äthiopischen Hauptstadt auch ein Trauergottesdienst für die Absturzopfer stattfinden. Eine Boeing 737 Max 8 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines war vergangenen Sonntag kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt. Es gab keine Überlebenden. Unter anderem wegen der Wucht des Aufpralls gilt eine Identifikation der sterblichen Überreste der Opfer als extrem schwierig. Die Flugschreiber der Unglücksmaschine werden seit Freitag von der französischen Luftsicherheitsbehörde BEA ausgewertet.

Beide Maschinen waren kurz nach dem Abflug abgestürzt. MCAS soll verhindern, dass der Schub der Triebwerke im Steigflug derart stark wird, dass sich die Maschine nicht mehr gerade ausrichten lässt. Beide Unglücksmaschinen waren nach dem Start mit äußerst unregelmäßiger Flugkurve und -geschwindigkeit aufgestiegen, sanken anschließend unkontrolliert ab und schlugen steil auf dem Boden auf.

Seit dem jüngsten Unglück in Äthiopien sind rund um den Globus Flugverbote für die Boeing-Maschinen des Typs 737 Max erlassen worden, darunter auch in den USA. Der US-Flugzeugbauer teilte am Donnerstag mit, vorerst diese Maschinen nicht mehr auszuliefern.

In Paris ist nach dem Absturz die Auswertung der Flugschreiber fortgesetzt worden. Man habe mit der technischen Arbeit am Stimmenrekorder begonnen und arbeite weiter an der Untersuchung des Flugdatenschreibers, teilte die französische Luftsicherheitsbehörde (BEA) im Namen des äthiopischen Untersuchungsteams am Samstag mit. Man arbeite bei der Auswertung mit den äthiopischen Behörden zusammen. Äthiopien hatte bei der Untersuchung der Flugschreiber um Unterstützung gebeten.

Für Boeing ist der Absturz ein schwerer Imageschaden, der den Konzern teuer zu stehen kommen könnte. 78 Prozent der Bestellungen in den Auftragsbüchern betreffen die Max-Familie. Rund hundert Airlines haben bereits mehr als 5.000 Maschinen bestellt.

Quelle: Apa/Ag.

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