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Brände im Mittelmeerraum nehmen kein Ende

Die verheerenden Brände im Mittelmeerraum nehmen auch nach einer Woche kein Ende. Griechische Meteorologen und die Regierung in Athen warnen nun, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht sein könnte. Befürchtet wird vor allem, dass in den nächsten Tagen starke Winde aufkommen - sie könnten den Kampf gegen die Flammen fast unmöglich machen und die Feuer immer weiter anfachen. Die Temperaturen sollen zum Wochenende leicht fallen, dann aber erneut mehr als 40 Grad erreichen.

In Griechenland entfachten binnen 24 Stunden 92 Waldbrände über das ganze Land verteilt. In der Türkei meldete das Forstamt am Donnerstag 180 Brände, von denen 12 noch nicht unter Kontrolle seien. Demnach brechen pro Stunde gut drei neue Brände aus, oft in abgelegenen Regionen, immer wieder aber auch in der Nähe von Siedlungen und Menschen, die Hals über Kopf vor den Flammen fliehen müssen.

Wegen der seit drei Tagen anhaltenden Waldbrände in Griechenland haben die Behörden noch mehr Evakuierungen nahe der Hauptstadt Athen angeordnet. Auf der Insel Euböa mussten weitere Menschen am Donnerstag ihre Häuser verlassen, seit Dienstag wurden bereits mehr als ein Dutzend Dörfer geräumt. Die Kirchenglocken läuteten zur Warnung. Die Feuerwehr war mit mehr als 170 Mann, über 50 Fahrzeugen und sechs Flugzeugen im Einsatz. Euböa - auch Evia genannt - ist nach Kreta die zweitgrößte griechische Insel.

Auch auf der Halbinsel Peloponnes wurden weitere Dörfer geräumt, als ein Feuer in der Nähe des antiken Olympia wütete. Den Behörden zufolge waren die archäologischen Stätten aber nicht in Gefahr. Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius und starke Winde haben in den vergangenen Tagen mehr als 150 Waldbrände in Griechenland angefacht.

Hilfe erhielt die griechische Feuerwehr aus Zypern und Frankreich. Auch Schweden wollte zwei Löschflugzeuge schicken. Brände, die am Dienstag den nördlichen Stadtrand von Athen bedroht hatten, waren inzwischen unter Kontrolle.

Auch im Südwesten der Türkei, wo in den vergangenen neun Tagen mehr als 150 Brände ausgebrochen waren, wurde die Feuerwehr der Flammen vielfach wieder Herr. Ein Feuer, das ein Kohlekraftwerk bedroht hatte, sei gelöscht worden, teilten die Behörden im Mugla mit. Es habe keine Explosionen auf der Anlage gegeben. Die Hauptblöcke des Kraftwerks Kemerkoy wurden nach Angaben des Präsidialamtes nicht beschädigt.

Angefacht durch hohe Temperaturen und trockene, starke Winde haben die Brände in der bei Touristen beliebten Küstenregion Tausende Einheimische und Urlauber zum Verlassen ihrer Häuser und Hotels gezwungen. Bisher kamen acht Menschen ums Leben. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von den schlimmsten Waldbränden in der Geschichte des Landes.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Mittwochabend in einem Interview erneut Vorwürfe zurückgewiesen und der Opposition vorgeworfen, "Lügen-Terror" zu verbreiten. Erdogan sagte, inzwischen seien 20 Löschflugzeuge und 51 Helikopter im Einsatz. Unterstützung kommt nach offiziellen Angaben aus Kroatien, Spanien, der Ukraine, Russland, dem Iran und Aserbaidschan.

In Italien kämpften die Einsatzkräfte am Donnerstag ebenfalls weiter gegen die Flammen. Unter anderem Sizilien und Kalabrien waren betroffen. Mehrere Löschflugzeuge seien in den Provinzen Messina und Palermo im Einsatz, teilte die Feuerwehr auf Twitter mit. Rund 70 Prozent der Feuer seien auf Fehlverhalten von Menschen zurückzuführen, sagte Umweltminister Roberto Cingolani am Donnerstag. Hinzu kämen die Folgen des Klimawandels. Der Zivilschutz auf Sizilien sagte für Donnerstag wieder die höchste Brandrisikostufe für den Norden und Osten voraus.

In Bulgarien wurde am Donnerstag die zweithöchste Alarmstufe Orange für 24 der 28 Regionen ausgerufen - auch in der Hauptstadt Sofia mit rund 1,5 Millionen Einwohnern. Die beiden Großbrände im Süden des Balkanlandes konnten zunächst unter Kontrolle gebracht werden, wie bulgarische Medien am Donnerstag berichteten. Allerdings kamen dabei zwei Forstarbeiter ums Leben, ein weiterer erlitt schwere Verbrennungen.

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