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Christoph Schönborn - "Krisenmanager Gottes" seit 25 Jahren Bischof

Mit dem Segen kamen die Turbulenzen: Nachdem Christoph Schönborn vor 25 Jahren, am 29. September 1991, zum Bischof geweiht worden war, segelte die katholische Kirche in Österreich selten in ruhigen Gewässern. Von Missbrauchs-Vorwürfen innerhalb des Klerus bis zu umstrittenen Personalbesetzungen - Schönborn gilt seither als "Krisenmanager Gottes". Und sorgte auch selbst für ein paar Aufreger.

Christoph Schönborn - "Krisenmanager Gottes" seit 25 Jahren Bischof SN/APA (Hochmuth)/GEORG HOCHMUTH
Kardinal Christoph Schönborn.

Schönborn gilt in Kirchenkreisen als weltoffen und intellektuell. Seine fast verschämte Art, Glaubenswahrheiten zu verkünden, beeindruckt selbst liberale Kritiker des aus adeligem Hause stammenden Dominikaners, dessen Stammbaum mit mehr als einem Dutzend Bischöfen und Kardinälen aufwarten kann. Beim kritischen Kirchenvolk hat es Schönborn hingegen schwerer. Er greift "heiße Eisen" oft zögerlich an und reagiert dann im vertrackten Kirchensprech. Letztlich fallen ihm aber doch noch - zumindest für hohe Kleriker - deutliche Worte ein. In der Causa um den letztendlich verhinderten Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner war es etwa ein geharnischter Hirtenbrief der Österreichischen Bischofskonferenz, deren Vorsitzender Schönborn ist.

Nach dem Tod von Johannes Paul II. firmierte Schönborn im "Papst-Toto" ganz oben. Der immer elegant auftretende Kardinal ist nicht nur einer der profiliertesten Fürsprecher des interreligiösen Dialogs, er hat sich auch die innere Erneuerung des Katholizismus auf seine Fahnen geschrieben. Diesbezüglich prägend für den mit 18 Jahren in ein westfälisches Kloster eingetretenen Dominikaner erwies sich der französische Theologe Yves Congar. Dieser machte Schönborn während seines - mit Auszeichnung abgeschlossenen - Doktoratsstudiums in Paris mit französischen Erneuerungsbewegungen bekannt, die nach einem neuen Platz für die Kirche in einer säkularen Welt suchten.

Der Sohn einer alleinerziehenden Mutter hat seine Begeisterung für Erneuerungsbewegungen wie das "Neokatechumenat" bis heute nicht verloren. Beobachter sehen darin die Strategie, die katholische Kirche auf einen "gesunden harten Kern" tief Gläubiger zu konzentrieren, statt die große Masse von "Taufscheinchristen" mit Konzessionen an den "Zeitgeist" bei der Stange zu halten. In diesem Licht ist auch die Sympathie Schönborns für das orthodoxe Judentum zu sehen. So bezeichnete er es als "lebenswichtig" für die Zukunft der Kirche, die Bibel "im Lichte ihrer jüdischen Auslegung" zu studieren. Bei einer Jerusalem-Reise der österreichischen Bischöfe, aber auch bei anderen Anlässen fand Schönborn immer wieder deutliche Worte zum Holocaust, was ihm Lob vonseiten der jüdischen Gemeinde einbrachte.

Aber auch gegenüber dem Islam betätigte sich Schönborn als "Eisbrecher". Als erster Kardinal traf er 2001 im Iran mit der religiösen und weltlichen Führung des islamischen "Gottesstaates" zusammen. Nach den Terrorattacken gegen die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" kritisierte er sogar die seiner Meinung nach "verächtlich machenden und vulgären Karikaturen" darin. Weniger ins Bild passten seine Worte zu einem "dritten islamischen Versuch der Eroberung Europas". Nach heftigen Reaktionen und mit Verweis auf den "Missionsauftrag des Islam" sprach er von einem "Missverständnis".

In gesellschaftspolitischen Bereichen marschiert der Wiener Erzbischof die Vatikan-Linie treu mit, etwa bei der Ablehnung von Abtreibungen. Kirchenkritikern, die etwa die Abschaffung des Zölibats und die Priesterweihe für Frauen fordern, begegnet Schönborn zwar freundlich im Ton aber hart in der Sache. Den Wechsel von Papst Benedikt XVI. zum liberalen Franziskus vollzog Schönborn ebenfalls mit: Im Rahmen der Familiensynode des Vatikans äußerte sich Schönborn für seine Verhältnisse überraschend offen zu homosexuellen Partnerschaften.

Gute Verbindungen hat der am 22. Jänner 1945 im böhmischen Skalsko geborene Schönborn in den Vatikan. Beobachter sagen ihm ein Naheverhältnis zu Benedikt XVI. seit dessen Jahren als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation nach. Anfang der 1970er-Jahre absolvierte Schönborn ein Studienjahr bei ihm an der Universität Regensburg. 1981 berief Ratzinger den begabten Dominikaner, der Französisch, Spanisch, Englisch und Italienisch spricht, in die internationale Theologenkommission des Vatikan und machte ihn zum Redakteur des Weltkatechismus (1992), der die Glaubenslehre der katholischen Kirche festschreibt. Ein Höhepunkt in Schönborns bisheriger Amtszeit war auch der Besuch des Heiligen Vaters 2007 in Österreich.

Den österreichischen Katholiken ist der nach der Vertreibung seiner Familie in Vorarlberg aufgewachsene Schönborn vor allem als Krisenmanager bekannt. Seit 1991 Wiener Weihbischof, verdankte er seinen größten Karrieresprung der schwersten Kirchenkrise Österreichs. Nachdem sein Vorgänger Hans Hermann Groer wegen des Vorwurfs sexuellen Missbrauchs von Zöglingen abtreten musste, wurde Schönborn im September 1995 Wiener Erzbischof. Als solcher betrieb er auch die Demontage des streitbaren St. Pöltner Bischofs Kurt Krenn, der im Herbst 2004 über eine Sexaffäre an seinem Priesterseminar stolperte. Dabei gilt Schönborn - seit 1998 Kardinal - als äußerst konfliktscheu. So entließ er im Jahr 1999 seinen Generalvikar Helmut Schüller, indem er ihm kurzerhand den "Blauen Brief" unter der Tür durchschob.

Sein Privatleben hält Schönborn streng unter Verschluss. Der Kardinal, der seine Kindheit in Schruns in Vorarlberg verbrachte, ist leidenschaftlicher Jasser, ein Kartenspiel zu dem er des öfteren ehemalige Landsleute in Wien trifft. Schönborns Bruder ist der Schauspieler Michael Schönborn.

Bescheiden gibt sich Schönborn auch stets, wenn es um seine eigene Person gibt: Wie zu anderen Anlässen ist auch zum Jubiläum der Bischofsweihe kein Festakt oder Ähnliches geplant.

Quelle: APA

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