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Coronavirus fordert weltweit: Italien rechnet bald mit Höhepunkt, neue "importierte" Fälle in China

Während Italien auf den Höhepunkt der Ansteckungswelle mit Covid-19 zusteuert, trifft die Pandemie in den USA mit Verzögerung ein. In Frankreich und Spanien gelten nun strikte Ausgangssperren im ganzen Land. Großbritannien verschärft Maßnahmen gegen das Virus.

In Madrid wurde eine Ausgangssperre zur Eindämmung des Coronavirus verhängt. SN/AP
In Madrid wurde eine Ausgangssperre zur Eindämmung des Coronavirus verhängt.

Das Coronavirus hält die Welt in Atem. In Europa ist vor allem Italien stark betroffen. Dort rechnen viele Experten nun bald mit einem Höhepunkt der Ansteckungswelle. Das Virus kostete bisher 1200 Menschen im Land das Leben, mehr als 28.000 Fälle sind bisher registriert. Nach einem sogenannten "Peak" wird die Gesamtzahl der Infizierten zwar weiter steigen, aber nicht mehr so schnell, davon gehen Experten aus. "Wir erwarten, dass es sich in den kommenden Tagen, bis Sonntag, zeigt, ob sich die Entwicklung verlangsamt", sagte etwa der für die Lombardei zuständige Koordinator Giulio Gallera am Dienstag. Es seien zudem fast keine Plätze mehr auf den Intensivstationen der Krankenhäuser verfügbar, teilte der Gesundheitsbeauftragte mit. In der norditalienischen Region war die Corona-Welle im Februar landesweit zuerst entdeckt worden. Sie ist mit über 15.000 Infizierten (stand Montagabend) weiterhin am heftigsten betroffen.

Südtirol beklagt achtes Todesopfer

Indes erhöht sich auch in Südtirol die Zahl der Todesopfer: Seit Montagabend muss die norditalienische Region ihr achtes Todesopfer beklagen. Ein 88-Jähriger verstarb im Krankenhaus Bozen. Ebenso am Montag war ein 68-jähriger Brixner im Krankenhaus Sterzing an den Folgen des Virus verstorben. 244 Menschen haben sich bislang in Südtirol mit dem Virus angesteckt. Davon wurden 17 intensivmedizinisch betreut. Knapp 1.000 Menschen befanden sich in Quarantäne. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Der erste Coronavirus-Patient aus Südtirol ist wieder genesen.

Strenge Ausgangssperren in Frankreich und Spanien verhängt

Seit Sonntag gelten auch in Spanien Ausgangssperren. Die örtliche Polizei setzt zur Überprüfung Drohnen ein, so beispielsweise in der am stärksten betroffenen Region des Landes, Madrid. Die kleinen Fluggeräte tragen unter anderem Lautsprecher, mit denen die Menschen aufgefordert werden, zu Hause zu bleiben. "Wir werden nicht zögern, alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um deine Sicherheit und die Sicherheit aller zu schützen", schrieb die städtische Polizei in ihrem Twitter-Account, auf dem auch Videoaufnahmen des Drohneneinsatzes zu sehen sind. Nach Italien ist Spanien das von der Pandemie am meisten betroffene Land Europas. Binnen eines Tages wurden fast 2000 neue Fälle gezählt, wie das Gesundheitsministerium am Dienstag in Madrid mitteilte. Die Zahl aller Infektionsfälle lag demnach bei 11.178 und damit um 1987 höher als noch am Montag. Außerdem gab es bereits fast 500 Todesfälle. Das sind ca 150 mehr als Vortag.

In Frankreich gilt die Ausgangssperre seit Dienstag 12 Uhr und ist derzeit für die kommenden 15 Tage anberaumt. Die Menschen dürfen nur das Haus verlassen, wenn sie ein entsprechendes Formular mit sich tragen. Das Dokument lässt sich auf der Regierungsseite herunterladen und ausdrucken. Erlaubt ist nun nur noch: Lebensmittel einkaufen, zur Arbeit fahren, zum Arzt gehen, Kinder zur Betreuung bringen, Hilfsbedürftigen helfen oder allein Sport machen. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss eine Geldstrafe zahlen. Die Einhaltung der Ausgangssperre wird von mehr als 100.000 Sicherheitskräften im Land überwacht.

Der Platz „Trocadéro“ mit Blick auf den Eiffelturm in Paris ist normalerweise gesäumt von Menschen. Nun wurde in ganz Frankreich eine Ausgangssperre verhängt. SN/APA/AFP/LUDOVIC MARIN
Der Platz „Trocadéro“ mit Blick auf den Eiffelturm in Paris ist normalerweise gesäumt von Menschen. Nun wurde in ganz Frankreich eine Ausgangssperre verhängt.

Reisende bringen das Virus zurück nach China

In China sind von Montag auf Dienstag erneut 13 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Wie die Pekinger Gesundheitskommission mitteilte, wurden zudem 21 neue Infektionen nachgewiesen. Laut Behördenangaben handelte es sich bei 20 Erkrankungen um "importierte Fälle", die bei Menschen während der Einreise nach China festgestellt wurden.

Aus Angst davor, dass Reisende das Virus zurück in die Volksrepublik bringen, hat die Regierung die Kontrollen zuletzt weiter verschärft. Reisende, die etwa in Peking landen, werden seit Montag für zwei Wochen zur Beobachtung in zentralen Quarantäne-Einrichtungen untergebracht. Seit Ausbruch des Coronavirus haben sich in China 80.881 Menschen mit dem Erreger infiziert, 3.226 kamen ums Leben.

Auch in Südkorea wird wieder ein leichter Anstieg an Infektionen verzeichnet. Gesamt stieg die Zahl auf 8.320 Menschen, die mit dem Covid-19 erkrankt sind. Am Montag seien 84 Neuinfektionen festgestellt worden, teilten die Gesundheitsbehörden am Dienstag mit. Am Wochenende hatten die Zahlen noch darunter gelegen. Verstärkte Einreisekontrollen sollen ab Donnerstag ausgedehnt werden, wie die Behörden vermeldeten.

Indien ist mit 125 bestätigten Infizierten und drei Todesfällen bei rund 1,3 Mrd. Einwohnern bisher vergleichsweise wenig betroffen. Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, schließt das Land nun das berühmte Mausoleum Taj Mahal sowie alle anderen Denkmäler und Museen. Auch Schulen, Freizeiteinrichtungen und Kinos sind bereits geschlossen.

USA: Virus trifft mit Verzögerung ein

Während das Virus Asien und Europa bereits im Griff hatte, lief in den US-amerikanischen Metropolen New York und Los Angeles der ganz normale Alltag. Inzwischen sind in den USA mehr als 3000 Infektionen nachgewiesen worden, mehr als 60 Menschen starben. Die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher liegen. Erste Tests waren fehlerhaft und konnten nicht benutzt werden. Auf neue warteten die lokalen Behörden tagelang - und noch immer sind die USA von flächendeckenden Tests weit entfernt. Etwas mehr als 25 000 Menschen wurden bislang auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet - bei einer Bevölkerung von mehr als 327 Millionen Menschen. In den USA trifft das Virus auf ein mangelhaft vorbereitetes Gesundheitssystem, das bereits im Normalzustand viele wegen zu hoher Kosten ausschließt. Seit die Finanzmärkte dramatisch auf die Ausbreitung des Coronavirus reagieren, ist auch Trump in den Krisenmodus gewechselt. Erst verkündete er vergangenen Mittwoch einen Einreisestopp für Reisende vom Festland Europas, mittlerweile dürfen auch Menschen aus Großbritannien und Irland nicht mehr in die USA einreisen.

Großbritannien verschärft Maßnahmen gegen das Coronavirus

Die Maßnahmen der britischen Regierung im Kampf gegen das neuartige Coronavirus verändern das Londoner Stadtbild: Angesichts der Aufforderung der Regierung, auf "nicht zwingende" Sozialkontakte zu verzichten, ließen zahlreiche Unternehmen ihre Mitarbeiter am Dienstag zu Hause arbeiten, in der U-Bahn waren nur wenige unterwegs. Das Außenministerium rief zum Verzicht auf Auslandsreisen auf.

Briten auf dem Weg ins Ausland müssten mit zahlreichen Einreisebeschränkungen und Ausgangssperren an ihren Zielorten rechnen, erklärte Außenminister Dominic Raab. "Ich habe mich deshalb entschieden, allen britischen Staatsbürgern von allen nicht zwingenden internationalen Reisen abzuraten." Die Anweisungen gelten zunächst für 30 Tage.

Beobachter erwarten allerdings, dass die Regierung in London in den kommenden Tagen weitere Einschränkungen des Alltags verkünden wird. Dazu könnte auch eine dreimonatige Ausgangssperre für Menschen mit schweren Vorerkrankungen zählen. Im Laufe des Dienstags wollte die Regierung dem Parlament die Details von Notstandsgesetzen wegen des Coronavirus vorlegen.

An den vergleichsweise lockeren Maßnahmen von Premierminister Boris Johnson zur Eindämmung des Coronavirus hatte es massive Kritik gegeben. So hatte Johnson noch am Montag etwa angekündigt, auf Versammlungsverbote oder Schulschließungen wie in anderen Ländern verzichten zu wollen. Nach Warnungen von Wissenschaftern, wonach bei einer zu laxen Reaktion auf die Pandemie Hunderttausende Menschen in Großbritannien und den USA an den Folgen einer Coronavirus-Infektion sterben könnten, zeichnete sich jedoch ein Kurswechsel der Regierung ab.

Die 30 Mitglieder eines Krisenreaktionsteams des Imperial College London forderten in einem wissenschaftlichen Artikel ein "intensives" Programm zur Eindämmung des Virus. Konkret schlugen sie "eine Kombination aus sozialer Distanzierung der gesamten Bevölkerung, häuslicher Isolation Infizierter und häuslicher Quarantäne ihrer Familienmitglieder" vor. Die Maßnahmen sollten laut den Forschern so lange andauern, bis ein Impfstoff verfügbar sei. Dies könne "möglicherweise 18 Monate oder länger" dauern.

Quelle: SN/Apa/Dpa/Fdp

Aufgerufen am 23.01.2021 um 12:11 auf https://www.sn.at/panorama/international/coronavirus-fordert-weltweit-italien-rechnet-bald-mit-hoehepunkt-neue-importierte-faelle-in-china-84988261

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