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Coronavirus trifft Wirtschaft, Fallzahlen stark gestiegen

Nach mehr als 6.000 Erkrankten weltweit hat das Coronavirus 2019-nCoV zunehmend auch wirtschaftliche Auswirkungen: Europas größte Fluggesellschaft Lufthansa und damit auch die AUA streicht ebenso wie British Airways und andere Anbieter Flüge von und nach China. Dabei wollen nach EU-Angaben rund 600 Europäer die besonders stark betroffene Region Wuhan so schnell wie möglich verlassen.

Das Coronavirus breitet sich weiter aus SN/APA (dpa)/Dorothee Barth
Das Coronavirus breitet sich weiter aus

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für Donnerstag erneut den Notfall-Ausschuss einberufen. In Finnland ist indes erstmals eine Infektion bestätigt worden. In China hingegen sind nach offiziellen Angaben inzwischen rund 6.100 Fälle gemeldet. In der besonders betroffenen Provinz Hubei befinden sich sieben Österreicher, die nach Angaben des Außenministerium noch vor dem Wochenende in ihr Heimatland zurückkehren sollen.

Andere Länder, darunter etwa auch Großbritannien, wollen aus der chinesischen Stadt Wuhan ausgeflogene Staatsbürger isolieren. Sie kommen 14 Tage lang in Quarantäne, wahrscheinlich auf einer Militärbasis. Was solch ein Vorgehen mit den Österreichern betrifft, das stimme man die Vorgangsweise mit den Partnern im Rahmen der europäischen Gesundheitsbehörden sowie mit den Landessanitätsdirektionen ab, hieß es von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) auf APA-Anfrage.

"Die ganze Welt muss jetzt in Alarmbereitschaft sein", sagte WHO-Notfallkoordinator Michael Ryan in Genf. Der Notfall-Ausschuss sei wegen der hohen Fallzahl und der steigenden Übertragungen im Ausland neu einberufen worden. Er berät die WHO in der Frage, ob eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" ausgerufen werden soll. "Die Übertragungskette kann immer noch unterbrochen werden", sagte Ryan. Das sei mit sorgfältiger Hygiene und der Isolierung von Infizierten möglich.

Während es außerhalb Chinas etwas mehr als 80 nachgewiesene Infektionen gibt, ist die Zahl der bekannten Infektionen in dem Land innerhalb eines Tages um rund 1.500 auf 6.078 gestiegen. Dabei werden laut Staatsfernsehen 25 Fälle in Hongkong, Taiwan und Macao mitgerechnet, weil Peking diese Territorien als Teil der Volksrepublik ansieht. Die Zahl der Todesfälle lag zunächst unverändert bei 132. Besonders ältere Menschen mit Vorerkrankungen leiden unter der neuen Lungenkrankheit.

Die Epidemie wird nach Einschätzung eines führenden chinesischen Lungenexperten erst in sieben bis zehn Tagen einen Höhepunkt erreichen. Wie der Chef des Expertenteams im Kampf gegen das Virus, Zhong Nanshan, der Nachrichtenagentur Xinhua sagte, sind "frühe Entdeckung und frühe Isolation" entscheidend, um das Virus in den Griff zu bekommen. Nach Angaben des Peter Doherty Instituts für Infektionen und Immunität in Melbourne haben australische Wissenschafter das Virus inzwischen im Labor nachgezüchtet. Nunmehr könne in Zusammenarbeit mit anderen Instituten und der WHO an einem Gegenmittel gearbeitet werden.

Russland und China arbeiten nach russischen Angaben bereits zusammen an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Peking habe das Erbgut des Virus an Russland übergeben, teilt das russische Konsulat im chinesischen Guangzhou mit. "Russische und chinesische Wissenschafter haben mit der Arbeit an einem Impfstoff begonnen." In Russland gibt es noch keinen bestätigten Fall des neuartigen Coronavirus.

In China ist die Millionenstadt Wuhan und die umliegende Provinz Hubei besonders betroffen: Rund 45 Millionen Menschen wurden dort weitgehend abgeschottet; Flüge sowie der Nah- und Fernverkehr wurden ausgesetzt. Erstmals sind innerhalb Chinas auch andere Staatsangehörige erkrankt.

Außerhalb der Volksrepublik gibt es unter anderem in Thailand, Japan, Singapur, Malaysia, den USA, Australien und auch Südkorea Erkrankte mit dem Virus, das derzeit 2019-nCoV genannt wird. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) meldeten am Mittwoch die ersten bestätigten Virusfälle.

In Europa wurden in Deutschland und in Frankreich vier Fälle bestätigt. Am Mittwoch kam ein Fall in Finnland hinzu. Die meisten außerhalb Chinas erkrankten Menschen waren vorher in der Volksrepublik. Allerdings gibt es zunehmend Fälle, bei denen sich Menschen in ihrem Land bei Reiserückkehrern aus China angesteckt haben. Die Regierung in Peking hat ihren Staatsbürgern geraten, Reisen ins Ausland zu verschieben. Andere Staaten wie Indien warnten vor Trips in das Land der Mitte.

Inzwischen haben die USA und Japan damit begonnen, Landsleute aus der Krisenregion zurückzuholen. Auch die deutsche Bundeswehr wird demnächst rund 90 Deutsche und ihre Angehörigen aus der Region Wuhan ausfliegen. Sie sollen nach ihrer Ankunft in Frankfurt zunächst in Quarantäne kommen. Nach Angaben des EU-Kommissars für Krisenmanagement, Janez Lenarcic, wollen rund 600 EU-Bürger Wuhan so schnell wie möglich verlassen.

Zudem gab es an Bord einer Lufthansa-Maschine von Frankfurt nach Nanjing einen Verdachtsfall. Die Crew wurde nach einer medizinischen Untersuchung umgehend nach Deutschland zurückgeschickt. Wenige Stunden später verkündete Europas größte Fluggesellschaft, ebenso wie der Konkurrent British Airways und anderen Fluggesellschaften China nicht mehr anfliegen zu wollen. Lufthansa-Tochter AUA setzt die Flüge ebenfalls bis zum 9. Februar aus.

Andere internationale Firmen kündigten ebenfalls Konsequenzen an. So schloss die Kleiderkette H&M Mittwoch bis auf weiteres 74 Filialen und drei Läden der Tochtermarke Monki. Auch der Möbelkonzern Ikea machte rund die Hälfte seiner Möbelhäuser in China zunächst dicht. Auch auf den Sport wirkt sich das Coronavirus aus: Ein Olympia-Test der Skirennfahrer nahe Peking fiel aus, andere Turniere werden verlegt, ein Test-Event für die Winterspiele 2022 in China gestrichen. Das chinesische Fußball-Nationalteam der Frauen sitzt unterdessen in Australien in Quarantäne.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

Aufgerufen am 04.12.2020 um 04:04 auf https://www.sn.at/panorama/international/coronavirus-trifft-wirtschaft-fallzahlen-stark-gestiegen-82682383

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