International

Craft Beer, Hochkantvideos und Pokémon Go - die Trends 2016

Was war dieses Jahr Trend und angesagtes Szene-Thema? Ein Überblick von A bis Z.

 SN/APA/dpa/Julian Stratenschulte

Trends der vergangenen Jahre waren Tinder, Fitnessarmbänder oder Cold-Brew-Kaffee. Und 2016? Eine Auswahl, was in diesem Jahr Szene-Hit zu sein schien. Leute, Phänomene, Begriffe, Trends 2016 - alphabetisch geordnet:

ACHTZIGER: Bereits Ende 2015 und dann auch noch einmal im Sommer 2016 zeigten Umfragen, dass die 80er-Jahre beliebter als die 50er-, 60er-, 70er- oder 90er-Jahre sind. Das Lieblingsjahrzehnt dient wohl als Sehnsuchtszeit.

ADE, MAREN: "Toni Erdmann" von Maren Ade war wohl die intellektuelle Filmüberraschung des Jahres. Der Film begeisterte im Mai in Cannes und berührte später Hunderttausende Kinogänger. Peter Simonischek und Sandra Hüller bezaubern als Vater und Tochter, die mit der Sprachlosigkeit der Generationen kämpfen. Oscar 2017?

CORDEN, JAMES: Der aus Großbritannien stammende US-Late-Night-Talker war 2016 ein Riesen-Internethit mit seiner unterhaltsamen TV-Idee, mit Stars im Auto zu singen (Carpool-Karaoke). So sang und quatschte er etwa mit Madonna, Lady Gaga, Sia, Selena Gomez und Michelle Obama. Am meisten geklickt wurde der Clip mit Adele.

CRAFT BEER: Craft Beer aus kleinen Brauereien - ein Trend aus den USA - gibt es inzwischen fast überall: ein Megatrend. In diesem Jahr schien nun fast jeder mitbekommen zu haben, dass man auch einmal ein fruchtig schmeckendes, hopfenreiches Pale Ale oder Indian Pale Ale (IPA) probieren kann statt nur klassisches Pils oder Helles.

EINHORN: Das trendige Fabelwesen war fast überall zu sehen - auf Kindergeburtstagen, Popfestivals, Anti-Nazi-Demos, Pullis, Jutebeuteln, Tassen, Kissen, Torten und schließlich auch auf Schokolade. Der kindische Modetrend hat etwas mit Ironie und Realitätsflucht zu tun: Einhörner stehen für Friede und Freude.

ENGE FREUNDSCHAFT: "Bromance" (aus brother und romance) und "bromosexual" (aus brother und homosexual) sind neue Begriffe für Männerfreundschaften, wobei "bromosexual" die unverkrampfte Freundschaft zwischen einem Hetero und einem Schwulen meint.

FLAMINGOS und FAULTIERE: Sie sind die neuen Eulen: Das Trendtier süße Eule mit riesengroßen Augen scheint abgelöst worden zu sein - nun sind andere der Renner auf Pullis, Kissen oder als Stofftier.

GESICHTERTAUSCH: Face-Swap-Apps waren 2016 angesagt. Man kann in Echtzeit mit Freunden das Gesicht tauschen, sein Gesicht in Gemälde hineinmontieren oder Gesichtszüge von Promis oder Kunstfiguren annehmen. Handyspaß in einem ansonsten schrecklich ernsten Jahr.

HOCHKANTVIDEOS: Videos im Hochformat galten lange als eine Art Netzkrankheit (VVS - Vertical Video Syndrome). Als wahres Format galt die 16:9-Ausspielung. Doch im Smartphone-Zeitalter und spätestens seit dem Hype um Snapchat, Facebook Live und Instagram Story scheinen Hochkantvideos nun nicht mehr schlimm zu sein.

ISLAND: Die isländische Mannschaft war der Fußballeuropameister der Herzen, schaffte es sogar, England im Achtelfinale aus dem Turnier zu werfen. Island begeisterte mit einprägsamer "Huh"-Ruf-Klatschchoreo und tollen Spielernamen wie Sigthorsson.

KNÖCHEL: Entblößte Knöchel waren das neue Dekolleté. Flanking, ein Mixwort aus flashing (aufblitzen) und ankle (Fußfessel), war 2016 ein Massenphänomen. Auch junge Männer zeigten oft Fessel (mankles, aus man und ankle), um besser teure Sneaker zu präsentieren.

LIEFERDIENST: Pizzataxi war gestern - App-gesteuerte Lieferdienste mit Fahrradkurieren, wie Foodora oder Deliveroo, schienen 2016 den Durchbruch zu erleben. Sie bringen auch Essen aus dem nahen (Lieblings-)Restaurant, das keinen eigenen Bringdienst hat.

MILCHGETRÄNK: Nach dem hippen Matcha Latte mit Grüntee kam jetzt angeblich der blaue Schlumpf Latte - oder Smurf Latte auf Englisch. Die knallige Farbe kommt von Blaualgen namens Spirulina und soll besonders gesund sein. Weitere Zutaten der Kreation aus Melbourne: Ingwer, Zitronensaft, Agavendicksaft und Kokosmilch.

OBSOLESZENZ, GEPLANTE: Die angebliche Kurzlebigkeit der Elektrogeräte, mit denen wir uns umgeben, war beliebtes Smalltalkthema. Auch wenn eine Studie des Umweltbundesamts zu dem Ergebnis kam, dass eine sogenannte geplante Obsoleszenz - also die gezielte Begrenzung der Lebenserwartung - nicht nachweisbar sei, bleibt bei vielen der Verdacht gegen die Industrie.

POKÉMON GO: Das Smartphone-Spiel von Nintendo war im Sommer der Megahype und wurde Hunderte Millionen Mal heruntergeladen. Die Spiele-App, mit der man virtuelle Monster in realer Umgebung fangen kann, löste Begeisterung aus - bei anderen nur Kopfschütteln.

POSTFAKTISCH: Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) kürte diesen Begriff zum Wort des Jahres. Auch international taten dies die Oxford Dictionaries ("post-truth"). Es beschreibt das Phänomen, wenn die öffentliche Meinung weniger von Tatsachen als von Gefühlen und Ressentiments beeinflusst werde. In der Schweiz wurde "Filterblase" zum Wort des Jahres gekürt, in Österreich das lange "Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung".

QUIDDITCH: Der ganz große "Harry Potter"-Boom ist zwar lange vorbei, aber die Sportart Quidditch soll erst noch im Kommen sein. Zumindest las man öfter von jungen Leuten, die das Spiel mit Bällen und Besen (die aber leider nicht fliegen) ernsthaft betreiben.

RESTING BITCH FACE: Der Begriff machte dieses Jahr Karriere und beschreibt das Phänomen, dass Leute so aussehen, als seien sie genervt oder verachteten ihre Mitmenschen, obwohl sie selbst eigentlich von einem neutralen Gesichtsausdruck bei sich ausgehen.

STRANGER THINGS: Selten bislang bediente ein Streamingdienst so zielgenau die Sehbedürfnisse einer nostalgischen Zielgruppe wie Netflix im Sommer mit dieser Serie, die eine Hommage ans große Mystery-Zeitalter mit Filmen wie "E.T." oder "Stand by me" ist. Nostalgisch war auch die Serie "The Crown" über die junge Queen, gewagt die Sky-Serie "The Young Pope" mit Jude Law als Papst.

UGLY CHRISTMAS SWEATER: Elegant und festlich sind sie nicht, trotzdem trugen spätestens auch in diesem Jahr in Deutschland immer mehr Menschen extra hässliche Weihnachtspullover.

VEGGAN: Tierische Produkte sind für Veganer tabu. Wer es jedoch nicht schafft, auf Eier zu verzichten, nennt sich dann halt "veggan" (aus vegan und dem englischen "egg" (Ei)). Das Ergebnis sind zum Beispiel Avocado-Brote mit pochiertem Ei.

ZWEITAUSENDSECHZEHNBASHING: In erster Linie wegen der vielen Todesfälle von Prominenten (zum Beispiel David Bowie, Prince, George Michael, Bud Spencer) setzte sich die Ansicht durch, es handle sich um ein "Promi-Sterbejahr". Mit "Fuckoff2016" beschworen viele ein böses Jahr. Alles Aberglaube. Jahres-Bashing ist sooo 2016. Was kommt 2017?

Quelle: SN

Aufgerufen am 16.11.2018 um 07:30 auf https://www.sn.at/panorama/international/craft-beer-hochkantvideos-und-pokemon-go-die-trends-2016-571498

Schlagzeilen