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Dalai Lama: "Ich bin niemand Besonderes"

Weltweit und über alle Grenzen von Religionen hinweg verehrt wird Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, 85 Jahre alt. Er sei körperlich noch sehr gesund, schrieb er selbst auf Facebook.

Sein Leben habe etwas Nutzen gebracht, sagt der Dalai Lama. Für viele ist er ein Symbol des Friedens.  SN/everett collection/www.picturedesk.com
Sein Leben habe etwas Nutzen gebracht, sagt der Dalai Lama. Für viele ist er ein Symbol des Friedens.

Er lebt ein beeindruckendes Leben und fasziniert diejenigen, die ihm begegnen, mit seiner Ausstrahlung. Er ist ein geachtetes spirituelles Vorbild und der Anwalt seines Volks. Für seinen gewaltfreien Kampf um ein autonomes Tibet erhielt er 1989 den Friedensnobelpreis: Diesen Montag wird Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, 85 Jahre alt.

"Seine Heiligkeit" nennen ihn die Tibeter. Doch er wird von vielen Menschen auf der ganzen Welt unabhängig von deren Religionszugehörigkeit verehrt - als Leuchtturm der Weisheit.

Er selbst zeichnete in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises ein anderes Bild: "Ich fühle mich geehrt und demütig bewegt, dass Sie diesen wichtigen Preis einem einfachen Mönch aus Tibet geben wollen", sagte er. "Ich bin niemand Besonderes. Aber ich glaube, der Preis ist eine Anerkennung für den wahren Wert von Uneigennützigkeit, Liebe, Mitgefühl und Gewaltlosigkeit, die ich in Übereinstimmung mit den Lehren Buddhas und den großen Weisen Indiens und Tibets zu praktizieren versuche."

Fern der Gegenwart ist er dennoch nicht: Zu seinem Geburtstag bringt er sein erstes Album unter dem Titel "Inner World" ("Innere Welt") heraus, eine Sammlung von Mantras, Lehren und Musik. Der Dalai Lama ist das geistliche Oberhaupt Tibets, auch das weltliche war er einst. Geboren wurde er am 6. Juli 1935 in einer Bauernfamilie in einem kleinen Weiler, der zu dem Dorf Taktser in der nordöstlichen tibetischen Provinz Amdo gehört. Lhamo Dhondup nannten ihn die Eltern.

Knapp drei Jahre nach seiner Geburt kam ein Trupp der Regierung aus Lhasa nach Taktser, um die Reinkarnation des XIII. Dalai Lama ausfindig zu machen. Prophezeiungen und Hinweise hatten die Suchenden bis in das Dorf geführt. Mit vier Jahren bestieg er unter dem neuen Namen Tenzin Gyatso den Thron. Als die chinesische Eroberung Tibets begann, übertrug die Regierung dem erst 15 Jahre jungen Mann die Herrschaft.

Nach Jahren des Widerstands gegen China entschloss sich der Dalai Lama 1959 zur Flucht. Seitdem lebt er in Dharamsala in Nordindien und leitete von dort aus die tibetische Exilregierung, bis er sich 2011 aus dem aktiven politischen Geschäft zurückzog. Seine Forderungen nach tibetischer Autonomie werden in China mit großem Misstrauen gesehen. Dort ist man der Ansicht, der Dalai Lama habe immer die Unabhängigkeit Tibets betreiben wollen. Die Heimkehr nach Tibet ist ihm verboten.

Dalai Lamas gelten als Verkörperung eines Bodhisattvas. Bodhisattvas sind Wesen, die aus Mitgefühl in die normale Existenz zurückkehren, um anderen zu dienen - obwohl sie schon fast die höchste Stufe der Erleuchtung erreicht haben und damit vom Kreislauf der Wiedergeburt befreit wären.

Aufgerufen am 17.01.2021 um 04:20 auf https://www.sn.at/panorama/international/dalai-lama-ich-bin-niemand-besonderes-89782636

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