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Das Klima aus dem Wald

Waldbaden ist überaus gesund - und erfrischend. Oberösterreichs Almtal setzt mit "Waldness" auf den Gesundheitsfaktor Wald.

An einem glutheißen Sommermorgen startet die kleine Wandergruppe und marschiert den munter plätschernden Schindlbach entlang hinein in den dichten Wald des Almtals. Mit jedem Schritt wird es kühler. Oder ist das Einbildung? "Doch, das stimmt" bestätigt Maria Hageneder, "der Wald ist eine regelrechte Öko-Klimaanlage: Hier hat es bis zu sechs Grad Celsius weniger als draußen! Ein Hektar Wald verdampft an warmen Sommertagen bis zu 60.000 Liter Wasser und kühlt so auf natürliche Weise!"

Maria muss es wissen, sie ist nicht nur Wasserinstruktorin, sondern auch Waldness-Coach. Und kennt sich mit dem hohen gesundheitlichen Wert des Waldes aus. Denn: Wald kühlt nicht nur, Wald wirkt wirklich! Der Gesundheitstrend "Waldbaden" und "forest medicine" ist aus Japan nach Europa herübergeschwappt und jetzt im oberösterreichischen Almtal als komplettes Waldness-Programm angekommen, mittlerweile als eingetragene, europaweite Marke. Einen besseren Ort als das Almtal kann es dafür kaum geben, hier entfallen stolze 74,5 Prozent der Gemeindefläche auf die grüne Lunge. Das komplette Ensemble Wald ist ein ungeahnter Gesundheitsquell und Jungbrunnen. "Waldluft ist ein Heiltrunk zum Einatmen!", schwärmt Maria. Das ist unsichtbaren, bioaktiven Substanzen und Botenstoffen zu verdanken, Terpene genannt, darunter viele ätherische Öle. Auch der Mensch nimmt die Terpene über Atmung und Haut auf - mit großem Nutzen für seinen Organismus!

Mehrere wissenschaftliche Studien, unter anderem der Med Unis Wien und Graz, belegen die heilsame Wirkung eines Waldspaziergangs - und zwar viel stärker, als man bisher dachte. Pflanzen kommunizieren mit unserem Immunsystem, stärken die Widerstandskraft und das vegetative Nervensystem und beugen Burnout vor.

Terpene aktivieren körpereigene Killerzellen gegen Krebs, verringern das Stresshormon Cortisol, lindern Depressionen und senken Blutzuckerspiegel wie Blutdruck. Der Biologe Clemens Arvay, Autor des Buches "Der Biophilia-Effekt. Heilung aus dem Wald", bezeichnet Waldluft als "hochwirksamen medizinischen Cocktail". Übrigens: Der Wald spricht uns so sehr an, dass sogar Wald-Fototapeten wirken!

Das alles erzählt Maria der kleinen Gruppe auf dem Weg zur Kneippanlage am Schindlbach. "Bitte die Schuhe ausziehen" lautet nun die Devise. Und dann vorsichtig in das Wassertretbecken. "Nun Storchengang bitte: bei jedem Schritt die Füße aus dem Wasser heben!" Das Wasser ist eiskalt, zehn Grad vielleicht. Das erfrischt richtig!

Nach den Kneipp-Runden geht's weiter - "aber lasst bitte die Schuhe weg!" Denn auch Barfußgehen im Wald sei überaus gesund, rege den Kreislauf an und stimuliere über die Fußreflexzonen die Organe. Also mit offenen Sinnen über Wurzeln, Äste, Blätter und Nadeln schreiten. Am allerfeinsten ist es, mit den nackten Füßen im weichen, feuchten, kühlen Moos zu versinken!

Nach einem Picknick ist das Waldness-Programm noch lang nicht zu Ende. Am Nachmittag führt der Weg entlang des Wanderpfads mit dem verlockenden Namen "Genuss am Almfluss" taleinwärts, gegen den Strom. Gemütliche Ruhebänke und das Wasser des glasklaren Gebirgsflusses laden wiederholt zur Rast. Am Talschluss ist das Ziel erreicht: Der Almsee - ein bildschönes, glasklares Naturjuwel. Dahinter türmt sich die imposante Kulisse des Toten Gebirges auf. "Mehr als 17 Grad kriegt er nie", meint Maria nahezu entschuldigend. "Außerdem steht er unter Naturschutz und Schwimmen ist leider verboten! Aber man darf sich am Ufer abkühlen und erfrischen!" Und schon wieder fliegen die Schuhe im hohen Bogen.

INFORMATION

Waldness im Almtal:
Das oberösterreichische Almtal ist die erste Waldness®-Destination Europas und bietet Wald-Urlaub mit speziell geschulten Experten an.

Programm:
Das fünftägige Pauschalprogramm enthält Waldbaden, Waldschule, Wald-Wyda (europäisches Yoga), Wald-Erwachen, Wald-Latschenbad, Wald-Kneippen, Wald-Massagen und Waldarium (Ruheplatz im Wald).

Sechs Termine im September und Oktober 2018, die Packages enthalten vier Übernachtungen mit Frühstück auf dem Bauernhof und tägliches Waldness-Programm.

Info zu Waldness und Programmen:
www.waldness.info, www.waldness.at

ERFRISCHENDE TIPPS RUND UM DEN WALD

Naturland Niederösterreich

Kühle Dusche: Mirafall in den Ötschergräben. SN/pixabay/gegiweiss
Kühle Dusche: Mirafall in den Ötschergräben.

Möglichkeiten zur Abkühlung und Entspannung finden sich sowohl im Wienerwald als auch im Waldviertel in den zahlreichen Naturparken mit Waldgebieten, Schluchten oder Mooren. Die Erlaufschlucht, aber auch das Thayatal und vor allem die Ysperklamm begeistern mit kühlen Wasserplätzen, Letztere neben den Wasserfällen der Ysper auch mit alten Baumriesen und beeindruckenden Granitblöcken.
Die Erlaufschlucht bietet Wanderern auch zwei Aussichtsplattformen, die über die Erlauf ragen und so die Urgewalt des Wassers spürbar machen. Neben dem Schneeberg mit seinen 2076 Metern Seehöhe empfiehlt sich auch der Naturpark Ötscher-Tormäuer mit atemberaubendem Blick vom Ötscher ins Mostviertel. Nicht weniger beeindruckend: eine Wanderung über Almen vorbei an Wasserfällen und Urwaldresten im Naturpark Niederösterreichische Eisenwurzen.
www.naturland-noe.at

Wellness zwischen Bäumen

Seefelder Waldbaden auf 1200 Metern Seehöhe. SN/olympiaregion seefeld
Seefelder Waldbaden auf 1200 Metern Seehöhe.

In der Olympiaregion Seefeld wird Waldbaden fernab der städtischen (Umwelt-)Belastung auf 1200 Metern Seehöhe praktiziert. Naturcoach Verena Hiltpolt führt Interessierte durch die Nadel- und Mischwälder der Region und lässt sie bewusst die heilsame Luft einatmen und die Natur erleben. Aufs Laub kommt es an: Ein Mischwald beruhigt den Geist eher als ein Nadelwald, was vor allem im Sommer mit Blätterdichte und -struktur zusammenhängt.
Das "Waldbaden als meditativer Gang durch Forstgebiete" mit Verena Hiltpolt soll in der idyllischen und reichen Landschaft der Olympiaregion Seefeld gerade für Großstädter eine erholsame Auszeit vom urbanen Leben schaffen und mit einfachen Mitteln die heilsame Kraft der Natur verfügbar machen.
Termine: jeden Freitag um 14 Uhr bis 5. Oktober, Anmeldung nur mit Gästekarte bis jeweils Donnerstag.
www.seefeld.com

Liegen im Wald

Die Waldesruhe im Liegen genießen. SN/hochschwarzwald tourismus
Die Waldesruhe im Liegen genießen.

Der Hochschwarzwald, auf Höhen von 800 bis 1500 Meter gelegen, darf als ganz natürliche Wellness- und Gesundheitsoase bezeichnet werden.
Ein einfacher Zugang dazu: der neue Rundwanderweg "Wäldersinn" in Grafenhausen-Rothaus, ganz in der Nähe des Schluchsees mit mehreren Erlebnisstationen. Neu: Nahe der Danieltanne, der dicksten Tanne im Schwarzwald, besteht auf fünf Liegeplätzen für Einzelne, Paare oder für die ganze Familie die Möglichkeit zum Waldbaden.
Die Holzliegen wurden vom Bauhof der Gemeinde konstruiert und im Rahmen eines Freiwilligenprojekts mit Jugendlichen aus vielen verschiedenen Ländern im Wald aufgestellt. Das gibt ein ganz neues Waldgefühl aus der Horizontalen, mit Blick auf die krönenden Baumwipfel - erholsam und wohltuend zugleich.
www.hochschwarzwald.de/waldbaden

Der Zauber der Zirbe

Beste Aussichten: Erlebnisturm im Zirbenpark. SN/hochzeiger.com/zangerl
Beste Aussichten: Erlebnisturm im Zirbenpark.

Von allen Nadelbäumen wächst die Zirbe am langsamsten, ganz im Gegensatz zum "ZirbenPark" am Hochzeiger im Pitztal mit seinen neuen Attraktionen.
Echter Höhepunkt: das sechs Meter hohe ZirbenNest, dessen Zugang von kleinen und großen Abenteurern erst einmal gefunden werden muss. Ebenfalls neu: das ZirbenNuss-Spiel, bei dem es auf verschiedenen Kugelbahnen um die Erforschung physikalischer Gesetzmäßigkeiten und die Förderung der Motorik geht.
Damit wird der etwa ein Kilometer lange Rundweg durch den ZirbenPark auf 14 Erlebnisstationen erweitert, darunter ein Wasserspielplatz und die ZirbenCarts. Der Rundweg beginnt an der Mittelstation der Hochzeiger Bergbahnen, ist flach und daher auch für Kleinkinder geeignet. Erreichbar bequem per Gondel, mit Gletscherpark Card gratis.
www.hochzeiger.com, www.pitztal.com

Der Auwald und seine Bewohner

Wald und Wasser: Kanutouren durch die Donauauen. SN/kovacs
Wald und Wasser: Kanutouren durch die Donauauen.

Seit letzter Woche wird im Nationalpark Donau-Auen das wöchentliche Ferienprogramm mit Nationalpark-Rangern fortgesetzt, jeweils donnerstags ab 14 Uhr im Nationalpark-Zentrum Schloss Orth.
Das Programm, das noch bis weit in den Herbst hinein läuft: Am 16. August geht's um "Mikroskopieren & Malvorlagen - Kleinlebewesen und Blick auf Details", am 23. August um ein "Donau-Kammmolch-Spezial - Der kleine Wasserdrache" und am 30. August um die "Europäische Sumpfschildkröte - Lebensweise, Schutzprojekt, Rolle des Marchfelddamms".
Dazu kommen Wanderungen wie "Im nächtlichen Auwald", "Zu Besuch bei Waldkauz, Waldohreule und Uhu" oder auch "Dem Hirsch losen". Und natürlich dürfen hier im Auwald die Kanutouren durch den Nationalpark nicht fehlen, etwa "Biberperspektiven" oder "Auf stillen Wassern".
www.donauauen.at

Quelle: SN

Aufgerufen am 13.12.2018 um 11:39 auf https://www.sn.at/panorama/international/das-klima-aus-dem-wald-38581720

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