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Der Kampf gegen die Pferdekutschen: Fünf Städte, fünf Beispiele

In Salzburg regt sich Widerstand gegen die Fiaker. Aber auch in anderen Städten haben Proteste gegen Pferdekutschen politische Diskussionen ausgelöst. Vielerorts mit Erfolg: Nicht nur in New York gab es einen Sinneswandel.

Nicht nur in Wien und Salzburg gehören die Fiaker zum Stadtbild. Pferdekutschen sind weltweit beliebt – bei Touristen jedoch oft mehr, als bei der Bevölkerung.  SN/apa
Nicht nur in Wien und Salzburg gehören die Fiaker zum Stadtbild. Pferdekutschen sind weltweit beliebt – bei Touristen jedoch oft mehr, als bei der Bevölkerung.

Die Temperaturen sprengen die 30-Grad-Marke und durch Salzburg traben die Pferde - das lässt unter Tierschützern die Wogen hochgehen. Die traditionsreichen Fiaker stehen in der Kritik.

Auch in anderen Städten gab es solche Diskussionen. Tierschutzverbände wie die weltweit tätige PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) warnen: "Pferde sind nicht dafür gemacht, Kutschen zu ziehen." In vielen Städten müssten die Tiere Schwerstarbeit leisten. Hohe Temperaturen und lange Arbeitszeiten würden ihr Übriges dazu beitragen, beklagen die Tierschützer.

In diesen fünf Städten sorg(t)en Pferdekutschen in den letzten Jahren für Aufruhr:

1. New York

Eine Kutschenfahrt durch den Central Park - das galt lange als romantisches Highlight unter Touristen. Nach und nach wurde der Widerstand der Bevölkerung aber größer, denn: Um zum Central Park zu gelangen mussten die Pferde täglich den Weg durch die Straßen New Yorks antreten, unter anderem über den vielbefahrenen Times Square. In einer Online-Petition sammelte die Tierschutzgruppe NYClass mehr als 35.000 Unterschriften. Die Pferdekutschen waren sogar ein Thema im Wahlkampf des amtierenden Bürgermeisters Bill de Blasio. Im Vorfeld der Bürgermeisterwahl im Jahr 2013 versprach er den Wählerinnen und Wählern, die umstrittene Tradition zu beenden. Anfang 2016 kam dann das neue Gesetz: Die Anzahl der Kutschen wurde von 180 auf 95 reduziert. Außerdem wurden Ställe direkt im Central Park gebaut und die Arbeitszeiten für die Tiere auf neun Stunden täglich reduziert.

2. Rom

Sie gehörten in Rom zum Stadtbild: die "botticelle" - pittoreske Pferdekutschen, die Touristen zu Sehenswürdigkeiten wie der Spanischen Treppe oder dem Kolosseum fahren. Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi will die "kleinen Fässer", wie sie übersetzt heißen, durch Elektrofahrzeuge ersetzen. Zunächst trat diesen Sommer aber eine vom Gemeinderat abgesegnete Variante in Kraft: Die Kutschen dürfen nur mehr in öffentlichen Parks fahren. Wann die Kutscher auf Elektrotaxis umsatteln müssen, ist noch unklar.

3. Berlin

Auch in Berlin haben die Pferdekutschen eine lange Tradition - und stehen massiv in der Kritik. Eine Petition hatten mehr als 100.000 Menschen unterschrieben. Anfang des Jahres bewirkte das Bezirksamt Berlin-Mitte ein Verbot für Kutschen am Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Diese Entscheidung wurde vom Verwaltungsgericht jedoch wieder aufgehoben, wie die Berliner Zeitung "BZ" Mitte Juni berichtet.

Berlin könnte aber Vorreiter in Sachen Elektrokutsche sein: Seit vier Jahren fahren drei E-Kutschen im Nostalgie-Design (siehe Foto unten) der Firma "Stratos"durch Berlin, eine fährt in Dresden. Die Testphase sei nun abgeschlossen, sagt Geschäftsführer Hermann Jumpertz den SN. Ab kommendem Jahr werde er solche Kutschen verkaufen. Es habe bereits Anfragen aus Italien und New York gegeben.

In Berlin und Dresden fahren bereits E-Kutschen wie diese.  SN/stratos
In Berlin und Dresden fahren bereits E-Kutschen wie diese.

4. Barcelona

Nachdem Kutschpferde zusammengebrochen und regungslos liegen geblieben waren, wurden Pferdekutschen im vergangenen November aus Barcelona verbannt. Auch hier waren die Pferde an belebten Orten wie der Touristenmeile "Las Ramblas" unterwegs.

5. Wien

Auch in Wien fordern Tierschutzorganisationen bereits seit Jahren ein Verbot der berühmten Fiaker. Der Verein gegen Tierfabriken sorgte dafür auch schon mit außergewöhnlichen Aktionen für Aufsehen. Bei einer Aktion am Wiener Michaelerplatz im Juli 2017 beispielsweise präsentierten sie eine Kutsche mit den drei japanischen Affen, die nichts sehen, nichts hören und nichts sprechen. Strengere Gesetze für die Wiener Fiaker oder gar ein Verbot sind jedoch nicht in Sicht. Ab einer Temperatur von 35 Grad Celsius haben die Wiener Pferde - ebenso wie jene in Salzburg - hitzefrei. Ob diese Regelung eingehalten wird, kontrolliert der Verein akribisch: Erst diese Woche verständigten sie die Behörden, weil ein Fiaker trotz Hitze seine Tiere beim Heldentor stehen ließ. Der Kutscher wurde angezeigt. Am gleichen Tag ließ die Wiener Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) eine "Aktion scharf" durchführen, bei der Tierärzte den Zustand der Pferde untersuchten. Das Ergebnis: Die Rösser wiesen keine Verletzungen auf und hatten keine hitzebedingten Kreislaufprobleme.

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