Kopf des Tages

Der Sänger mit der Maske: Kiss-Frontmann Paul Stanley wurde 65

Das Gesicht kalkweiß, die Lippen knallrot und um das rechte Auge einen schwarzen Stern - so zeigt sich Paul Stanley auf der Bühne. Das "Starchild"-Make-Up machte den Sänger und Gitarristen berühmt. Gemeinsam mit seinen ebenfalls geschminkten Rocker-Kollegen von Kiss brachte er rund 20 Alben heraus, verkaufte davon mehr als 100 Millionen und feierte rund um die Welt Erfolge.

Seinen 65. Geburtstag am Freitag (20. Jänner) hätte Stanley mit einem Auftritt bei der Amtseinführung des kommenden US-Präsidenten Donald Trump in Washington verbringen können, aber die Band schlug die Einladung US-Medienberichten zufolge "höflich aus". Anstelle dessen geht sie weiter auf Welttournee, die sie am 21. Mai auch in die Wiener Stadthalle führen wird.

Von der Kiss-Ursprungsbesetzung, die 1973 an den Start ging, ist neben Stanley allerdings nur noch Sänger und Bassist Gene Simmons dabei. Mit den beiden anderen Gründungsmitgliedern Ace Frehley und Peter Criss und auch mehreren Nachfolgern zofften sich Stanley und Simmons immer wieder schlagzeilenträchtig. Auch untereinander verläuft nicht immer alles harmonisch. "Ich mag ihn eigentlich überhaupt nicht", sagte Stanley vor einiger Zeit dem US-Fernsehsender CBS über Simmons. "Es gibt Tage, an denen er mich nervt. Er ist der Typ, den alle immer als das Gehirn hinter Kiss sehen, dabei ist er doch eigentlich das Sprachrohr. Ich sage den Menschen immer, dass er zwei Minuten von mir entfernt lebt, aber ich sein Ego von meinem Haus aus sehen kann."

Um Stanleys Ego sah es dagegen schon von Beginn an eher mager aus. Das rechte Ohr des 1952 in Manhattan als Sohn einer vor den Nationalsozialisten geflohenen Deutschen und eines Polen geborenen Buben war von Geburt an verformt, er konnte nur schlecht hören. Das habe ihn zu einem "einsamen Kind" gemacht, das nur schwer mit Menschen und vor allem Frauen in Kontakt kam und auch in der Schule schwächelte, erinnerte sich Stanley später.

Über die Musik und seine Gitarre wollte er das ändern. Gemeinsam mit Simmons, Frehley und Criss gründet er Kiss, die Band bringt ein Album nach dem anderen heraus und findet vor allem durch ihre wilden Bühnenshows mit Make-Up, Kostümen, Feuereffekten und zertrümmerten Gitarren Beachtung. "I Was Made for Loving' You" wird zu einem ihrer größten Hits. Auf einmal seien ihm "die Frauen nachgelaufen, die Männer haben mich beneidet und wir haben Millionen Alben verkauft", erinnert sich Stanley. Seit einiger Zeit sinken jedoch die Platten- und Konzertticketverkäufe der Band, auch wenn sie immer noch eine eingeschworene Fanbasis hat.

Die Anfangsjahre von Kiss seien eine "sehr ehrgeizige Zeit" gewesen. "Ich wollte kompensieren und mich wertvoller fühlen, indem ich Dinge erreiche", sagt Stanley, der in zweiter Ehe verheiratet ist und vier Kinder hat. "Heutzutage sind meine Frau und meine Kinder meine Erfolge. Aber dahin zu kommen, hat lange gedauert."

Quelle: Apa/Dpa

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