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Der Winter hat Europa fest im Griff

In Polen sind binnen zwei Tagen mindestens zehn Menschen erfroren, auf Sizilien hat es geschneit und der Bosporus wurde wegen eines Schneesturms gesperrt: Die Kältewelle hat große Teile Europas nach wie vor im Griff. In Österreich wurden in der Nacht auf Samstag Tiefstwerte von minus 26 Grad gemessen - in Tannheim (Tirol) und Radstadt (Salzburg).

 SN/AP

Der Freitag sei bisher "der tragischste Tag in diesem Winter", hieß es am Samstag seitens des polnischen Regierungszentrums für nationale Sicherheit. An diesem Tag starben sieben Menschen durch Kälte, drei waren es am Vortag. Die Zahl der Kältetoten seit 1. November stieg demnach auf 53. In Polen liegen die Temperaturen bei minus 20 Grad und darunter. Die Polizei ersuchte die Bevölkerung, auf besonders gefährdete Menschen wie etwa Obdachlose zu achten.

In Lettland sind seit Silvester mindestens elf Menschen an den Folgen der eisigen Kälte gestorben. Unter ihnen war ein 86-jähriger Mann, der tot in seinem Haus in Riga aufgefunden wurde.

Bitteren Frost gibt es auch in Tschechien. In Prag fand eine Polizeistreife am Samstag unter einer Brücke die Leiche eines Obdachlosen, der in der Nacht erfroren war. In der Gemeinde Hradistko in Mittelböhmen brachen zwei Männer auf dem Eis eines Sees ein. Für einen der beiden kam die Hilfe der Rettungskräfte zu spät, er starb an Unterkühlung. In der Industrieregion um Ostrava (Ostrau) gaben die Behörden Wintersmog-Alarm. Neben der Industrie belasteten dort auch die Kohleheizungen der Haushalte die Luft. Am kältesten war es im Böhmerwald (Sumava) an der Grenze zu Deutschland. Dort sanken die Temperaturen nach Angaben des tschechischen Wetterdienstes auf minus 34,6 Grad.

In Italien hat die für das Land ungewöhnliche Kälte ebenfalls Menschenleben gefordert. Vier Obdachlose sind in zwei Tagen gestorben. In Rom dürfen als Notmaßnahme die U-Bahn-Stationen nachts geöffnet bleiben, um Menschen ohne feste Bleibe Schutz vor der Kälte zu bieten.

Papst Franziskus ließ spezielle Schlafsäcke an Obdachlose in Rom verteilen und stellte Autos bereit. Außerdem seien Hilfszentren länger geöffnet für diejenigen, die sich aufwärmen müssten, sagte der Päpstliche Almosenmeister Konrad Krajewski. "Das Auto kann man natürlich nicht nachts an lassen, weil es gefährlich ist, aber als Schutzraum ist es immerhin etwas." Die Schlafsäcke würden unterdessen bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad noch warm halten.

Selbst in Süditalien hat es teilweise heftig geschneit. Einige Gemeinden in der Apennin-Region Molise waren ohne Strom und Wasser. Die Straßen waren blockiert, die Temperaturen sanken auf minus zehn Grad. In der Region Basilikata bleiben die Schulen am Montag zu. Angezuckert präsentierte sich das "Tal der Tempel" in Agrigent auf Sizilien mit seinen über 2000 Jahre alten Ruinen.

Klirrende Kälte herrscht seit Freitag auch im Norden Griechenlands. Die Thermometer in der Hafenstadt Thessaloniki zeigten am Samstag um die Mittagszeit minus sieben Grad. Am schlimmsten leiden Tausende Migranten und Flüchtlinge auf den Inseln, die in Zelten ausharren müssen. Zahlreiche Landstraßen waren nur mit Schneeketten befahrbar, wie die Polizei mitteilte. Eine dünne Schneedecke lag auf den Stränden zahlreicher Inseln der nördlichen Ägäis. Auch im Zentrum Athens herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Wegen heftiger Schneestürme in der türkischen Millionenmetropole Istanbul ist der Bosporus für den Schiffsverkehr gesperrt worden. Die Sichtweite auf der Meerenge zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer war zeitweise unter 100 Meter gefallen. Auch hunderte Flüge wurden gestrichen. In der Nacht auf Samstag waren in Istanbul bis zu 40 Zentimeter Schnee gefallen.

An der bulgarisch-türkischen Grenze sind erneut zwei Flüchtlinge erfroren. In einem Wald im verschneiten Gebirgsmassiv Strandzha im Südosten Bulgariens fanden Dorfbewohner am Freitag die Leichen von zwei Irakern, wie die Polizei in der Regionalhauptstadt Burgas mitteilte. Am Montag war in der gleichen Gegend eine Somalierin tot aufgefunden worden. Das Strandzha-Massiv ist der einzige Teil der Grenze, der nicht durch Stacheldrahtzäune abgesperrt wurde.

Der Wintereinbruch hat auch den Niederlanden schwer zu schaffen gemacht. Bei rund 330 Glatteisunfällen - vor allem auf den Autobahnen - wurden am Samstag mehrere Menschen verletzt. Ein Autofahrer kam ums Leben, wie die Polizei mitteilte. Er sei in der Provinz Gelderland mit seinem Wagen in einen Graben neben der Autobahn A15 gestürzt. 

Quelle: Apa/Dpa

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