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Die Selbstversorger

Gemüse, Obst und Kräuter anzubauen und zu verarbeiten liegt im Trend. Damit man alles richtig macht, gibt es nun sogar eine Ausbildung zum Selbstversorgerpädagogen.

Symbolbild. SN/stock.adobe.com
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Die Tomaten frisch von der Staude, der Salat frisch aus dem Hochbeet, die Kräuter frisch aus dem Kistl, das am Balkon steht, der Honig von den eigenen Bienen. Der Trend, die Nahrung selbst zu produzieren, nimmt in Österreich Fahrt auf. Wer das nicht im eigenen Garten machen kann, der mietet sich ein Stück Acker vom Bauern, betreibt mit anderen einen Gemeinschaftsgarten in der Stadt oder verwandelt seinen Balkon in einen Kräutergarten.

Gründe für diese neue Liebe zum selbstproduzierten Essen gibt es viele: Einerseits wollen immer mehr Menschen genau wissen, was auf den Tisch kommt, ob es regional produziert wurde, ob es biologisch ist oder ob es mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurde. So mancher Lebensmittelskandal in den vergangenen Jahren hat die Skepsis gegenüber der Nahrungsmittelindustrie und ihren Produkten zusätzlich genährt. Und: Gesundes Essen ist den Österreichern generell wichtig: Bei aktuellen Umfragen gaben 56 Prozent an, dass sie versuchen, möglichst nahrhafte und gesunde Produkte zu sich zu nehmen.

Andererseits ist die Produktion der eigenen Lebensmittel - zu sehen, wie das eigene Gemüse wächst - auch ein Ausgleich zum stressigen Berufsleben. Es geht um die innere Entschleunigung, um den Wunsch, aus dem Hamsterrad auszubrechen.
Allerdings, ohne das nötige Fachwissen geht es nicht, denn sonst besteht die Gefahr, dass man das ganze Jahr über in seinem Beet gearbeitet hat, aber die Ernte kläglich ausfällt. Damit dies nicht passiert, kann man sich nun an Profis wenden. Seit Kurzem gibt es eine Ausbildung zum Selbstversorgungspädagogen, und zwar an der Vitalakademie, die Standorte in Wien, Linz, Salzburg, Graz, Klagenfurt und Dornbirn hat. "Die Kurse sind ausgebucht, es gibt ein großes Interesse an diesem Thema", sagt die Akademieleiterin Sonja Kainberger. "Viele Menschen haben genug von Fertiggerichten, dem industrialisierten Geschmack. Die Naturbelassenheit und der Geschmack der eigenen Produkte wird zunehmend geschätzt", so beschreibt Kainberger den Antrieb ihrer Kursteilnehmer.

Allerdings ist das Wissen, wie man sich selbst versorgt, in den vergangenen Jahrzehnten vielfach verloren gegangen. "Früher wurde das von den Müttern an die Töchter weitergegeben", erklärt Kainberger. Was wohl auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit war. Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten und ihre Weiterverarbeitung sparten Geld und entlasteten das Haushaltsbudget.

Dieses etwas verschüttgegangene Wissen wird bei der Ausbildung zum Selbstversorgungspädagogen wieder aufgefrischt. Neun Monate dauert es, um sich das nötige Basiswissen für einen Selbstversorger anzueignen. Am Schluss muss eine mündliche Diplomprüfung abgelegt werden. Die Kurse reichen von der "Geschichte und Wege der Selbstversorgung" bis zu den Grundlagen der Kleintierhaltung und vom "Brotbacken" bis zum "Erlernen bewährter Handwerkstechniken", etwa dem Korbflechten. Wer das Diplom hat, kann das Wissen dann für sich einsetzen oder aber selbst Kurse über Selbstversorgung anbieten.

Der Weg zum Selbstversorger hat zudem eine sportliche Komponente. Wer einen Garten betreut, der ist viel an der frischen Luft und in Bewegung und tut so zusätzlich etwas für seine Gesundheit.

Der Trend zur Selbstversorgung ist schon lang nicht mehr nur auf Gemüse und Kräuter und deren Verarbeitung beschränkt. Besonders beliebt ist im Moment das Halten von Hühnern, damit das Frühstücksei frisch auf den Tisch kommt. Die Lagerhäuser haben darauf bereits reagiert und bieten die nötigen Utensilien an, vom Hühnerstall um 199,99 Euro bis zum Geflügelnetz um 69 Euro. Dazu gibt es die nötigen Tipps, damit die Hühner artgerecht gehalten werden.

Aufgerufen am 26.11.2020 um 08:00 auf https://www.sn.at/panorama/international/die-selbstversorger-68192200

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