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Drama im Südatlantik: Wie ein U-Boot im Meer verschwinden kann

Die Ortung nach der argentinischen "ARA San Juan" im Südatlantik gleicht einer verzweifelten Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Bei ungünstigen Wasserverhältnissen ist es möglich, dass die Sonarstrahlen nicht auf das gesuchte Objekt treffen.

Bei der Suche nach dem im Südatlantik verschollenen argentinischen U-Boot "ARA San Juan" läuft den Rettern die Zeit davon. Die 44-köpfige Besatzung verfügt über Sauerstoffreserven für sieben Tage, sollte das U-Boot nicht auftauchen können. Die letzte Funkverbindung fand am vergangenen Mittwoch statt. An der internationalen Suchaktion nehmen 14 Schiffe und zehn Flugzeuge teil, unter ihnen hoch spezialisierte Einheiten aus Großbritannien, den USA und Brasilien. Es ist der größte Marine- und Lufteinsatz im Südatlantik seit dem Falklandkrieg 1982 zwischen Argentinien und Großbritannien. Auch ein britisches Schiff und ein Flugzeug der Royal Air Force, die auf Falkland stationiert sind, nehmen an der Rettungsaktion des argentinischen U-Boots teil. Die letzte Nachricht der Besatzung war, dass es einen Kurzschluss im Batteriensystem an Bord gegeben habe. Seitdem gab es keinen Kontakt mehr zum U-Boot.

Das Einsatzgebiet ist unermesslich groß

Wie kann ein U-Boot verschwinden? "Sie müssen sich die schiere Größe des Einsatzgebietes im Ozean vorstellen", sagt ein Pressesprecher der Deutschen Marine in Kiel. Die Sicherheitsoffiziere der Marine verfolgen das Geschehen im Südatlantik mit großer Spannung. Es sei möglich, dass trotz aller Ortungsmaßnahmen das U-Boot nicht gefunden werden könne. Ein U-Boot ist aus Metall und grundsätzlich mittels Sonarstrahlen zu orten. Technisch funktioniert das so: Eine Sonaranlage schickt Schallstrahlen ins Wasser. Schallstrahlen breiten sich im Wasser fünf Mal schneller aus als in der Luft. Sie werden vom Objekt zurückgeworfen und sind als Bild auf einem technischen Bildschirm zu sehen.

Doch das Wasser - und das ist die Schwierigkeit - ist nicht homogen. Es besteht aus diversen Schichten mit unterschiedlicher Temperatur und unterschiedlichem Salzgehalt. Diese Bedingungen können sich täglich ändern. Eine Schicht kann den Schallstrahl so ablenken, dass das Objekt, das sich darunter befindet, nicht zu orten ist.

Notsignale leuchten nur zwei Minuten lang

Möglich ist auch, dass die Mannschaft Kartuschen nach oben schickt, also ein Notsignal sendet. Doch dieses leuchtet nur etwa zwei Minuten lang. Wenn kein Schiff in der Nähe ist, von dem aus man das Signal sehen könnte, hilft das Notsignal nichts.

Ein im Meer von zwei argentinischen Kriegsschiffen über Echolot empfangenes Geräusch hatte am Montag die Hoffnung erweckt, es könnte von dem verschollenen U-Boot ausgegangen sein. Ein hochmodernes US-Seefernaufklärungsflugzeug Boeing P-8 übernahm eine Aufzeichnung des Geräuschs. Mit einer speziellen Software wurde jedoch festgestellt, dass es nicht vom U-Boot entstanden, sondern wahrscheinlich biologischen Ursprungs sei, erklärte am Montagabend (Ortszeit) der Marinesprecher Enrique Balbi in Buenos Aires.

Kurz vorher hatten die Angehörigen der Besatzung, die auf dem Marinestützpunkt von Mar del Plata auf Nachrichten harren, eine weitere Enttäuschung erlebt. Sieben gescheiterte Anrufversuche eines Satellitentelefons wurden darauf untersucht, ob sie vom "ARA San Juan" aus gestartet worden seien. Auch hier stellte sich nach einer Recherche des Satellitenunternehmens Iridium heraus, dass die Spur nicht zu den Verschollenen führte.

Vom All aus kann kaum Hilfe kommen

Über einen optischen Satelliten vom All aus ist das U-Boot nicht zu orten, da die elektromagnetischen Strahlen nur wenige Meter ins Wasser eindringen können.

Zum Zeitpunkt der letzten Funkverbindung fuhr das U-Boot durch den Golf von San Juan südöstlich der Halbinsel Valdés. Dort herrschte schwerer Seegang. Die anhaltend hohen Wellen von bis zu sieben Metern und der starke Wind von bis zu 70 Kilometern pro Stunde erschwerten die Suche und störten die Echoortung. Die Wetterbedingungen sollten sich jedoch, heute, Dienstag bessern.

Neben der systematischen Suche auf einer Meeresfläche von über 43.000 Quadratkilometern wird bereits eine eventuelle Bergung am Ozeangrund vorbereitet. Vier Transportflugzeuge der US-Navy wurden vom Southern Command mit Sitz in Florida zum patagonischen Hafen von Comodoro Rivadavia mit einem Mini-U-Boot, einem ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug (ROV) und weiterer Ausstattung zur Tiefsee-Bergung entsandt. Das kleine Rettungs-U-Boot kann bis zu sechs Menschen auf einmal aus einem gekenterten U-Boot bergen.

Das U-Boot mit einer Kiellänge von 65 Metern war im Auftrag der argentinischen Kriegsmarine von den damals dem Thyssen-Konzern gehörenden Nordseewerken in Emden gebaut worden. Nach dem Stapellauf 1983 wurde die "ARA San Juan" 1985 von der Marine in Dienst genommen. Ab 2007 wurde es in einer argentinischen Werft einer allgemeinen Überholung unterzogen, die wegen Etat-Kürzungen erst 2014 abgeschlossen wurde.

Aufgerufen am 13.12.2018 um 10:22 auf https://www.sn.at/panorama/international/drama-im-suedatlantik-wie-ein-u-boot-im-meer-verschwinden-kann-20747710

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