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Dürre in Äthiopien brachte Hungersnot zurück

Das ostafrikanische Land Äthiopien mit seinen rund 100 Millionen Einwohnern hat in diesem Sommer die schlimmste Dürre seit 30 Jahren erlebt.

Dürre in Äthiopien brachte Hungersnot zurück SN/APA (Kreiner)/ANGELIKA KREINER
Die Kinder sind von der Hungersnot am meisten betroffen.

Weil es zwei Jahre sehr wenig oder fast gar nicht geregnet hat, sind im Vorjahr bis zu 100 Prozent der Ernte ausgefallen, mitverursacht durch das Klimaphänomen El Nino. 18 Millionen Menschen - fast ein Fünftel der Bevölkerung - brauchen Nahrungsmittelhilfe.

Auch 2016 ist die erste, kleine Regenzeit im April ausgefallen. Im Juni hat dann der Regen eingesetzt, die Bauern konnten ihre Felder bestellen. "Die Menschen stehen vor der paradoxen Situation, dass es zu grünen beginnt, aber sie nichts zu essen haben", sagte Caritas-Präsident Michael Landau bei einer Pressereise nach Äthiopien. "Hunger ist kein Schicksal, Hunger ist ein Skandal", so Landau.

Im Dorf Muli Kebele in der Somali-Region sind 63 Prozent der Bevölkerung von der Dürre betroffen und unterernährt. In einem Ernährungszentrum wurden innerhalb von Monaten rund 200 unterernährte Kinder unter fünf Jahren und 500 Mütter behandelt. "Viele Kinder leiden zusätzlich auch an Durchfallerkrankungen und Malaria", sagt Abdi Ali Ismail, der medizinische Leiter des Zentrums. "Die Hälfte unserer Kühe ist durch die Dürre verendet", schilderte die 60-jährige Hawa, die mit ihrer einjährigen Enkeltochter Nemah gekommen ist. Hawa kann sich noch an die Dürre in den 1980er-Jahren, als bis zu eine Million Äthiopier verhungert sind, erinnern. "Damals starben die Kinder, heuer zumindest bisher das Vieh".

Stationär aufgenommen wurde die neunmonatige Hegma mit ihrer Mutter. Das Mädchen hat lediglich 5,5 Kilogramm, neun wären in diesem Alter das Idealgewicht. Das Baby bekam ein spezielles, proteinhaltiges Nahrungsmittel namens Femix. Selbstständig sitzen konnte Hegma nicht, sie war zu schwach. "Ich bin froh, dass wir hier behandelt werden", sagte ihre Mutter.

Femix wird mit Hilfe der Caritas auch am Rande der Stadt Meki an unterernährte Kinder verteilt. 4,5 Kilogramm erhält jedes Kind im Monat bis Ende September. Mithilfe eines speziellen Maßbandes am Arm wird der Grad der Unterernährung an den Babys gemessen. Der zehn Monate alte Adisu lag im kritischen Bereich, er hat lediglich sechs Kilogramm, mehr als neun wären normal. Die Eltern des Buben sind Bauern, weil die Ernte vergangenes Jahr fast ganz ausfiel, mussten sie heuer zusätzlich als Tagelöhner arbeiten. Dann passte die siebenjährige Schwester Hana auf Adisu und seinen vierjährigen Bruder auf. "Weil ich arbeiten muss, kann ich ihn nicht oft genug stillen", schilderte die Mutter Sara. "Wenn wir in der Früh nicht für alle zu Essen haben, bekommen die Kinder etwas, und mein Mann und ich gehen hungrig arbeiten", erzählte Sara.

Dank zahlreicher Programme, Investitionen und wirtschaftlicher Entwicklung konnte die Zahl der unterernährten Bevölkerung verringert werden. Doch auch in Jahren mit normaler Regenzeit sind heute noch immer ein Drittel der Äthiopier nicht ausreichend ernährt. Die jetzige Katastrophe hat sich lange angekündigt. "Es sind sicher zahlreiche Menschen aufgrund der Dürre und Hunger gestorben, aber es gibt keine offiziellen Zahlen dazu", betonte auch Michael Zündel von der Caritas Vorarlberg.

Die Regierung hat zu schwach und zu spät reagiert", sagte Christoph Schweifer, Auslandsgeneralsekretär der Caritas. "Die Spitze ist noch nicht erreicht", warnte er. Zu den 2,3 Millionen Euro, die die Caritas in reguläre Programme investiert, kommen heuer noch einmal eine Million Euro Nothilfe. Damit können 72.000 Menschen erreicht werden.

"475.000 Kinder sind derzeit akut schwer unterernährt, die Spitze ist noch nicht erreicht", sagte John Aylieff vom World Food Programme. Denn erst im Herbst kann wieder geerntet werden. Allerdings sei die Infrastruktur, um Betroffene zu erreichen, in den vergangenen Jahren bessergeworden. So gibt es im ganzen Land 2.000 Verteilpunkte für Nahrungsmittel, 2.400 für unterernährte Kinder. Zusätzlich zu acht Millionen Menschen, die in staatlichen Ernährungshilfsprogrammen sind, müssen wegen der Dürre 10,2 Millionen Menschen versorgt werden.

Immer wieder geht dem World Food Programme auch das Geld für einzelne Regionen aus. Im November 2015 war etwa für die Somali-Region kein Geld da, bis dann Schweden 17 Millionen Dollar (rund 15 Millionen Euro) überwies. Zur Nothilfe werden 1,52 Billionen Dollar benötigt. Das Geld soll von der internationalen Staatengemeinschaft kommen.

Äthiopien ist ein Schwerpunktland der heurigen Caritas-Hungerkampagne. Die Caritas hat bereits zahlreiche Nothilfeprogramme laufen. In Dugda, Zeway und Adamitulu werden beispielsweise fast 45.000 Menschen mit Nahrungsmitteln, Saatgut und Kleinvieh unterstützt. Tausende unterernährte Kinder bekamen spezielle Nahrungsmittelhilfe mit besonders proteinhaltiger Kost.

Quelle: APA

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