Kopf des Tages

Eddy Grant - der Reggae-Sänger wurde 70

Bekannt wurde Eddy Grant in den 60er-Jahren mit den "Equals", einer der ersten britischen Pop-Bands, in der Weiße und Schwarze spielten. Als unabhängiger Weltmusik-Produzent ist der Kämpfer für Gleichheit unter den Menschen sich treu geblieben. Am Montag (5. März) feierte er seinen 70. Geburtstag.

Eddy Grant wurde 70. SN/afp
Eddy Grant wurde 70.

Ein verschmitztes Lächeln betont seine hohen Wangenknochen, die markante Lücke zwischen den Schneidezähnen blitzt charmant. Nach elfjähriger Schaffenspause hat Eddy Grant im vergangenen Jahr wieder ein Album herausgebracht - "Plaisance" - benannt nach seinem Geburtsort im südamerikanischen Guyana.

Plaisance sei ein Ort für Überlebende, sagte er den "New York Daily News". "Wir waren das zweite Dorf im Land, in dem die Sklaven ihre Dörfer von den Sklavenhaltern zurückkauften." "Plaisance" bildet den ersten Teil einer musikalischen Trilogie über seine Heimat, mit nachdenklichen Tracks, flotten Melodien und unterschiedlichsten Stilrichtungen. Soviel Freiheit ist nur möglich, weil sich der Weltmusiker sein eigenes kleines, unabhängiges Imperium mit dem Label Ice Records und den Blue Wave Studios auf der Karibikinsel Barbados aufgebaut hat.

Grant wird 1948 in der damaligen Kolonie Britisch-Guyana geboren. Die Familie ist arm, aber Calypso-Musik füllt das Haus - sein Vater spielt Trompete in einem Radio-Orchester. Nachts zieht der junge Eddy das Instrument heimlich unterm Bett seines Vaters hervor und übt. "Mein Traum war nur, morgens aufzuwachen und in einem Graben oder Kanal schwimmen zu gehen und in den Savannen Vögel anzuschauen", sagte er dem Online-Magazin "Music-News". "Es war ein einfaches Leben. Ich war glücklich."

1960 zieht die Familie wie viele andere Einwanderer aus den britischen Kolonien nach London, sechs Jahre bevor Guyana unabhängig wird. Als Teenager träumt Grant davon, Chirurg zu werden, doch Chuck Berrys Rock 'n' Roll und die gerade aufblühende Londoner Beatmusik-Szene verführen ihn: Mit zwei Musiker-Freunden und jamaikanischen Nachbarszwillingen gründet der Gitarrist seine erste Band - "The Equals", die erste große britische Band, in der Schwarze und Weiße gemeinsam Musik machen: Beatmusik plus Calypso, Reggae und Ska.

In Deutschland werden sie 1967 durch ihren Auftritt in der populären Musiksendung Beat-Club bekannt, mit dem "Diskotheken-Knüller" - wie die Moderatorin ankündigt - "I Won't Be There". Ein Flop in Großbritannien, aber der Beginn einer Erfolgsserie in Deutschland. Auch ihr erfolgreichster Song "Baby Come Back" stürmt die deutschen Hitparaden lange bevor er Nummer Eins in Großbritannien wird.

In dem zunehmend fremdenfeindlichen Klima der 60er Jahre verkörpern die "Equals" die damals radikale Idee, dass weiße Briten und andersfarbige Einwanderer zusammengehören. Grants Songtexte - und seine bunten Outfits, bis hin zu blonder Frauenperücke auf gelbgefärbtem Afro - unterstreichen das. Er schafft es, die brutalen Alltagserfahrungen von schwarzen Jugendlichen in London zu beschreiben und damit Tanzflächen zu füllen.

In dem 1971er Funk-Klassiker "Black Skin Blue-Eyed Boys" schildert Grant seine Zukunftsvision: "People won't be black or white. The world will be half-breed" ("Menschen werden nicht schwarz oder weiß sein. Die Welt wird gemischt sein"). Der Höhepunkt der "Equals" und gleichzeitig Grants Abschied, denn am Neujahrstag 1971 erleidet er einen Herzinfarkt.

Ein Riesenschock für den damals 22-jährigen, der weder Drogen nimmt noch Alkohol trinkt und sich vegetarisch ernährt - und ein Wendepunkt. "Ich war gezwungen, mein Leben neu zu überdenken", sagte er dem Internetmagazin "Onirik". "Ich entschied, dass ich von da an nach meinen eigenen Bedingungen leben würde."

Er baut ein Plattenlabel auf, produziert andere Musiker und erfindet sich Ende der 70er neu als politischer Solokünstler: Nach dem 1979er Hit "Living on the Frontline" setzt er 1982 den ethnisch motivierten Unruhen im Londoner Stadtteil Brixton mit "Electric Avenue" ein Denkmal.

Auch seine vernichtende Anklage gegen die südafrikanische Apartheid "Gimme Hope Jo'anna" - wobei Jo'anna für Johannisburg steht - wird durch die mitreißende Melodie zum Ohrwurm. 16 Studioalben hat er veröffentlicht und mehr als 20 Millionen Platten verkauft: "Musik ist ein fantastischer Transportmechanismus. Es ist wie Wasser", verriet er dem Musikmagazin "M" sein Erfolgsrezept. "Du willst eine bittere Pille schlucken? Trink viel Wasser und sie wird ganz leicht runtergehen."

(Apa/Dpa)

Aufgerufen am 20.06.2018 um 06:48 auf https://www.sn.at/panorama/international/eddy-grant-der-reggae-saenger-wurde-70-25096399

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