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Elisabeth Blanik - Architektin schreitet zum Wiederaufbau der Tiroler SPÖ

Die neue Parteichefin der Tiroler SPÖ, Elisabeth Blanik, steht vor einer wahren Herkulesaufgabe: Sie muss das mehr als ins Schlingern geratene Schiff namens Tiroler SPÖ wieder auf Vordermann bringen. Es gilt, den Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu verhindern. Mit den starken 92,78 Prozent beim Landesparteitag in Zirl ist der Anfang gemacht, der Start geglückt.

Elisabeth Blanik - Architektin schreitet zum Wiederaufbau der Tiroler SPÖ SN/APA/EXPA/JAKOB GRUBER
Die neue Parteichefin der Tiroler SPÖ, Elisabeth Blanik.

Rund eineinhalb Jahre vor dem regulären Landtagswahl-Termin war auch nicht zu erwarten, dass es zu einer Revolte oder Selbstzerfleischung der Funktionäre am Landesparteitag kommt. Alles andere als ein "Hinter Blanik-Stehen" wäre einem politischen Selbstmord gleichekommen. In der absoluten Not halten die Genossen zusammen und bekunden einhellig "Freundschaft". Doch ob sich die launische Partei auch im politischen Alltag hinter der quirligen Osttirolerin versammelt, bleibt abzuwarten.

Ebenfalls abzuwarten bleibt, ob sich die beträchtliche Entfernung ihrer Heimatstadt Lienz von Innsbruck nicht doch als ein Nachteil hinsichtlich der Führung der Partei herausstellen wird. Blanik wurde schon des Öfteren für höhere Weihen in der SPÖ gehandelt - bis Mitte September, als sie sich bereit erklärte nach dem Rückzug von Ingo Mayr für den Vorsitz zu kandidieren, hat sie aber immer abgewunken.

Die 50-Jährige gilt als Wunschlösung von Bundesparteichef und Kanzler Christian Kern. Bei dessen Start als Bundeskanzler wurde sie etwa als mögliche Verkehrsministerin kolportiert. Das liegt vor allem an der guten Performance, die die gebürtige Osttirolerin vor allem in ihrer Heimatstadt Lienz als Bürgermeisterin mehrfach unter Beweis gestellt hatte.

Blanik hatte im Jahr 2011 den Bürgermeistersessel von Johannes Hibler (ÖVP) erobert. Ihr Amt konnte sie bei der Gemeinderatswahl im vergangenen Februar souverän verteidigen. Sie entschied die Bürgermeisterdirektwahl mit satten 62,34 Prozent der abgegebenen Stimmen klar für sich. Im Gemeinderat gewann sie drei Mandate dazu, die SPÖ hält in Lienz nun zehn von 21 Sitzen.

Mit Blanik steht zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der Tiroler SPÖ. Die 50-Jährige, die seit 2003 im Tiroler Landtag sitzt, gilt als fleißige, rhetorisch und fachlich versierte sowie mitunter angriffige Mandatarin, die auch über die Parteigrenzen hinweg geschätzt wird. Nach der schweren Niederlage bei der Landtagswahl 2013 trat sie auch parteiintern als kritische Stimme in Erscheinung. Unter anderem forderte sie damals den Rückzug von Gerhard Reheis als Klubobmann.

Vorerst beschränkt sich die von Blanik in Aussicht gestellte personelle Erneuerung der SPÖ Tirol in erster Linie nur auf ihre Person. Die Landtagsriege ist ansonsten fast ausnahmslos mit altgedienten Politikern bestückt, die in einem neuen sozialdemokratischen Zeitalter nicht mehr die führenden Köpfe der Landespartei bilden werden. Ein Startnachteil für Blanik - umfassende Dynamik sieht anders aus. Auch lässt sich schwer abschätzen, ob sich ihre Ankündigung, auf keinen Fall für einen Landesregierungs-Posten nach der Wahl zur Verfügung zu stehen, nicht noch als strategischer Fehler herausstellen wird.

Doch vorerst gilt es, den drohenden Absturz in die prozentuelle Einstelligkeit zu verhindern. Das historisch schlechte Landtagswahlergebnis von 13,72 Prozent aus dem Jahr 2013 noch zu unterschreiten - das wäre eine mittlere Katastrophe für die Tiroler Traditionspartei.

Blanik wurde am 30. Jänner 1966 in Lienz geboren. Die Mutter zweier Kinder lebt in einer Lebensgemeinschaft. Die Osttirolerin studierte an der Technischen Universität in Wien Architektur. Im Anschluss an das Studium übte sie viele Jahre den Beruf als Architektin aus. 2003 zog sie für die SPÖ in den Landtag ein. Von 2004 bis 2011 bekleidete sie das Amt der Vizebürgermeisterin in Lienz, ehe sie bei der Gemeinderatswahl 2011 den Bürgermeistersessel eroberte, den sie bis heute innehat.

Quelle: APA

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