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Eltern in Kroatien wegen Todes von Tochter verurteilt

In Kroatien sind rund ein Jahr nach dem Tod eines zweieinhalbjährigen Mädchens durch schwere Kopfverletzungen am Mittwoch die Eltern verurteilt worden. Die Mutter, die als Hauptverdächtigte galt, erhielt 13 Jahre Haft, der Vater bekam sieben Jahre. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, berichteten kroatische Medien. Die Mutter wurde schuldig gesprochen, weil sie das Mädchen grob weggestoßen habe, wobei es beim Sturz lebensgefährliche Verletzungen erlitt.

Beide Eltern wurden außerdem wegen emotionaler Vernachlässigung und Kindesmisshandlung verurteilt. Sie hätten nicht nur das Mädchen misshandelt, sondern auch einen viereinhalbjährigen Buben. Das Paar aus Nova Gradiska in Ostkroatien hat insgesamt vier Kinder.

Das Mädchen starb Anfang April 2021 im Zagreber Kinderspital nach vier Tagen im Koma. Die damals 24-jährige Mutter brachte das verletzte Kind selbst ins Krankenhaus in Nova Gradiska und gab an, es sei gestürzt. Das Mädchen, das reanimiert werden musste, wurde wegen seines schlechten Gesundheitszustands sofort nach Zagreb verlegt. Dort wurden am Körper des Kindes zahlreiche frische, aber auch ältere blaue Flecken festgestellt, die auf längere Misshandlungen schließen ließen. Die Mutter und der damals 27-jährige Vater kamen in U-Haft.

In dem Prozess vor dem Landesgericht in Slavonski Brod, der am 11. April begonnen hatte und unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, hatten sich die Eltern noch auf freiem Fuß verteidigt. Nach der Urteilsverkündung wurden sie in Gewahrsam genommen, berichteten Medien.

Der Todesfall hatte ganz Kroatien erschüttert und wurde zum Symbol von schweren Systemversäumnissen. Die Familie war vom Jugendamt in Nova Gradiska betreut worden, bei dem im Nachhinein Fehler und Versäumnisse in dem Fall festgestellt wurden. Das Mädchen kam bereits mit drei Monaten in eine Pflegefamilie, wo es über ein Jahr lang aufwuchs. Im November 2020 wurde es den leiblichen Eltern, die ihre familiären Verhältnisse verbessert hätten, zurückgegeben. Die Behörde versäumte es danach trotz zahlreicher Anzeichen, dass etwas nicht stimme, zu reagieren. Das Familienministerium, das ebenfalls stark unter Druck geriet, kündigte Systemverbesserungen an. Allerdings beschweren sich Sozialarbeiter, dass es bisher keine wesentlichen Änderungen gegeben habe, hieß es in Medien.

Unmittelbar nach dem Tod des kleinen Mädchens wurden zwei weitere Kinder in Pflege untergebracht. Das dritte Kind, ein heute neunjähriges Mädchen, das bisher bei der Großmutter väterlicherseits gelebt hatte, wurde vom Jugendamt heuer im März in Obhut genommen.

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