Kopf des Tages

Emmerson Mnangagwa - vom "Krokodil" zum Präsidenten Simbabwes

Jahrelang stand Emmerson Mnangagwa als treuer und skrupelloser Gehilfe an der Seite von Simbabwes Präsident Robert Mugabe. Mithilfe des Militärs gewann Mnangagwa den Machtkampf um dessen Nachfolge und zwang seinen früheren Mentor zum Rücktritt. Am vergangenen Montag wurde der Amtsinhaber im ersten Wahlgang bestätigt. Die Opposition will das denkbar knappe Ergebnis anfechten, Betrugsvorwürfe stehen im Raum.

Emmerson Mnangagwa. SN/AP
Emmerson Mnangagwa.

Im November sah es zunächst so aus, als hätte Mnangagwa den Kampf um Mugabes Nachfolge gegen dessen Frau Grace verloren. Er wurde als Vizepräsident entlassen und floh aus Angst um sein Leben nach Mosambik. Seine engen Verbindungen zu Simbabwes Militär zahlten sich jedoch aus. Nach dem Sturz Mugabes kehrte er zurück und übernahm das Präsidentenamt.

Im Wahlkampf versprach Mnangagwa, die am Boden liegende Wirtschaft Simbabwes wieder aufzurichten und das international isolierte Land dem Westen gegenüber zu öffnen. Nach seinem am Freitag verkündeten Wahlsieg rief er die Simbabwesen zu Einigkeit auf, um "ein neues Simbabwe für alle" zu errichten. Mit dem Sieg wollte sich der Veteran aus dem Unabhängigkeitskrieg die demokratische Legitimierung für seine Präsidentschaft holen, Vorwürfe der Wahlmanipulation und das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten werfen jedoch einen Schatten über das Ergebnis.

Als Symbol für einen Neubeginn taugt Mnangagwa allerdings ohnehin kaum - zu eng war er lange Zeit mit dem Herrschaftssystem Mugabes und der brutalen Unterdrückung der Opposition verflochten. Geboren wurde Mnangagwa am 15. September 1942 im Bezirk Zvishavana im Südwesten des damals noch unter britischer Kolonialherrschaft stehenden Rhodesiens, einige Jahre später zog er mit seiner Familie in den Nachbarstaat Sambia. 1966 schloss er sich den Unabhängigkeitskämpfern an. Sein Spitzname "Krokodil" geht zurück auf seine gleichnamige Guerilla-Einheit während des Unabhängigkeitskampfes.

Als Mugabe das Land 1980 in die Unabhängigkeit führte, machte er den jungen Rechtsreferendar Mnangagwa zu seinem Minister für Nationale Sicherheit. Auf dem Posten verantwortete er 1983 brutale Unterdrückungsmaßnahmen in den Provinzen Matabeleland und Midlands, bei denen rund 20.000 Menschen getötet worden sein sollen. Seit er Präsident wurde, hat er Forderungen nach einer Entschuldigung abgebügelt. "Was passiert ist, ist passiert", sagte er zu den Massakern.

Während seines gesamten Lebens war Mnangagwa Ziel zahlreicher Mordanschläge. Zuletzt tötete eine Explosion bei einer Wahlkampfveranstaltung im Juni zwei Menschen, als Mnangagwa gerade die Bühne verließ. Auch seine Beziehung zu seinem Mentor Mugabe war nicht immer unbeschwert. 2004 verlor er einen wichtigen Posten in der Regierungspartei Zanu-PF, weil ihm Ambitionen auf die Vizepräsidentschaft nachgesagt wurden.

Nur vier Jahre später war Mnangagwa zurück auf der politischen Bildfläche: 2008 organisierte er die Präsidentenwahl, die Mugabe in der ersten Runde verlor. Mnangagwa veranlasste angeblich nicht nur Wahlfälschungen, sondern auch die gewaltsame Verfolgung von Anhängern der Opposition und sicherte Mugabe damit die Macht. In der Folge wurde er von der EU und den USA mit Sanktionen belegt - und zuhause zum Verteidigungsminister ernannt.

2014 wurde er Vizepräsident. Seit den Jahren des Unabhängigkeitskampfes unterhält das "Krokodil" Mnangagwa enge Beziehungen zu Simbabwes Militär, als Wunschnachfolger der Armee für das Präsidentenamt galt der 75-Jährige schon länger.

Nach der Wahl heißt Simbabwes neuer starker Mann nun zweifellos Emmerson Mnangagwa: Er hat nicht nur den Rückhalt der Militärführung, sondern ist auch Vorsitzender der mächtigen Zanu-PF, die bei den gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahlen die absolute Mehrheit erzielte.

Mit einem Stimmanteil von 50,8 Prozent entging Mnangagwa allerdings nur knapp einer Stichwahl. Die Opposition kündigte bereits an, das Abstimmungsergebnis anfechten zu wollen. Sie wirft der Zanu-PF und den Wahlbehörden Betrug vor. Und das ist nur eines der Probleme des frisch gewählten Präsidenten. Er wird sich um die Massenarbeitslosigkeit, den Zusammenbruch der Landwirtschaft, die Hyperinflation und den Abfluss ausländischer Investitionen kümmern müssen.

Aufgerufen am 02.12.2021 um 03:06 auf https://www.sn.at/panorama/international/emmerson-mnangagwa-vom-krokodil-zum-praesidenten-simbabwes-38449390

Kommentare

Schlagzeilen