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"Engel von Dachau" in Würzburg seliggesprochen

Der im Konzentrationslager Dachau 1945 gestorbene Pater Engelmar Unzeitig ist am Samstag in Würzburg seliggesprochen worden. Er gab Mithäftlingen von seinen Essensrationen und pflegte freiwillig Typhuskranke, bis er selbst an der Krankheit starb.

Der Priester sei auch heute ein Vorbild für eine christliche Grundhaltung gegenüber Menschen, die Hilfe nötig hätten, sagte der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann bei einem Festgottesdienst im Kiliansdom. Als Beispiel nannte er dabei den Umgang mit Flüchtlingen.

Papst Franziskus hatte Unzeitig Anfang des Jahres zum Märtyrer erklärt und damit jahrelange Recherchen beendet. Der Marianhiller Missionar war ab 1941 Gefangener im Konzentrationslager und starb kurz vor dessen Befreiung 1945. Seine Mithäftlinge nannten ihn auch den "Engel von Dachau".

Der im damals zur Habsburger Monarchie geborenen Ort Greifendorf in Mähren (Hradec nad Svitavou) 1911 geborene Unzeitig wurde 1939 in Würzburg zum Priester geweiht. Als Pfarrer im Böhmerwald setzte er sich im Religionsunterricht und in Predigten für die Rechte der Juden ein. 1941 wurde er von der Gestapo festgenommen und wenig später nach Dachau überstellt, wo rund 2.800 Priester interniert waren. Unzeitig rettete mehrere Mitgefangene vor dem Hungertod. Der "Engel von Dachau" starb am 2. März 1945. Seine Asche wurde aus dem KZ geschmuggelt; die Urne befindet sich heute in einer Seitenkapelle der Mariannhiller Herz-Jesu-Kirche in Würzburg.

Das Seligsprechungsverfahren war 1991 durch den damaligen Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele eröffnet worden. 2009 erkannte Papst Benedikt XVI. Unzeitig den sogenannten heroischen Tugendgrad zu und erklärte ihn zum "verehrungswürdigen Diener Gottes". Zwei Jahre später wurde in Würzburg ein zusätzliches Verfahren zur Prüfung des Martyriums eröffnet und 2012 nach dem diözesanen Abschluss an den Vatikan übergeben. Nach einer Seligsprechung ist die Verehrung der jeweiligen Persönlichkeit durch die Ortskirche möglich.

Rund 200.000 Menschen waren in Dachau von 1933 bis 1945 inhaftiert: Juden, Sinti und Roma, Sozialisten, Kommunisten, Geistliche, Homosexuelle, später Widerstandskämpfer und Kriegsgefangene. Aus Österreich: Ex-Kanzler Kurt Schuschnigg und die späteren ÖVP-Nachkriegs-Kanzler Leopold Figl und Alfons Gorbach, der spätere SPÖ-Innenminister Franz Olah, der Kommunist Viktor Matejka, die Kabarettisten Fritz Grünbaum und Hermann Leopoldi, der Schriftsteller Jura Soyfer, Fritz Löhner-Beda, seines Zeichens Librettist mehrerer Lehar-Operetten. Mindestens 41.500 starben: an Hunger, Entkräftung, Krankheit. Oder sie wurden ermordet. Außerdem wurden hier Nazi-Schergen im Töten unterrichtet, das KZ galt als "Mörderschule der SS".

Quelle: Apa/Dpa

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