International

Erdbeben in Italien - Rom verspricht raschen Wiederaufbau

Nach schweren Erdbeben in Mittelitalien verspricht die Regierung in Rom einen raschen Wiederaufbau nach modernsten antiseismischen Standards. Das Kabinett von Premier Matteo Renzi will am Freitag eine Verordnung verabschieden, die die Maßnahmen für den Wiederaufbau beschleunigen soll. Zugleich soll volle Transparenz garantiert werden.

Erdbeben in Italien - Rom verspricht raschen Wiederaufbau Das Zentrum von Norcia nach den schweren Erdstößen.
Immer wieder bebt die Erde in Mittelitalien. Im

"Wir werden die Gemeinden in Mittelitalien neu aufbauen, denn sie gehören zum Herzen Italiens", betonte Renzi. Rom will sich zudem auf die präventive Erdbebensicherung konzentrieren. Die Herausforderung ist groß. Mehr als 50 Prozent der Privatwohnungen in Italien entsprechen nach Berechnungen des Nationalen Ingenieurrats nicht den Sicherheitsbestimmungen. Allein die Erdbebensicherung von Wohngebäuden in den am meisten gefährdeten Gegenden könnte demnach bis zu 36 Milliarden Euro kosten.

An den Wiederaufbau zu denken, ist für die Bewohner der vom Erdbeben zerstörten Gemeinden in den Regionen Umbrien und Marken schwierig, weil die Erde nicht zur Ruhe kommt. Ein neuerliches Nachbeben erreichte Donnerstagfrüh nach Angaben italienischer Medien eine Stärke von 4,8. Das Zentrum lag in der Provinz Macerata. Tausende Menschen, die die Nacht in Notunterkünften verbracht hatten, wurden geweckt.

Seit dem verheerenden Erdstoß am Sonntag, der schwere Schäden angerichtet hatte, haben mehr als 1.100 Nachbeben die ohnehin schon verwüstete Region erschüttert. Fast 20 davon hatten eine Stärke von über 4, teilte die nationale Erdbebenwarte INGV mit.

Die Lage der obdachlosen gewordenen Menschen wird durch eine Schlechtwetter-Front in der Region erschwert. 7.000 Betroffene zogen in leere Hotels an der Adria, die als Unterkünfte zur Verfügung gestellt wurden. Viele andere wollen jedoch ihre Gemeinden nicht verlassen. Der Zivilschutz versorgt zurzeit 22.000 Menschen.

Die schweren Beben haben die Erdoberfläche auf 1.100 Quadratkilometern deformiert, was aus einer Auswertung von Satellitenbildern hervorgeht. Am äußersten Rand des Bereichs habe sich der Erdboden um rund drei Zentimeter abgesenkt, im Inneren - in der Gegend um das Dorf Castelluccio bei Norcia - um bis zu 70 Zentimeter.

Italien ersucht unterdessen um Hilfe aus dem Ausland für die Rettung seiner Kulturschätze im Erdbebengebiet. "Wir stehen vor einem epochalen Desaster. Ohne Hilfe aus dem Ausland werden wir es nie schaffen. Wir brauchen Geld und Personen, die uns helfen", sagte die Leiterin des Denkmalschutzes in der mittelitalienischen Region Umbrien, Marica Mercalli, im Interview mit der Tageszeitung "La Stampa". Mercalli drängt unter anderem auf Hilfe für den Wiederaufbau der Kathedrale des Heiligen Benedikt im umbrischen Norcia. Lediglich die Fassade ist von der im 14. Jahrhundert errichteten Kirche ist übrig geblieben. Auf drei Milliarden Euro werden die Schäden für das Kulturerbe Mittelitaliens geschätzt.

1.500 Werke wurden bereits aus zerstörten Kirchen und Museen im Erdbebengebiet geholt und in Sicherheit gebracht. Kulturminister Dario Franceschini versprach seinen vollen Einsatz für die Rettung der Kunstschätze. Über 5.000 Hinweise auf Schäden seien in Rom eingegangen, meldete das Kulturministerium. Die renommierte Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" appellierte an Unternehmer und wohlhabende Bürger, die Restaurierung von Kirchen, Museen und Bibliotheken zu finanzieren.

Der Österreichische Erdbebendienst hat am Donnerstag ersucht, die Internetseite der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) für Erdbebenmeldungen zu nützen. Dies helfe, zukünftige Erschütterungsmeldungen verbessert zuordnen zu können. "Beobachtungen von schwingenden Lampen, vor allem in höheren Stockwerken, und Bewegung von Flüssigkeiten in Gefäßen (z.B. Pools), sind typische Effekte der über 400 km entfernten Erdbeben in Mittelitalien, die auch noch einige Wochen andauern können", berichteten die Experten. "Sollten die Erschütterungen als Rütteln wahrgenommen werden, so handelt es sich vermutlich um ein nahe gelegenes Erdbeben."

Quelle: APA

Aufgerufen am 17.11.2018 um 04:07 auf https://www.sn.at/panorama/international/erdbeben-in-italien-rom-verspricht-raschen-wiederaufbau-921697

Schlagzeilen