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Erdbeben in Mittelitalien: Warum so viele Kinder starben

250 Tote und 364 Verletzte ist die vorläufige Bilanz des Erdbebens mit Stärke 6,0, das in der Nacht auf Mittwoch die Region zwischen Latium und Abruzzen getroffen hat.

Über 200 Tote wurden in Amatrice, dem Epizentrum des Erdbebens 106 Kilometer nördlich von Rom, gemeldet, teilte Italiens Zivilschutz am Donnerstag mit. Dort wurde auch am Donnerstag wieder unter den Trümmern nach Überlebenden gesucht. Mehrere Personen werden noch vermisst. Die Behörden befürchten, dass die Opferbilanz des Erdbebens höher ausfallen wird als bei der Katastrophe von L'Aquila vor sieben Jahren. Damals waren über 300 Menschen ums Leben gekommen.

Urlaub bei "nonno e nonna"

Italienische Medien berichten von besonders vielen Kindern unter den Opfern des Erdbebens. Besonders berührend ist die Geschichte einer Familie, die aus L'Aquila wegzog, nachdem sie das schwere Erdbeben dort vor sieben Jahren überlebt hatte. Im neu gefundenen Zuhause nahm ihr das Beben jetzt ihre kleine Tochter weg.

Es sind aber nicht nur Einheimische unter den Opfern. Vor allem in den Sommermonaten erholen sich viele Familien in ihren Heimatorten vom Großstadtstress. Eltern schicken ihre Kinder zu den Großeltern, die meist in kleinen Orten wie Amatrice wohnen.

Bei all der Trauer und Verzweiflung gibt es aber auch Geschichten, die Hoffnung aufkommen lassen: Zum Beispiel die einer Großmutter, die sich in Arquata del Tronto mit ihren beiden Enkeln Leone und Samuele unter einem Bett verkroch, als das Haus über ihnen zusammenbrach. Sie überlebten alle das Erdbeben.

Oder die der kleinen Elisabetta, die besonders viel Mut bewies, als sie aus dem Fenster im ersten Stock eines Hauses in Pescara del Tronto sprang. Unten stand ihr Vater und fing sie auf.

Über 5.000 Rettungskräfte im Einsatz

Die Menschen im Erdbebengebiet am Apennin verbrachten eine lange Nacht der Angst ohne Dach über den Kopf. Mehrere Nachbeben lösten Unruhe unter den Bewohnern von Amatrice aus, die die Nacht in Zelten verbrachten. 460 Nachbeben wurden nach dem schweren Erdstoß in der Nacht auf Mittwoch gemeldet, zwei davon hatten eine Stärke von mehr als 5.

Ein Nachbeben der Stärke 4,5 wurde gegen 5 Uhr gemeldet und riss die wenigen Bewohner von Amatrice, die sich zur Ruhe gelegt hatten, aus dem Schlaf. Die meisten verbrachten die Nacht im Freien mit umgehängten Decken. Die Temperaturen in der Apennin-Gemeinde sanken auf circa zehn Grad, in höher gelegenen Kommunen sogar auf Null. Viele Betroffenen verbrachten die Nacht in ihren Autos und bewachten ihre beschädigten Häuser aus Angst vor Plünderungen.

In Amatrice wurden Senioren und Familien mit Kindern in einer Sporthalle untergebracht. Hier wurden Lebensmittel und Kleidung, sowie Medikamente verteilt. 5.400 Rettungskräfte waren im Erdbebengebiet im Einsatz. Premier Matteo Renzi lobte den Einsatz der Rettungseinheiten und des Zivilschutzes. "Unser Herz schmerzt, aber wird sind über die Effizienz der Rettungsaktion stolz", meinte der Regierungschef.

Suche nach Vermissten gestaltete sich schwierig

Die Einsatzkräfte suchten in der Dunkelheit mit Hilfe von Spürhunden und Taschenlampen weiter nach Lebenszeichen von Verschütteten. Die Suche nach Vermissten gestaltet sich schwierig, weil sich in der Gegend viele Urlauber aufhalten, die teilweise nicht registriert sind. In Amatrice stürzte ein ganzes Hotel ein. 70 Personen waren hier untergebracht. Fieberhaft wurde in den Trümmern nach Überlebenden gesucht. Die Kleinstadt war in diesen letzten August-Tagen voll mit Urlaubern, die am Wochenende die "Sagra degli Spaghetti all'amatriciana" feiern wollten. Auch ein religiöses Institut, in dem Ordensschwester und Senioren lebten, war ein Trümmerhaufen. "Man sucht nach Überlebenden in einer Stadt, die es nicht mehr gibt", sagte der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Picozzi.

Als Soforthilfe stellte die italienische Regierung 235 Millionen Euro bereit. Ministerpräsident Renzi, der am Mittwochnachmittag das Erdbebengebiet besucht hatte, hat für Donnerstagnachmittag eine Ministerratsitzung einberufen, um Hilfe für die betroffene Bevölkerung zu organisieren. Auch Spenden wurden für die betroffene Bevölkerung organisiert.

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Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 20.09.2018 um 03:34 auf https://www.sn.at/panorama/international/erdbeben-in-mittelitalien-warum-so-viele-kinder-starben-1128115

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