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Erdbeben in Nepal: Facebook und Google beruhigen Angehörige

Über Facebook und Google erfährt man, ob sich Freunde im Erdbebengebiet im Himalaya aufhalten. Datenschutz wird dabei vernachlässigt.

Kaum bei Facebook eingeloggt, taucht eine Benachrichtigung auf: Ein Bekannter ist in Nepal. Im Erdbebengebiet, dort wo Häuser einstürzen und Tausende Menschen sterben. Kurzer Moment der Panik - schließlich wusste man noch nicht einmal, dass der Freund gerade durch Nepal reist. Doch alles ist gut: Der Bekannte hat per "Safety Check" angegeben, dass er in Sicherheit ist.

Kurz nachdem die Katastrophe im Himalaya-Gebiet bekannt wurde, hat Facebook den speziellen Sicherheitscheck gestartet. Wenn sich ein Nutzer einloggt, der sich gerade in der Nähe des Erdbebengebiets aufhält, wird er gefragt, ob er "sicher" sei. Wenn er mit "Ja" antwortet, werden seine Freunde automatisch per Status-Meldung darüber informiert. Zudem können Freunde ihren Bekannten als "sicher" melden. Angeblich wurde der Dienst bereits von Millionen Usern genutzt. "Wenn solche Katastrophen passieren, wollen wir den Nutzer wissen lassen, ob es seinen Liebsten gut geht", beschreibt Facebook in einem Blogeintrag.Google bietet "Person Finder" anAuch Google hilft, Freunde und Familienmitglieder nach einer Katastrophe wiederzufinden. In der frei zugänglichen Online-Datenbank "Person Finder" kann nach Betroffenen gesucht und Information über eine Person eingetragen werden. Freilich ist dazu ein Internetzugang nötig - eben dieser ist in einem Katastrophengebiet jedoch nicht immer gegeben.

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook oder Google solche Dienste anbieten. Bereits um das Attentat auf den Boston-Marathon 2013 oder den Taifun auf den Philippinen vergangenen Dezember gab es vergleichbare Angebote. Doch wie wissen die IT-Riesen überhaupt, dass sich ein Nutzer gerade im Katastrophengebiet aufhält? "Wir bestimmen Ihren Standort, indem wir uns die Stadt anschauen, von der aus sie das Internet nutzen", beschreibt Facebook. Oder anders erklärt: Sobald sich ein Nutzer auf Facebook einloggt, merkt sich die Plattform die IP, also die Internetadresse, und weiß somit präzise, wo sich der Nutzer aufhält.Datenschutz wird außen vor gelassenWas in vielen Fällen wohl von Datenschutzexperten kritisiert würde, sei in diesem Fall legitim, meint Social-Media-Expertin Judith Denkmayr: "Sicherlich ist das Ganze eine öffentlichkeitswirksame Aktion. Aber wenn wir mal irgendwo nicht auf Datenschutz pochen sollten, dann wohl bei einem derart guten Nutzen." Dass man damit Ängste schürt, die es sonst gar nicht gegeben hätte, sieht Denkmayr nicht: "Sicher kann es sein, dass so mancher Nutzer durch die Facebook-Info überhaupt erst erfährt, dass sich ein Freund im Krisengebiet aufhält", sagt die Geschäftsführerin der Social-Media-Agentur Digital Affairs. "Aber er wird ja gleich wieder beruhigt."

Kompliziert werde es hingegen, wenn die Katastrophe andauere, es etwa Nachbeben gibt. "Da muss der Nutzer so nachsichtig sein, dass er neuerlich postet, dass es ihm immer noch gut geht. Sonst fürchtet sich das Umfeld zu Tode."Service des AußenministeriumsEinen vergleichbaren Service bietet indes das österreichische Außenministerium. Unter reiseregistrierung.at kann man seinen Reisesort bekannt geben. Im Notfall kann das Ministerium dann den Urlauber warnen oder den Angehörigen Bescheid geben.

Aufgerufen am 22.10.2018 um 04:09 auf https://www.sn.at/panorama/international/erdbeben-in-nepal-facebook-und-google-beruhigen-angehoerige-2533075

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