Kopf des Tages

Ernst Happel - "Er war ein netter Mensch, aber er zeigte es nicht"

Der frühere Europacup-Held Leo Lainer und Helmuth Zehentner als Co-Trainer feierten an der Seite von Fußballlegende Ernst Happel große Erfolge. Den SN erzählten sie über ihre Leben mit dem "Wödmasta", der vor 25 Jahren verstorben ist.

Helmuth Zehentner aus Zell am See genoss 1989 und 1990 als Co-Trainer beim FC Tirol Innsbruck an der Seite von Legende Ernst Happel das volle Vertrauen.  SN/krugfoto
Helmuth Zehentner aus Zell am See genoss 1989 und 1990 als Co-Trainer beim FC Tirol Innsbruck an der Seite von Legende Ernst Happel das volle Vertrauen.
Leo Lainer und Helmut Zehentner mit Original-Aufzeichnungen von Ernst Happel. SN/unv
Leo Lainer und Helmut Zehentner mit Original-Aufzeichnungen von Ernst Happel.

Am 14. November 2018 jährt sich der Todestag von Österreichs Fußballlegende Ernst Happel zum 25. Mal. Aus diesem Anlass wird Österreichs Fußball-Bund im an diesem Tag ausgetragenen Länderspiel gegen Uruguay dem österreichischen Ex-Teamchef im Wiener Ernst-Happel-Stadion gedenken. Im Rahmenprogramm der Partie wird an sein Leben und seine überaus erfolgreiche Trainertätigkeit mit dem Gewinn von vielen Titeln und Pokalen erinnert.

Die "Salzburger Nachrichten" sprachen mit zwei Salzburger Weggefährten von Happel. Der ehemalige Nationalspieler Leo Lainer (57) aus Maishofen, der unter Happel mit dem FC Tirol Innsbruck 1989 und 1990 zwei Meistertitel gewann, und Happels Co-Trainer bei den Innsbruckern, Helmuth Zehentner (65) aus Zell am See, erzählten im SN-Gespräch, wie sie den vermeintlichen "Grantler" Ernst Happel erlebt haben.

Lainer war bereits 29 Jahre alt, als ihn der Lockruf von Happel aus Tirol erreichte. Trotz seiner Routine und drei Meistertiteln mit Rapid verspürte Lainer vor dem ersten Treffen eine gewisse Nervosität. "Happel war eben Happel. Der Ruf eines harten Hundes eilte ihm voraus. Seine starke Hand war gleich zu spüren. Er hat auch nicht viel mit den Spielern geredet", erzählt Lainer. "Zu Saisonbeginn gab es ein Gespräch mit ihm, wie er sich Fußball vorstellt. Das war's auch schon. Man kann es auch als gutes Zeichen werten, weil ich wohl alle Anforderungen erfüllt habe."

Helmuth Zehentner genoss über Jahre das vollste Vertrauen von Happel. Der ehemalige Torhüter aus Zell am See, den Happel bei einem Lehrauftritt für Trainer in Innsbruck beobachtete und ihn dann praktisch vom Fleck weg verpflichtete, wurde als Co-Trainer zu einer der wichtigsten Bezugspersonen des "Wödmastas", wie Happel wegen seiner großen Erfolge bezeichnet wurde. "Er war ein Genie in seiner Profession. Im Fußball seiner Zeit mit Raumdeckung und Pressing weit voraus", betont Zehentner und erklärt weiter: "Er hatte eine hohe soziale Kompetenz."

Mit dem Begriff "Grantler" kann Zehentner wenig anfangen. "Happel wurde auch zum Opfer der Medien. Die haben ihn so dargestellt, wie er nicht gewesen ist." Zehentner wurde von Happel liebevoll nur "Zauberer" genannt. Und der erinnert sich noch genau an den Tag, als er den Vertrag als Co-Trainer beim FC Tirol Innsbruck unterschrieb: "Vier Punkte lagen ihm besonders am Herzen, die ich erfüllen musste. Kein Kontakt zu den Journalisten, immer die Wahrheit sagen, rund um die Uhr bereit sein und kein enger Kontakt zu den Spielern." Happel, der nach außen hin unantastbar wirkte, beschäftigte der Umgang mit den Medien aber mehr, als er zugeben wollte, verrät Zehentner: "In letzter Konsequenz hat ihn das Verhältnis zu den Kreuzelschreibern, wie er die Journalisten zu nennen pflegte, schon gestört, weil sonst wäre es nicht ständig ein Thema gewesen."

Widerspruch duldete der Meistercup-Sieger mit Feyenoord Rotterdam und dem Hamburger SV nicht, erinnert sich Lainer: "Wenn Herr Happel etwas gesagt hat, dann war es auch so. Diskussionen gab es nie." Und er war ein akribischer Arbeiter, der in jedes Training bestens vorbereitet ging. "Viele kleine Zettel in verschiedenen Farben waren sein ständiger Begleiter. Jede Farbe hatte ihre eigene Bedeutung", erzählt Zehentner, der für das Konditionstraining verantwortlich war. "Am Platz agierte Ernst Happel sehr ruhig. Wer unpünktlich war, der bekam große Probleme. Richtig laut habe ich ihn aber eigentlich nie erlebt." Wenn Fehler begangen wurden, dann konnte es aber schon einmal sein, dass er das Training von einer Sekunde auf die andere abbrach. "Die erfahrenen Spieler hat er einmal 45 Minuten im Kreis laufen lassen. Die jungen Spieler durften mit dem Ball arbeiten. So wollte er uns provozieren, dann noch mehr Gas zu geben", erinnert sich Lainer an den harten Hund. "Er wusste immer alles, auch wenn er sich manchmal unwissend stellte", sagt Zehentner und Lainer ergänzt: "Es war ihm wichtig, schnell seine Vorstellung von Fußball zu begreifen. Das Loben gehörte aber nicht zu seinen Stärken."

Zehentner erklärt auch, dass das Arbeiten und Leben an der Seite des unberechenbaren Happels sehr nervenaufreibend gewesen sei und viel Stress mit sich gebracht habe. "Jeder in seinem Team musste perfekt funktionieren, musste immer top vorbereitet sein. Aber ich habe selten so einen Fußball-Experten erlebt, der auch Qualitäten im Management hatte", betont Zehentner, der seine Diplomarbeit zum staatlich geprüften A-Lizenz-Trainer mit Auszeichnung absolvierte. Das Thema war, wie könnte es anders sein: Meine Arbeit beim FC Tirol Innsbruck mit Ernst Happel.

Als raunziger, unnahbarer Grantler, der täglich an die 60 Zigaretten (Zehentner: "Es mussten aber belgische Belga sein.") rauchte und unzählige Erfolge feierte, ist Ernst Happel der Fußballwelt in Erinnerung geblieben. Zehentner, der ihn wie kaum ein anderer kennenlernte, widerspricht aber in einem Punkt energisch: "Er war ein netter, höflicher, hilfsbereiter Mensch. Aber er zeigte es nicht."

Aufgerufen am 23.11.2017 um 06:35 auf https://www.sn.at/panorama/international/ernst-happel-er-war-ein-netter-mensch-aber-er-zeigte-es-nicht-20328589

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