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EU-Parlament verbietet Einwegartikel aus Plastik

Das Europarlament hat am Mittwoch in Straßburg ein Verkaufsverbot für Einweg-Kunststoffartikel beschlossen und für Verhandlungen mit dem Rat an den zuständigen Ausschuss zurückgewiesen.

Die zehn häufigsten Plastikwegwerfprodukte sollen verboten werden SN/APA (dpa)/Patrick Pleul
Die zehn häufigsten Plastikwegwerfprodukte sollen verboten werden

Der Parlamentsvorschlag sieht vor, dass jene zehn Wegwerfprodukte, die am häufigsten an Europas Stränden gefunden werden und über 70 Prozent der Abfälle im Meer ausmachen, ab 2021 verboten werden.

Plastikflaschen sollen künftig in der gesamten EU separat gesammelt werden. Zudem sollen die EU-Staaten bis 2025 mindestens 90 Prozent der Einweg-Plastikflaschen wiederverwerten.

Unter österreichischem Ratsvorsitz sollen sich die Umweltminister der EU-Staaten noch heuer auf eine gemeinsame Position verständigen, dies sei "eine Priorität des Ratsvorsitzes", hieß es aus Ratskreisen. Danach beginnen die Trilog-Verhandlungen.

Verboten werden sollen Trinkhalme, Einweggeschirr, Wattestäbchen und anderen Wegwerfprodukte aus Plastik. Für die Neuregelung stimmten 571 Europa-Abgeordnete, 53 votierten dagegen und 34 enthielten sich.

Die geplante Neuregelung sieht vor, eine Reihe von Einwegprodukten, für die es bereits Alternativen gibt, ab 2021 ganz aus der EU zu verbannen. Für Verpackungen oder Trinkbecher, die nicht unter das Verbot fallen, fordert das Parlament ein Reduktionsziel von 25 Prozent bis 2025.

Schematische Darstellung SN/apa
Schematische Darstellung

Die Parlamentarier weiteten die von der Kommission vorgelegte Produktliste noch aus: Nach ihrem Willen sollen auch dünne Plastiksackerl und geschäumte Polystyrol-Einwegbehälter, die etwa in Fast-Food-Restaurants verwendet werden, unter das Verbot fallen. Außerdem fordert das Europaparlament, die Zahl der Zigarettenfilter, die Plastik enthalten, bis 2025 um 50 und bis 2030 um 80 Prozent zu reduzieren.

Plastikflaschen sollen der Vorlage zufolge separat gesammelt werden. Außerdem sollen die Mitgliedstaaten die Auflage bekommen, bis 2025 Einweg-Plastikflaschen zu 90 Prozent wiederzuverwerten. Neu verkaufte Flaschen sollen dann zu mindestens 35 Prozent aus recyceltem Material bestehen - damit wertvolle Rohmaterialien nicht verschwendet werden.

Die EU-Staaten sollen zudem dafür sorgen, dass mindesten 50 Prozent der Fischernetze, die in den Meeren treiben, eingesammelt werden. Bis 2025 soll dafür eine Recyclingquote von mindestens 15 Prozent vorgeschrieben werden.

Ferner verlangt das Europaparlament, dass die Hersteller von Zigaretten und Fischereigeräten an den Kosten für das Sammeln, Recyceln sowie die Säuberung der Meere und Strände beteiligt werden. Ein einziger Zigarettenfilter könne zwischen 500 und Tausend Liter Wasser verschmutzen und benötige bis zu zwölf Jahre, um sich aufzulösen, begründete das Parlament diese Forderung.

Video: Mikroplastik im menschlichen Körper

Global 2000: Historisches Etappenziel

Lisa Kernegger, Expertin für Plastik bei der Umweltschutzorganisation Global 2000, erklärte in einer Reaktion: "Das Europäische Parlament hat heute Geschichte geschrieben, indem es beschlossen hat, Wegwerfplastik zu reduzieren. Das ist ein wegweisender und wichtiger Schritt, um die Plastikverschmutzung in unserer Umwelt zu reduzieren. Nun sind die nationalen Regierungen am Zug: Diese müssen nun sicherstellen, das die Richtlinie nicht verwässert wird und dem Druck der Industrie nicht nachgegeben wird."

Greenpeace: Schlupflöcher für Konzerne schließen

Nunu Kaller, Konsumentsprecherin bei Greenpeace Österreich, sagte: "Die EU hat bei der Plastik-Richtlinie einen guten Wurf vorgelegt. Um die Plastikflut eindämmen zu können, muss jetzt noch das letzte Schlupfloch für Konzerne geschlossen werden. Nur dann ist die EU-Richtlinie ein guter Schritt in Richtung Schutz unserer Meere und ihrer Bewohner." Denn die Definition von Einwegplastik bleibe auch in der nachgeschärften Richtlinie zu eng: Konzerne könnten in Zukunft darauf hinweisen, dass ihr Produkt mehrfach genutzt werden kann, und so Verbote in der Richtlinie umgehen.

Müllhalde Meer - was Plastik alles anrichtet

Weit mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikmüll verseuchen bereits die Weltmeere - und jährlich kommen geschätzt weitere 10 Millionen Tonnen hinzu.

Viele Plastikpartikel stammen von Schiffen und aus der Fischerei oder gelangen über kommunale Abwässer ins Meer - wie Mikroplastik aus Kleidung oder Kosmetikprodukten. Strömung und Wind sorgen für die globale Verteilung.

Eines der größten Probleme: Es dauert mehrere Hundert Jahre, bis sich die Kunststoffe zersetzen. Dabei gelangen Gifte in die Meeresumwelt.

Für viele Meeresbewohner wird Plastikmüll zur unmittelbaren Bedrohung: Sie verheddern sich in illegal entsorgten Fischernetzen oder Langleinen und kommen qualvoll ums Leben.

Schildkröten verwechseln Plastiktüten mit Quallen, ihrer natürlichen Nahrung, und ersticken. Seevögel verschlingen Zahnbürsten oder Spielzeug und verhungern mit vollem Magen oder sterben an inneren Verletzungen.

Ist der Müll im Laufe der Zeit in mikroskopisch kleine Partikel zerfallen, drohen weitere Gefahren. Denn sie binden Schadstoffe an ihrer Oberfläche und transportieren sie in die Nahrungskette - letztlich auch mit Folgen für den Menschen, der das Gift durch den Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten aufnimmt.

Hinzu kommen wirtschaftliche Folgen, denn für die Beseitigung des Plastikmülls müssen die Küstengemeinden tief in die Tasche greifen.

Video: Leben ohne Plastik

Quelle: APA

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