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Europa brachte fünften Wächter-Satelliten ins All

Europa hat einen weiteren Erdwächter im All. Der fünfte europäische Erdbeobachtungs-Satellit Sentinel-2B ist in Französisch-Guyana erfolgreich gestartet. Pünktlich um 2.49 Uhr mitteleuropäischer Zeit hob die für kleinere Satelliten konzipierte Vega-Rakete auf dem Weltraumbahnhof im südamerikanischen Kourou ab, teilte die europäische Weltraumagentur ESA in Paris mit.

Sentinel-2B ist nun unterwegs.  SN/APA (AFP)/JERRY LAMPEN
Sentinel-2B ist nun unterwegs.

Knapp eine Stunde nach dem Start setzte die Vega-Oberstufe den 1,1 Tonnen schweren Satelliten in seiner Umlaufbahn aus. Sentinel-2B wird aus 786 Kilometern Höhe unsere Erde beobachten und vor allem Veränderungen der Landoberfläche und der Vegetation dokumentieren, wie das Deutsche Raumfahrtzentrum DLR in Köln erklärte. Daten des Satelliten sollen unter anderem die Frage beantworten, ob Ernten für die Bevölkerung ausreichen oder wie intensiv Bauern düngen sollten.

Die nach dem englischen Wort für Wächter benannten Sentinel-Satelliten sind Teil des europäischen Erdbeobachtungsprogramms "Copernicus". Sentinel-2B ist der fünfte einer geplanten Flotte europäischer Satelliten, die seit dem Frühjahr 2014 nach und nach auf Erdumlaufbahnen gebracht werden. Vor Sentinel-2B waren bereits dessen Zwillingssatellit Sentinel-2A sowie die Satelliten Sentinel-1A, Sentinel-1B und Sentinel-3A ins All gestartet.

"Mit seiner hochauflösenden optischen Kamera ist Sentinel-2B in der Lage, Tag für Tag wichtige Informationen für die weltweite Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, aber auch für die Raumplanung und die Katastrophenhilfe zu liefern", erläuterte der Vorstand des DLR Raumfahrtmanagements, Gerd Gruppe. "Hier zeigt sich einmal mehr, welchen wichtigen Beitrag die Raumfahrt zur Lösung globaler Herausforderungen leistet."

Laut ESA decken Sentinel-2B und sein bereits im Juni 2015 gestarteter Zwilling Sentinel-2A alle fünf Tage mit Farbaufnahmen sämtliche Landoberflächen, großen Inseln sowie Binnen- und Küstengewässer zwischen 84 Grad südlicher und 84 Grad nördlicher Breite ab.

ESA-Generaldirektor Jan Wörner wertete den Start von Sentinel-2B als "weiteren Schritt nach vorn" bei der Umsetzung des Kopernikus-Programms, bei dem es sich um das "weltweit ausgeklügeltste Erdbeobachtungssystem" handle. "In den kommenden Monaten soll die Konstellation dann noch um zwei weitere Satelliten, Sentinel-5P und Sentinel-3B, erweitert werden", erklärte Wörner in Paris.

Das "Copernicus"-Programm der Europäischen Kommission dient der Sammlung und Auswertung von Fernerkundungsdaten der Erde. Ziel ist es, den Zustand der Erde kontinuierlich zu erfassen und Daten über Ozeane, Landflächen, Atmosphäre und Klimawandel zu sammeln. Diese Daten werden Behörden, Unternehmen, der Wissenschaft und allen interessierten Bürgern seit Beginn des Programms 2014 kostenlos zur Verfügung gestellt. Für die Entwicklung der beiden Sentinel-2-Satelliten investierte die ESA im Auftrag der Europäischen Kommission 339 Millionen Euro.

Auch österreichische Unternehmen waren am Bau der Satelliten beteiligt: Von RUAG Space Österreich stammen die GPS-Navigationsempfänger für die 2er-Serie. Diese ermöglichen die für die Vermessungsaufgaben notwendige präzise Positionsbestimmung der Sonden. Die Wiener Siemens-Tochter Convergence Creators stellte eine Reihe von Testgeräten etwa zur Überwachung der Satellitensignale zur Verfügung, die vor dem Start eingesetzt wurden.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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