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Europäische Netzwerke von Anlagebetrügern zerschlagen

Sicherheitsbehörden aus Österreich, Deutschland und mehreren anderen europäischen Staaten sind gegen Anlagebetrüger vorgegangen, die Tausende Menschen um mehr als hundert Millionen Euro gebracht haben sollen. Das teilten die Generalstaatsanwaltschaft im bayerischen Bamberg sowie die Polizeipräsidien in München, Bayreuth und Würzburg am Dienstag mit.

Dabei handelte es sich um eine konzertierte und minutiös vorbereitete Aktion mit Ermittlern in Österreich, Bulgarien und Serbien. Ausgegangen waren die Ermittlungen bereits im Vorjahr von Österreich. Das Landeskriminalamt Niederösterreich war den Betrügern auf die Spur gekommen, mit dem Bundeskriminalamt und den deutschen Behörden wurde eine gemeinsame Ermittlergruppe gegründet. "Fünf Terabyte an Daten wurden sichergestellt, diese wurden monatelang ausgewertet", sagte Bundeskriminalamts-Sprecher Vincenz Kriegs-Au der APA. Bei der jetzigen Aktion waren Ermittler des Bundeskriminalamtes via Videokonferenzen mit dabei. In Österreich selbst gab es keine polizeilichen Maßnahmen.

Die beiden Banden betrieben den Ermittlern zufolge über Jahre hinweg eine extrem ausgefeilte Betrugsmasche, bei der sie private Anleger über eigene vermeintliche Handelsplattformen im Internet zur Investition größerer Summen in hochspekulative Finanzinstrumente und Kryptowährungen verleiteten. Speziell geschulte Kundenberater und angebliche Broker hielten Kontakt zu den Opfern, dazu wurden auch Callcenter mit der nötigen Fremdsprachenexpertise aufgebaut. Tatsächlich wurden die eingezahlten Beträge jedoch nie angelegt.

In Bulgarien und Serbien wurden bei den Razzien in der vergangenen Woche demnach sieben verdächtige Männer und Frauen im Alter zwischen 25 und 49 Jahren gefasst, darunter ein 36-jähriger Deutscher. Die Beamten durchsuchten dort auch mehr als zehn Objekte, darunter zwei Callcenter. Sie beschlagnahmten Autos und Wohnungen. In Deutschland wurden beinahe zweieinhalb Millionen Euro auf einem Konto gesichert.

Für die Überweisungen und Kontenführung bedienten sich die Banden nach Angaben der Ermittler komplexer Scheinfirmengeflechte, auch für die Geldwäsche gab es ein europaweites Netzwerk. Betroffene wurden demnach dazu gebracht, größere Beträge in hochspekulative Finanzderivate wie CFDs oder Spekulationsgeschäfte mit Devisen und Kryptowährungen zu stecken. Die Gelder wurden aber nie investiert, die Berater simulierten dies lediglich mit manipulierten Charts.

Auszahlungen wurden durch diverse Scheinargumente verweigert. Oft behaupteten die Verdächtigen demnach, eine missglückte Spekulation habe zum Totalverlust geführt. Die Cybercrimeexperten von Polizei und Staatsanwaltschaft gingen nach eigenen Angaben davon aus, dass viele Opfer dies im Wissen um des extrem riskanten Charakters der angeblichen Finanzgeschäfte glaubten und niemals eine Anzeige erstatteten. Die entsprechende Dunkelziffer sei "beträchtlich".

In Deutschland schädigten die mutmaßlichen Betrüger nach Angaben der Behörden mehrere tausend Menschen. Bei der auf Cyberdelikte spezialisierten Bamberger Staatsanwaltschaft lagen mehrere hundert Anzeigen von Geschädigten vor, der Gesamtschaden in diesen Fällen summierte sich auf etwa zehn Millionen Euro. Auch die Zugriffe in der vergangenen Woche gingen demnach auf deutsche Haftbefehle zurück. Sie richteten sich gegen mehrere Callcenteragenten, die bei Opfern aus dem deutschsprachigen Raum besonders "erfolgreich" waren.

Quelle: Apa/Ag.

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