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Europaweit mehr als eine Viertelmillion Corona-Infizierte

Europaweit ist die Zahl der offiziell gemeldeten Coronavirus-Infektionsfälle am Donnerstag auf mehr als 250.000 gestiegen. Mehr als die Hälfte der Fälle wurden in Italien und Spanien registriert. Die Zahl der Todesfälle stieg europaweit auf 14.640. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sah jedoch "ermutigende Zeichen". So sei die Wachstumsrate der Infektionen in Italien leicht zurückgegangen.

WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge SN/APA (AFP)/ALBERTO PIZZOLI
WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge

Allerdings sei es noch zu früh für die Feststellung, dass die Pandemie in Italien ihren Höhepunkt erreicht habe, hob der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, hervor. In Italien starben nach offiziellen Angaben vom Mittwochabend bereits mehr als 7.500 Menschen an der durch das neuartige Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 - so viele wie in keinem anderen Land der Welt. In der besonders schwer betroffenen norditalienischen Region Lombardei nahm die Zahl der neuen Infektionen zudem am Donnerstag wieder zu.

Besorgniserregend war auch die Lage in Spanien. Am Donnerstag wurden bereits mehr als 4.000 Todesfälle und über 56.000 Infizierte offiziell bestätigt, das sind rund 8.600 Ansteckungen mehr als noch am Vortag. 655 Tote wurden in den vergangenen 24 Stunden verzeichnet, wie die Tageszeitung "El Pais" berichtete. Zum ersten Mal innerhalb einer Woche war allerdings ein Rückgang der Todesfälle binnen eines Tages (minus von 83 im Vergleich zum Vortag) zu beobachten. Am Mittwoch hatte Spanien China bei der Zahl der Todesopfer überholt.

Tschechien stellt Italien und Spanien jeweils 10.000 Schutzanzüge für medizinisches Personal bereit. "Wir können uns das erlauben - und diese Länder brauchen sie dringend", sagte Innenminister Jan Hamacek am Donnerstag in Prag.

In Großbritannien beklagte ein Vertreter des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS, die Krankenhäuser in London seien mit einem "ständigen Tsunami" schwer erkrankter Corona-Patienten konfrontiert. Die Lage werde zusätzlich dadurch verschärft, dass viele Krankenhausmitarbeiter derzeit selbst krank seien und deshalb fehlten. Der Krankenstand beim Klinikpersonal liege bei "30 Prozent, 40 Prozent und an manchen Orten sogar 50 Prozent", hieß es beim NHS. Premierminister Boris Johnson war zuvor wegen seines lange zögerlichen Umgangs mit der Krise heftig kritisiert worden. Erst seit Montag sind die britischen Schulen geschlossen.

In Deutschland gab das Robert-Koch-Institut (RKI) die Zahl der Infizierten mit rund 36.500 an, das waren etwa 5.000 mehr als am Vortag. Die Zahl der Todesfälle lag nach RKI-Zählung bei 198. Gesundheitsminister Jens Spahn stellte eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen nach Ostern in Aussicht. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Auflagen der Behörden bis dahin "konsequent" eingehalten würden.

Insgesamt wurden nach Behördenangaben in Europa inzwischen 258.068 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen. Damit ist Europa der am stärksten von der Pandemie betroffene Kontinent. An zweiter Stelle folgt Asien mit 3.636 offiziell bestätigten Todesfällen und mehr als 100.000 Infektionsfällen. Weltweit wurden bisher insgesamt fast 490.000 bestätigte Fälle bekanntgegeben.

Im von der Coronavirus-Pandemie stark betroffenen Iran wurden nach offiziellen Angaben 157 neue Todesfälle registriert. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf 2.234. Binnen 24 Stunden wurden zudem 2.389 neue Infektionsfälle bestätigt. Die Gesamtzahl der Infektionen stieg auf 29.406.

Russland setzt von diesem Freitag an fast alle Flugverbindungen ins Ausland wegen der Coronavirus-Pandemie aus. In der Hauptstadt Moskau müssen zudem seit Donnerstag fast 1,9 Millionen ältere und kranke Menschen wegen des Coronavirus zu Hause bleiben. Die Ausgangssperre gilt nach Angaben der Stadtverwaltung für gut drei Wochen. Betroffen sind Einwohner, die älter als 65 Jahre oder chronisch krank sind.

In den USA überschritt die Zahl der durch das Coronavirus ums Leben gekommenen Menschen am Mittwoch die Marke von 1.000 Opfern. Mehr als 68.500 Infizierte wurden bestätigt. Nur China und Italien haben bisher mehr Infizierte registriert.

In China, wo das Virus im Dezember in der Provinz Hubei erstmals aufgetreten war, stieg die Zahl der aus dem Ausland eingeschleppten Coronavirus-Fälle weiter an, wie die Nationale Gesundheitskommission mitteilte. Alle 67 Neuinfektionen gingen demnach auf Menschen zurück, die aus dem Ausland eingereist sind.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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