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Evakuierungen nach Vulkanausbruch in Guatemala

Nach einem neuerlichen Ausbruch des Volcan de Fuego am Dienstag in Guatemala sind sieben Gemeinden an den Hängen des Feuervulkans evakuiert worden. Die Katastrophenschutzbehörde Conred verwies auf Befürchtungen von Experten, der Vulkan könne abermals einen pyroklastischen Strom ausstoßen - eine Welle heißer Gase und glühenden Gesteins. 200 Menschen werden nach wie vor vermisst.

Insgesamt 1,7 Millionen Menschen sind betroffen SN/APA (AFP)/JOHAN ORDONEZ
Insgesamt 1,7 Millionen Menschen sind betroffen

Pyroklastische Ströme bewegen sich sehr viel schneller vorwärts als Lavaströme, so dass Anrainern oft keine Zeit bleibt, sich zu retten. Unter den Bewohnern der Ortschaft Escuintla in der Nähe des Vulkans brach Panik aus. Viele versuchten, mit Autos zu fliehen, wodurch ein Verkehrschaos ausgelöst wurde. Rettungshelfer, Polizisten und Soldaten mussten das Gebiet verlassen.

Zwei Tage nach dem ersten Ausbruch des Feuervulkans am Sonntag seien die Chancen nur noch gering, Überlebende zu finden, sagte unterdessen der Chef der Katastrophenschutzbehörde, Sergio Cabanas, wenige Stunden vor der erneuten Eruption und der Unterbrechung der Suchaktionen. "Wenn man in einem pyroklastischen Strom gefangen ist, ist es schwer, am Leben zu bleiben." Womöglich würden einige völlig verkohlte Leichen nie gefunden.

Die Familien begannen damit, die Toten in langen Prozessionen zu Grabe zu tragen. In den am stärksten betroffenen Verwaltungsbezirken Escuintla, Chimaltenango und Sacatepeqeuz wurde der Notstand ausgerufen. Abgeordnete forderten Schadensberichte für die zahlreichen Kaffeeplantagen und Maisanbaubetriebe.

Guatemalas Präsident Jimmy Morales nannte den Vulkanausbruch eine "Tragödie" und kündigte an, die Suchaktionen und die Opferhilfe würden solange fortgesetzt wie nötig. Zudem werde an einem Wiederaufbauplan gearbeitet.

Die erneute heftige Eruption erschütterte am Dienstag die bereits vom vorherigen Ausbruch verwüsteten Ortschaften und zwang die Rettungshelfer, ihre Arbeit zu unterbrechen. Beim vorherigen Ausbruch am Sonntag waren mindestens 75 Menschen ums Leben gekommen, fast 200 Menschen wurden immer noch vermisst.

"Wir haben nun eine Aufstellung mit Namen und Ortschaften, in denen Menschen vermisst werden", sagte Cabanas. Bei 192 Menschen sei der Verbleib noch unklar. Von bisher 75 geborgenen Toten konnten bisher 23 identifiziert werden, wie das rechtsmedizinische Institut Inacif mitteilte. 46 weitere Menschen wurden bei der starken ersten Eruption am Sonntag verletzt.

Der 3.763 Meter hohe Feuervulkan, der 35 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt liegt, ist schon seit Monaten aktiv. Dennoch wurden die Menschen in seinem Umkreis von der Schnelligkeit und Heftigkeit der Eruption überrascht. Insgesamt sind mehr als 1,7 Millionen Menschen mehr oder weniger stark von der Naturkatastrophe betroffen. Der Vulkan war Sonntagfrüh ausgebrochen, die Eruption dauerte mehr als 16 Stunden.

Quelle: Apa/Ag.

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