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Evan McMullin - Ein Mormone bietet Trump Paroli

Nicht nur Hillary Clinton, auch ein überraschender Newcomer macht Donald Trump im US-Wahlkampf inzwischen zu schaffen. Evan McMullin, erst im August als Kandidat einer "neuen konservativen Bewegung" angetreten, hat natürlich keinerlei Chancen auf das Präsidentenamt. Aber der Mormone hat gute Aussichten, zumindest in seinem Heimatstaat Utah zu gewinnen, einer traditionallen Republikaner-Hochburg.

Evan McMullin - Ein Mormone bietet Trump Paroli SN/AP
US-Präsidentschaftskandidat Evan McMullin.

McMullin ist über seine Heimatregion hinaus in der US-Öffentlichkeit bisher wenig bekannt. Doch ist er alles andere als ein Outsider. Bis vor Kurzem war er Politikberater im Repräsentantenhaus, in früheren Jahren war er Agent des Auslandsgeheimdienstes CIA - in Washington ist der smarte Aufsteiger also gut vernetzt.

Der 40-Jährige setzt darauf, von dem weitverbreiteten Unbehagen in der konservativen Wählerschaft gegenüber Trump zu profitieren. Der Immobilienmogul ist für viele normalerweise den Republikanern zugeneigte Wähler wegen seiner vulgären Sprüche und angeblichen sexuellen Übergriffe inakzeptabel, nicht wenige sehen in ihm auch einen verkappten Linksliberalen. Die Demokratin Hillary Clinton ist für viele dieser konservativen Trump-Kritiker keine wählbare Alternative.

Sein Land habe "viel Besseres verdient, als Donald Trump oder Hillary Clinton uns zu bieten haben", erklärte McMullin denn auch forsch bei Verkündung seiner Präsidentschaftskandidatur - und meinte damit natürlich sich selbst. Dem Späteinsteiger gelang es, sich immerhin noch in elf der 50 US-Staaten auf den Wahlzettel setzen zu lassen, in weiteren Staaten dürfen ihn die Wähler von sich aus dort als Kandidaten ihrer Wahl eintragen.

Während er in den meisten dieser Staaten chancenlos ist, hat der Newcomer in Utah den lange sicher scheinenden Sieg Trumps ernsthaft in Gefahr gebracht. Laut der Website "realclearpolitics" liegt McMullin im Mormonenstaat inzwischen mit rund 25 Prozent gleichauf mit Clinton - und nur noch knapp sechs Punkte hinter Trump. Sollte McMullin das Kunststück eines Sieges in seinem Heimatstaat gelingen, dann würde er Geschichte machen - seit fast 50 Jahren ist es keinem Präsidentschaftskandidaten einer "dritten" Partei oder Bewegung mehr gelungen, einen Staat zu gewinnen.

McMullin hat sich während seiner Laufbahn immer wieder auf unbekanntes Terrain gewagt. Der Sohn eines Informatikers verbrachte zwei Jahre als Missionar der Mormonen in Brasilien und studierte danach an der von seiner Religionsgemeinschaft betriebenen Brigham Young University internationales Recht und Diplomatie.

Später arbeitete er als UNO-Flüchtlingshelfer in Jordanien, bevor er in die Dienste der CIA trat. Als Anti-Terror-Agent war er nach eigenen Angaben im Nahen Osten, Nordafrika und Südasien im Einsatz - "an einigen der gefährlichsten Orte der Welt", wie er mit einem Anflug von Prahlerei auf seiner Website mitteilt. Nach einer weiteren Station bei der Investmentbank Goldman Sachs ging McMullin dann als Politikberater ins Repräsentantenhaus, wo er zunächst für den Außenausschuss und dann für die Republikaner arbeitete.

McMullin bezieht bei vielen Themen dezidiert Gegenposition zu Trump - und erweist sich dabei als keineswegs strammer Konservativer. So plädiert der frühere UNO-Helfer für die Aufnahme von syrischen Flüchtlingen und wirft dem republikanischen Kandidaten die pauschale Diffamierung von Muslimen vor. Der ehemalige CIA-Mann führt ins Feld, dass viele Erfolge im Anti-Terror-Kampf durch die Hilfe von Muslimen ermöglicht worden seien - sie als Gruppe zu attackieren, "macht Amerika nicht stärker, sondern schwächer", warnt McMullin unter Anspielung auf Trumps Wahlslogan.

Quelle: Apa/Afp

Aufgerufen am 18.11.2018 um 03:33 auf https://www.sn.at/panorama/international/evan-mcmullin-ein-mormone-bietet-trump-paroli-926770

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