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ExoMars: Sonde "Schiaparelli" antwortet nicht

Noch ist zwar unklar, was genau sich beim Anflug des Landegeräts "Schiaparelli" auf den Mars am Mittwoch abgespielt hat - eine weiche Landung dürfte die Testsonde aber wohl kaum hingelegt haben. "Beim Landemanöver gibt es für uns weiterhin einige offene Fragen", kommentierte der Generaldirektor der europäischen Weltraumagentur ESA, Jan Wörner, am Donnerstag betont zurückhaltend.

ExoMars: Sonde "Schiaparelli" antwortet nicht SN/APA (dpa)/Uwe Anspach
So soll Schiaparelli aussehen, wenn alles nach Plan lief.

Freilich gilt als ein denkbares Szenario, dass "Schiaparelli" mit deutlich zu hohem Tempo auf die Marsoberfläche aufgeschlagen ist. Jedenfalls brachen die Funksignale kurz vor der erwarteten Landung auf der Ebene Meridiani Planum unweit des Marsäquators ab. "Es ist klar, dass das kein gutes Zeichen ist", räumte der Leiter des ESA-Missionsbetriebs, Paolo Ferri, bereits am Mittwochabend ein. "Aber wir brauchen weitere Informationen."

Stunden später deutete einiges daraufhin hin, dass der Lander der europäisch-russischen Mission ExoMars 2016 in der letzten Landephase nicht ausreichend abgebremst wurde: Womöglich wurde "Schiaparellis" Fallschirm zu früh abgeworfen, und auch die Bremsraketen könnten sich schneller abgeschaltet haben als vorgesehen. Allerdings ist derzeit auch noch ungeklärt, unter welchen Wetterbedingungen "Schiaparelli" auf dem Roten Planeten niederging, wie der Leiter der ESA-Planetenmissionen, Andrea Accomazzo, zu bedenken gab.

So sehr sich die ESA-Führung am Donnerstag auch bemühte, einer möglichen Crash-Landung der kleinen Testsonde auch positive Seiten durch technischen Erkenntniszugewinn abzuringen - als erste Erkenntnis dürfte vor allem feststehen, dass die europäische Raumfahrt auch im zweiten Anlauf offenbar keine funktionsfähige Sonde auf dem Mars absetzen konnte.

Fehlschlag Nummer eins liegt bereits fast 13 Jahre zurück: Zu Weihnachten 2003 hätte die europäische Marssonde "Beagle 2" auf unserem Nachbarplaneten landen sollen. Doch nach der Trennung von ihrer Muttersonde "Mars Express" gab "Beagle 2" kein Lebenszeichen mehr von sich. Jahrelang war völlig unklar, was mit dem Landegerät geschehen war und ob es überhaupt den Mars erreicht hatte.

Erst im Jänner 2015 wurde die verschollene Sonde entdeckt - auf Bildern der NASA-Sonde Mars "Reconnaissance Orbiter" von der Marsoberfläche. "Wenigstens gab es eine Landung auf dem Mars", sagte der damalige ESA-Chef Jean-Jacques Dordain nach dem Wiederauftauchen von "Beagle 2".

Dass "Schiaparelli" am Mittwoch die Marsoberfläche erreichte, stand hingegen schon Minuten später außer Zweifel. Fraglich ist allerdings, was eine mögliche Bruchlandung der 600-Kilo-Sonde für die in vier Jahren geplante zweite ExoMars-Mission 2020 bedeutet. Denn "Schiaparelli" soll der Testlauf für die bereits einmal verschobene Landung des ersten europäischen Forschungsrovers auf dem Mars sein. Und eine gelungene Generalprobe sieht anders aus.

Bisher gelang es nur den USA, funktionierende Rover auf dem Roten Planeten zu platzieren - zuletzt mit der spektakulären und technisch höchst anspruchsvollen Landung des NASA-Marsrovers "Curiosity" im August 2012. Eine Vielzahl von Landungen auf dem Mars scheiterte hingegen, was vor allem mit der dünnen Atmosphäre unseres Nachbarplaneten zu tun hat.

Die dünne Lufthülle des Mars bewirkt nämlich einerseits, dass Fallschirme nur eine begrenzte Bremswirkung bei der Landung einer Sonde entfalten. Andererseits ist die Marsatmosphäre aber dick genug, um einem Raumschiff beim Eintauchen mit großer Geschwindigkeit kräftig einzuheizen - die Sonde muss also mit schweren Hitzeschilden ausgerüstet werden.

Letztlich kann eine Marslandung nur gelingen, wenn Schutzschild, Fallschirm und zuletzt auch die Bremsraketen des Raumfahrzeugs auf seinem Höllenritt zur Marsoberfläche nacheinander perfekt funktionieren. Bei "Schiaparelli" war dies offenbar nicht der Fall.

Infografik: SN/APA
Quelle: Apa/Ag.

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