International

Familien der Zugsunglücksopfer von Viareggio wollen berufen

Nach der Verurteilung von 24 Angeklagten, darunter zwei Österreicher, wegen des Zugunglücks im toskanischen Urlaubsort Viareggio mit 32 Toten im Jahr 2009 wollen die Hinterbliebenen in die Berufung gehen. Die am Dienstag erstinstanzlich verhängten Haftstrafen seien angesichts der hohen Opferzahl unzulänglich, sagte ein Sprecher der Angehörigen bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Mehrere Manager wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt.  SN/APA (AFP)/CLAUDIO GIOVANNINI
Mehrere Manager wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Mehrere Manager, darunter der damalige Chef der italienischen Eisenbahnen, Mauro Moretti, wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Moretti, derzeit Chef des halbstaatlichen italienischen Rüstungskonzerns Leonardo Finmeccanica, erhielt sieben Jahre. Die Familienangehörigen fordern seinen Rücktritt. Es sei unerhört, dass er weiterhin einen Spitzenposten in einem Konzern mit staatlicher Beteiligung innehabe. Bevor Moretti seine Haftstrafe antreten muss, kann er nach italienischem Recht zwei Mal dagegen Revision einlegen.

Zwei österreichische Bahnmanager wurden zu neun Jahre Haft verurteilt. Sie sind Mitarbeiter der in Wien ansässigen Firma GATX Rail Austria GmbH, die ebenfalls berufen will. GATX wolle alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um das Urteil anzufechten, hieß es in einer Stellungnahme. Die Firma ist die Eigentümerin des entgleisten und explodierten Kesselwaggons.

Die Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida sieht die Urteile im Prozess um das Bahnunglück im toskanischen Urlaubsort Viareggio mit 32 Toten im Jahr 2009 als "richtungsweisend" an. Im Unterschied zu Italien habe die österreichische Justiz "sofort die einfachen Mitarbeiter" nach Unfällen im Visier, meinte Vorsitzender Roman Hebenstreit. "Ob organisatorische Fehler in Unternehmen einen Unfall begünstigt haben könnten, wird oft nicht weiter nachgegangen", kritisierte der Gewerkschafter.

In Österreich werde das Verbandhaftungsrecht aufgrund seiner Komplexität bei Fällen aus dem Eisenbahnbereich "zumeist außen vor gelassen", meinte Hebenstreit. Das habe zur Folge, dass Betriebe bzw. deren Geschäftsführungen "zumeist ungeschoren davonkommen. Einfache Beschäftigte müssen dafür oft zuerst den Kopf hinhalten".

In Viareggio war am späten Abend des 29. Juni 2009 ein mit Flüssiggas beladener Zug entgleist. Einige Tankwagen kippten um, einer brach auf. Das Gas explodierte und verwüstete das Stadtviertel in Bahnhofsnähe. Häuser stürzten ein, Autos gingen in Flammen auf. Die Unfallursache war möglicherweise ein Riss an einem Rad. Der Prozess mit 145 Verhandlungstagen hatte im November 2013 begonnen, 32 Manager saßen auf der Anklagebank.

Quelle: APA

Aufgerufen am 20.09.2018 um 10:33 auf https://www.sn.at/panorama/international/familien-der-zugsungluecksopfer-von-viareggio-wollen-berufen-475804

Schlagzeilen