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Flugzeugabsturz in Kolumbien mit 71 Toten: Suche nach Ursache

Beim Absturz eines Flugzeugs mit der brasilianischen Fußballmannschaft Chapecoense an Bord sind in Kolumbien 71 Menschen gestorben. Die Unfallursache ist weiter unklar. Als ein möglicher Grund wurde am Dienstag Treibstoffmangel genannt.

Der brasilianische Staatspräsident Michel Temer hat nach dem Absturz eines Flugzeugs mit der Fußballmannschaft Chapecoense an Bord eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. "Ich möchte in dieser traurigen Stunde, die die Tragödie für Dutzende Familien bedeutet, mein Mitgefühl aussprechen", ließ Temer in einer Mitteilung des Präsidentenpalastes am Dienstag in Brasilia verlauten.

Beim Absturz des Flugzeugs sind in Kolumbien 71 Menschen gestorben. Nach den Worten des Leiters der Polizei Medellín, José Acevedo, wurden aus dem Wrack sechs Menschen lebend geborgen. Ursprünglich war von 75 Toten die Rede gewesen, diese Zahl wurde von den Behörden aber nun korrigiert: Es seien nicht wie bisher mitgeteilt 81, sondern nur 77 Menschen an Bord gewesen. Vier Personen, darunter der Bürgermeister der Stadt Chapeco, hätten die Reise nicht wie erwartet angetreten. Das abgestürzte Charterflugzeug stammte aus Bolivien. Alle 71 Leichen seien inzwischen geborgen worden.

Bei den Überlebenden soll es sich um drei Spieler, einen Journalisten und zwei Crewmitglieder handeln. Die Mannschaft sollte in Medellín das Finale des Vereinswettbewerbs Copa Sudamericana gegen Atlético Nacional aus Medellín bestreiten. Der südamerikanische Fußballverband Conmebol sagte das Finale nach dem Unglück ab.

Ein Grund für den Absturz könnte Treibstoffmangel gewesen sein, erklärte der Direktor der kolumbianischen Luftfahrtbehörde, Alfredo Bocanegra. Wie das kolumbianische Transportministerium am Dienstag laut Medienberichten mitteilte, wurden bereits beide Blackboxes gefunden.

Erst vor zwei Wochen war die argentinische Nationalmannschaft mit derselben Maschine geflogen - mit an Bord war damals auch Weltfußballer Lionel Messi vom FC Barcelona. FIFA-Präsident Gianni Infantino sprach von "einem sehr traurigen Tag für den Fußball".

Vom Provinzclub zum Finalisten der Copa Sudamericana

Die Copa Sudamericana ist nach der Copa Libertadores der zweitwichtigste Fußball-Clubwettbewerb in Südamerika und vergleichbar mit der Europa League. Das Erreichen des Finals war der bisher größte Erfolg des 1973 gegründeten Teams aus der Stadt Chapecó im südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina, bei dem vor mehr als 20 Jahren kurzzeitig auch der spätere deutsche Bundesliga-Profi Paulo Rink spielte. Noch 2009 hatte der Provinzclub in der vierten brasilianischen Liga gespielt.


Das Flugzeug mit 77 Menschen an Bord stürzte im Nordwesten Kolumbiens ab. Nach einem Flug von São Paulo nach Santa Cruz in Bolivien war die verunglückte Maschine dort in Richtung Medellín gestartet. Sie war von dem Club gechartet worden, in der Maschine waren auch rund 20 Journalisten, die über das Final-Hinspiel berichten wollten.

Vor dem Absturz: Piloten meldeten technische Probleme

Wie die Luftfahrtbehörde mitteilte, verunglückte die Maschine vom Typ Avro RJ85 der bolivianischen Gesellschaft Lamia am Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Unión. Bevor das vierstrahlige Flugzeug gegen 22.00 Uhr (Ortszeit) am Montagabend vom Radar verschwunden sei, hätten die Piloten technische Probleme gemeldet, hieß es unter Berufung auf den Kontrollturm des Flughafens von Medellín.

An Bord waren 68 Passagiere sowie neun Besatzungsmitglieder. Zu den Geretteten sollen unter anderem Abwehrspieler Alan Ruschel und eine Stewardess gehören. Auf Bildern war zu sehen, wie Ruschel auf einer Trage ins Krankenhaus San Juan de Dios in La Ceja gebracht wurde. Auch ein Journalist überlebte.

Chapecoense war erst 2014 in die erste Liga Brasiliens aufgestiegen. Der Absturz des Flugzeugs löste große Anteilnahme in der Fußballszene aus. Trauerschleifen, die das Wappen des Clubs umgeben, wurden auf Twitter veröffentlicht. Der FC Bayern teilte mit: "Der FCBayern gedenkt der Opfer und Angehörigen des Flugzeugabsturzes in Kolumbien. Tiefes Mitgefühl für Chapecoense Real. #ForçaChapecoense".

Flugzeugabsturz in Kolumbien

Quelle: SN

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