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Fluten in Indien: Eine Million Menschen in Notlagern

Der Monsunregen in Indien fällt in diesem Jahr besonders heftig aus - die Regierung des südindischen Bundesstaates Kerala spricht von der schlimmstem Flut seit 100 Jahren. Bis zu eine Million Menschen harren in Notunterkünften aus. Die Zahl der Toten stieg mittlerweile auf mindestens 370. Wassermassen haben mehr als 100.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten.

Rettungskräfte in Kerala im Dauereinsatz SN/APA (AFP)/MANJUNATH KIRAN
Rettungskräfte in Kerala im Dauereinsatz

Die Staatsregierung bemühe sich, Trinkwasser, Nahrung und Medikamente auf dem Luftweg zu ihnen zu bringen, sagte der Landwirtschaftsminister von Kerala, VS Sunil Kumar, am Sonntag. Bei langsam nachlassenden Regenfällen geht es nun darum, die Überlebenden zu versorgen und die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Die Herausforderung für die Helfer ist gewaltig: Zwischen 8000.000 und einer Million Menschen seien in Notunterkünften untergebracht, sagte Kumar. Zehntausende warteten noch auf Dächern auf Hilfe. Kinder, kranke und ältere Menschen würden per Flugzeug in Sicherheit gebracht.

In der auch bei Touristen beliebten Region sind mehr als 40 Flüsse über die Ufer getreten, 80 Dämme mussten geöffnet werden. Straßen wurden zu Flüssen, Brücken stürzten ein, vielerorts gibt es keine Telefonverbindungen und keinen Strom mehr, es besteht Seuchengefahr. Es sei schwierig, Kontakt in abgelegene Gebiete zu bekommen, berichtete der Krisenstab. In vielen Städten und Dörfern in Kerala gab es weder Strom noch Telefonverbindungen. Über soziale Medien veröffentlichten zahlreiche Bewohner verzweifelte Hilferufe. Retter und Armee versuchten fieberhaft, die Menschen aus der Luft mit Lebensmitteln und Wasservorräten zu versorgen. Reis und Trinkwasser wurden mit Sonderzügen nach Kerala gebracht.

Papst Franziskus betete am Sonntag auf dem Petersplatz für die Opfer: "Möge es diesen Brüdern nicht an unserer Solidarität und an konkreter Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft fehlen. (...) Lasst uns gemeinsam für diejenigen beten, die ihr Leben verloren haben und für all die Menschen, die von diesem großen Unglück betroffen sind."

Bereits seit dem 8. August kämpfen die Menschen in Kerala gegen die Wassermassen. Heftige Regenfälle sind sie in der Monsun-Saison gewohnt - doch in diesem Jahr fallen sie außergewöhnlich stark aus. Mehr als 350 Menschen starben bereits. Die meisten Opfer ertranken oder kamen bei Erdrutschen um. Indiens Regierungschef Narendra Modi versprach, Nothilfe zu schicken.

In vielen Städten und Dörfern stieg das Wasser so hoch, dass zweigeschossige Gebäude überflutet wurden. Dächer bleiben oft der einzige Rückzugsort. "Am Freitag haben uns Verwandte angerufen und gesagt, sie hätten seit zwei Tagen weder Wasser noch Essen gehabt, und keine Hilfe sei in Sicht", sagte S. Sudarshan, Bewohner von Keralas Hauptstadt Thiruvananthapuram. Regierungschef Pinarayi Vijayan forderte, die Flut solle als nationale Katastrophe eingestuft werden.

Mehr als 3,7 Millionen Menschen wurden bisher in Rettungscamps versorgt, erklärte die Regierung. 1.300 Einsatzkräfte, 30 Militärhubschrauber und rund 400 Boote waren an den Rettungsarbeiten beteiligt. Mancherorts liehen sich Retter Boote von Fischern, um nach Opfern suchen zu können. Auf Bildern waren alte Frauen zu sehen, die Bündel mit ihren kostbarsten Besitztümern festhielten, während sie per Boot in Sicherheit gebracht wurden.

Regierungschef Narendra Modi versprach Nothilfe in Höhe von fünf Milliarden Rupien (rund 60 Millionen Euro). Die Regierung des Bundesstaats verlangt jedoch 20 Milliarden Rupien. Die Schäden hätten Schätzungen zufolge bereits eine Höhe von 195 Milliarden Rupien (2,4 Milliarden Euro) erreicht. Caritas international unterstützte die Fluthilfe in Indien mit 200.000 Euro, wie die Hilfsorganisation mitteilte. Die Lage sei diesmal "besonders dramatisch". Besonders die arme Bevölkerung sei betroffen. In Kerala leben rund 33 Millionen Menschen.

Die Monsun-Saison dauert in Indien von Juni bis September. Die Regenfälle sind unerlässlich für die Landwirtschaft der Region, können aber enorme Zerstörungen anrichten.

Quelle: Apa/Dpa

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