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Frankreich meldet ersten Coronavirus-Todesfall in Europa

Erstmals ist ein an dem neuartigen Coronavirus erkrankter Mensch in Europa gestorben. Der chinesische Tourist (80) erlag in einer Pariser Klinik der durch den Erreger Sars-CoV-2 (auch Covid-19) ausgelösten Lungenkrankheit. Nicht mehr in Quarantäne befanden sich unterdessen die Österreicher, die am 9. Februar aus Wuhan zurückgekehrt sind, teilte das Gesundheitsministerium am Samstag mit.

Mehr als 1.500 Tote in China SN/AFP/GREG BAKER
Mehr als 1.500 Tote in China

Auf dem chinesischen Festland stieg die Zahl der Todesfälle nach offiziellen Angaben unterdessen auf 1.523 - die Zahl der nachgewiesenen Erkrankungen liegt dort inzwischen bei 66.492. Das Coronavirus hat nun auch das erste Land Afrikas erreicht: In Ägypten wurde die Infektion bei einer 33 Jahre alten ausländischen Person nachgewiesen, wie die ägyptische Gesundheitsministerin Hala Said sagte, ohne weitere Angaben zur Identität zu machen. In Südostasien beendete die Sorge vor dem Virus mehrere Kreuzfahrten.

Bei dem in Paris gestorbenen Mann handelt es sich um einen 80-Jährigen aus der schwer betroffenen zentralchinesischen Provinz Hubei, in der auch Wuhan liegt. In der Millionenmetropole waren die ersten Corona-Fälle gemeldet worden. Der Tourist war Anfang Februar auf die Intensivstation des Krankenhauses Bichat in der französischen Hauptstadt gebracht worden. Die französische Gesundheitsministerin Agnes Buzyn sagte, sie sei am Freitag über den Tod des Mannes informiert worden. Der Patient sei mehrere Tage in kritischem Zustand gewesen.

In zahlreichen europäischen Ländern waren in den vergangenen Wochen Menschen gemeldet worden, die mit dem Virus infiziert sind. Bisher war aber niemand gestorben, bei einigen Patienten verlief die inzwischen Covid-19 genannte Erkrankung nahezu ohne Symptome. Covid-19 kann neben Fieber und Husten schwere Atemwegsprobleme verursachen. Die Bezeichnung ist abgeleitet von: COrona VIrus Disease.

Tausende Kreuzfahrtpassagiere, mussten wegen der Sorge vor dem Virus ihre Reisepläne ändern. Die "Aidavita" der Rostocker Reederei Aida Cruises stoppte ihre Tour mehr als eine Woche früher als vorgesehen. Sie legte in der Nacht auf Samstag in der thailändischen Hafenstadt Laem Chabang südlich von Bangkok an. Die Passagiere konnten laut thailändischen Behördenangaben nach einer Kontrolle das Schiff verlassen. Zuvor hatte die "Aidavita" nicht wie geplant in Vietnam anlegen dürfen.

Erst kürzlich hatten mehrere asiatische Länder dem Kreuzfahrtschiff "Westerdam" aus Sorge vor einer möglichen Einschleppung des Coronavirus das Anlegen untersagt. Erst Kambodscha stimmte dem schließlich zu. Dafür bekam das von Premierminister Hun Sen mit harter Hand regierte Land ein Lob von US-Präsident Donald Trump.

Die USA wollen Landsleute vom Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" holen, das wegen eines Coronavirus-Ausbruchs im japanischen Hafen Yokohama unter Quarantäne steht. Wie die US-Botschaft am Samstag in Tokio mitteilte, sollen die US-Bürger mit einem gecharterten Flugzeug direkt in ihr Land zurückgebracht werden.

Das japanische Gesundheitsministerium teilte am Samstag mit, dass bei weiteren 67 Menschen an Bord des Schiffes eine Infektion mit dem neuen Coronavirus Covid-19 festgestellt worden sei. Die Zahl der bestätigten Fälle stieg damit auf 285. Die Betroffenen sollten in örtliche Krankenhäuser gebracht werden.

Der chinesische Außenminister Wang Yi sieht große Fortschritte bei der Eindämmung des Coronavirus in seinem Land. Als Ergebnis chinesischer Anstrengungen sei bisher nur ein Prozent der Fälle außerhalb der Landesgrenzen aufgetreten, sagte der Minister am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Die 1,4 Milliarden Einwohner Chinas führten den Kampf in diesem "Krieg ohne Rauch" entschlossen. Er dankte der internationalen Gemeinschaft für die Hilfe. Außerhalb des chinesischen Festlands sind im Rest der Welt bisher etwa 600 Erkrankungen bestätigt.

Der Fall in Ägypten wurde nach Ankunft des Patienten in dem Land durch ein Screeningprogramm entdeckt, wie die ägyptische Gesundheitsministerin Said dem Sender MBC Masr sagte. Die infizierte Person zeige keinerlei Symptome und bleibe 14 Tage auf einer Isolierstation. Ägypten habe alle erforderlichen Maßnahmen nach den Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergriffen.

Die WHO arbeitet seit Wochen daran, Länder mit einem schwachen Gesundheitssystem in Afrika und anderswo auf einen möglichen Covid-19-Ausbruch vorzubereiten. Die WHO-Region Afrika sah in einer Analyse vom 13. Februar die meisten der 47 Länder begrenzt vorbereitet auf einen Ausbruch, nur sieben wurden als angemessen vorbereitet beurteilt. Darunter waren Algerien und Madagaskar. Ägypten gehört allerdings nicht zu der Afrika-Region, sondern arbeitet in der WHO in einem Verbund "Östliches Mittelmeer" mit Ländern wie Syrien, Saudi-Arabien und Afghanistan zusammen.

Angesichts der Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit hat der Chef der WHO mehr Investitionen für die Vorbereitung auf die Epidemie gefordert. "Wir sind besorgt über den Mangel an Dringlichkeit, den die internationale Gemeinschaft bei der Finanzierung der Maßnahmen an den Tag legt", sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus am Samstag auf der Sicherheitskonferenz in München.

"Die Welt gibt Milliarden für den Schutz vor Terrorangriffen aus, aber relativ wenig, um sich auf die Attacke durch ein Virus vorzubereiten, die sehr viel mehr Menschenleben fordern könnte und wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich mehr Schaden anrichten könnte", sagte der WHO-Chef. "Das ist gefährlich kurzsichtig", mahnte er.

Die WHO hatte vergangene Woche um 675 Millionen Dollar (623 Mio. Euro) gebeten, unter anderem, um Ländern mit schwächeren Gesundheitssystemen bei der Vorbereitung auf einen möglichen Ausbruch zu helfen. Am Freitagabend war der erste Fall einer Infektion mit dem Virus auf dem afrikanischen Kontinent bekannt geworden.

China habe die Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 durch drastische Maßnahmen wie die Abschottung von Millionenstädten mindestens verzögert, sagte Tedros. Damit habe das Land der Welt ein Zeitfenster beschert, um jetzt alle nötigen Maßnahmen zu treffen. Er appellierte an die Weltgemeinschaft, sich solidarisch zu zeigen.

Tedros warnte vor Gerüchten und Falschnachrichten, die sich schneller ausbreiteten als dieses Virus. Die WHO arbeite mit Facebook, Twitter, YouTube und anderen Sozialmedienkanälen, um Panikmache zu unterbinden. Regierungen und Medien müssten die Menschen angemessen vor Gefahren warnen, "aber ohne die Flammen der Hysterie anzufachen", sagte Tedros. "Es ist Zeit für Fakten, nicht Furcht.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 23.02.2020 um 08:16 auf https://www.sn.at/panorama/international/frankreich-meldet-ersten-coronavirus-todesfall-in-europa-83484805

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