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Fünf Jahre danach: Das Drama um die Costa Concordia

Heute vor fünf Jahren ereignete sich die Katastrophe in Italien mit 32 Toten. Der Kapitän wurde mittlerweile verurteilt, die Schiffsreste sollen ins Museum.

Doch für die rund 2000 Bewohner der Insel Giglio im toskanischen Archipel ist die Erinnerung an die Unglücksnacht nach wie vor gegenwärtig. Am Freitag, dem Jahrestag des Schiffsunglücks, das alle 77 Österreicher an Bord überlebt haben, ist eine Messe in Andenken an die Opfer geplant.

13. Jänner 2012: Das Drama beginnt um 21.45 Uhr. Ein lauter Knall erschüttert die Costa Concordia auf der Fahrt vom Hafen Civitavecchia ins ligurische Savona. Der Kreuzfahrtriese mit seinen 290 Metern Länge und 4.229 Menschen an Bord rammt einen Felsen vor der Insel Giglio.

Der Ruck schüttelt die Passagiere durch, die zum Großteil gerade beim Dinner im Speisesaal sitzen. Das Licht geht aus, die Costa Concordia neigt sich schnell zur Seite. Panik und Chaos bricht aus, als der Luxusliner um 80 Grad nach Steuerbord kippt. Doch über die Lautsprecher tönt die Nachricht, es handle sich lediglich um Probleme mit der Stromversorgung. Erst nach einer Stunde heulen die Schiffssirenen zur Evakuierung. Wegen der starken Schieflage können Rettungsboote nur mühsam ins Meer gelassen werden.

Menschen springen ins eiskalte Wasser

In der Dunkelheit herrscht entsetzliches Durcheinander, einige Menschen springen ins eiskalte Wasser. In jenem Teil des Schiffes, der unter Wasser liegt, bleiben mehrere Passagiere eingeschlossen. Gegen 1.00 Uhr sind noch einige hundert Menschen an Bord. Fünf Boote der Küstenwache eilen zu Hilfe. Rettungskräfte ziehen zahllose Schiffbrüchige aus dem Meer und bringen sie auf die Insel Giglio. Die Einwohner öffnen Schulen, Kindergärten, Kirchen und Privathäuser und versorgen die Menschen mit Decken, Mänteln und heißen Getränken.

An der Gedenkmesse am Freitag wird auch Sergio Ortelli, Bürgermeister der Insel, teilnehmen. Die Unglücksnacht bleibt ihm für immer in Erinnerung: "Es war fürchterlich, viele Überlebende waren verzweifelt, weil sie im Chaos ihre Angehörigen verloren hatten. Die Panik war enorm. So etwas kann man nie wieder vergessen. Für die Insel Giglio ist die Concordia-Tragödie eine Wunde, die nie heilen wird", erzählte der 61-Jährige.

Die von Herzen kommende Reaktion der Inselbewohner, die in der Unglücksnacht mit bewundernswerter Solidarität die Überlebenden unterstützt haben, hat die Welt beeindruckt. "Ich bin sicher, dass jede andere Gemeinde in solch einer Notsituation genau wie wir reagiert hätte", betonte Ortelli, der auf Giglio zur Welt gekommen ist und hier sein Leben verbracht hat. "Wir als Inselbewohner sind jedoch besonders sensibel für Tragödien, die sich im Meer abspielen. Hinzu sind wir äußerst gastfreundlich, weil wir eine Insel sind, die hauptsächlich vom Tourismus lebt."

Kapitän Schettino wurde verurteilt

Nach dem Unglück gab es heftige Kritik an der Betreibergesellschaft Costa Crociere und an Kapitän Francesco Schettino. Das Schiff sei viel zu spät evakuiert worden, der Kapitän zu früh von Bord gegangen. Er habe Hunderte von Passagieren im Stich gelassen, hieß es. Der Kapitän wurde im vergangenen Mai in zweiter Instanz zu 16 Jahren Haft verurteilt. Er reichte beim Obersten Gericht in Rom Berufung ein.

Das Wrack des Luxusliners wurde im Juli 2014 im Rahmen einer spektakulären Abschleppaktion in die Hafenstadt Genua überstellt. Die Abwrackung ist inzwischen abgeschlossen. Der in Mitleidenschaft gezogene Meeresboden vor Giglio wurde wiederhergestellt. Dafür musste die Costa-Concordia-Betreiberin 85 Millionen Euro ausgeben. Heute ist die Insel Giglio ein Urlaubsparadies wie vor der Katastrophe. Die Hotels sind in der schönen Jahreszeit ausgebucht, Touristen strömen zu den Stränden und genießen die Natur. Doch bei aller Heiterkeit ist die Erinnerung an die Unglücksnacht nicht auszulöschen.

Quelle: APA

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