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Fünf Tote und acht Vermisste nach Vulkanausbruch in Neuseeland

Nach dem Vulkanausbruch in Neuseeland fehlt von acht Menschen noch jede Spur. Ein Polizeivertreter sagte am Dienstag (Ortszeit), unter den Vermissten seien Touristen aus Australien, Großbritannien, Malaysia und den USA. Es gebe keine Hinweise darauf, dass sie den Vulkanausbruch überlebt hätten, sagte der Polizeivertreter. Fünf Todesopfer wurden unterdessen bestätigt.

Nach Angaben der Polizei befanden sich 47 Menschen auf der Insel White Island, als der Vulkan ausbrach. "31 Menschen befinden sich derzeit im Krankenhaus, weitere acht werden noch vermisst, und drei wurden aus dem Krankenhaus entlassen", sagte der Polizeivertreter Bruce Bird.

Der Vulkan Whakaari war am Montagnachmittag (Ortszeit) ausgebrochen. Bisher gebe es keine Hinweise, dass Österreicher unter den Betroffenen sind, sagte Peter Guschelbauer, Sprecher des Außenministeriums in Wien.

White Island liegt im Nordosten von Neuseelands Nordinsel, etwa 50 Kilometer von der Küste entfernt. Selbst von dort war die riesige Aschewolke zu sehen. Mehrere Unternehmen bieten von der Küste aus Tagestouren nach White Island mit dem Boot an. Pro Jahr wird die Insel von 10.000 Ausflüglern besucht. Die Touren, die mit einem Blick ins Innere der Erde werben, sind sehr beliebt.

Experte: "Ausbruch kam nicht unerwartet"

Der Ausbruch sei nicht unerwartet gekommen, meint Wolfgang Lenhardt, Chef der Geophysik an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien. "Einmal taucht die pazifische Platte unter Neuseeland, dann wieder die australische. Es ist extrem kompliziert."

Diese Verschiebungen bewirkten auch immer wieder Erdbeben - wie zuletzt jenes in Christchurch, der Hauptstadt Neuseelands. Dort kamen am 22. Februar 2011 bei einem Beben der Stärke 6,3 insgesamt 185 Menschen ums Leben.

White Island sei "immer gefährlich", ähnlich wie der Krakatau. Dass es sich um einen aktiven Vulkan handle, "vergessen die Menschen leider, wenn der bislang letzte Ausbruch schon länger her ist", erklärt Lenhardt. 1914 wurden zehn Männer, die im Schwefelbergbau tätig waren, getötet.

Wie sich die Situation auf White Island weiterentwickelt, sei derzeit nicht abzusehen, betont der Geophysiker. Man müsse auch mit einer größeren Explosion rechnen, wenn sich der Krater mit Wasser füllt. "So wie bei Santorin." Lenhardt beobachtete am Montagnachmittag (Ortszeit) den Austritt von weiteren Wolken aus Wasserdampf. Auch eine Einschränkung des Flugverkehrs sei denkbar, sollten feine Aschepartikel in die Luft geschleudert werden.

Der örtliche Zivilschutz hätte die Lage nach dem Ausbruch im Griff, sagte Lehnhardt. So wie in der Nähe anderer Vulkane werde auch bei White Island penibel drauf geachtet, dass vorerst niemand mehr Zugang zur Insel habe. "Die haben das gut im Griff." Dass es sich um einen Touristenmagneten handle, sei dem Wissenschaftler klar: "Es ist eben für viele sehr spannend, sich in der Nähe eines aktiven Vulkans aufzuhalten."

Geophysisch gesehen hätte der Ausbruch von White Island nichts mit jenen in der Mittelmeerregion zu tun - also mit Vesuv und Stromboli. Letzterer war am 3. Juli 2019 heftig eruptiert. Eine Person starb, zwei Anrainer wurden verletzt, rund 100 Touristen vorsorglich von der Insel gebracht.

Die Plattenverschiebung finde dort in einigen zehn Kilometern Tiefe statt, während es in Neuseeland einige hundert Kilometer seien, erklärt Lenhardt.

Einer der ersten Wissenschafter, der die geologischen Besonderheiten Neuseelands erforschte, war der in Deutschland geborene Ferdinand von Hochstetter. Er übersiedelte schon in jungen Jahren nach Wien, lehrte dort an der Universität und nahm 1857 an der berühmten Weltumseglung mit der Fregatte "Novara" teil. 1859 kehrte er via Sydney nach Wien zurück.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 26.01.2021 um 04:29 auf https://www.sn.at/panorama/international/fuenf-tote-und-acht-vermisste-nach-vulkanausbruch-in-neuseeland-80408617

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