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Gänswein nach Buch-Skandal bei Papst Franziskus in Ungnade

Drei Wochen nach der Polemik rund um eine Buchveröffentlichung von Benedikt XVI. zum Thema Zölibat ist der Privatsekretär des emeritierten Kirchenoberhauptes, Georg Gänswein, bei Papst Franziskus offenbar in Ungnade gefallen. Laut einem Bericht der deutschen Zeitung "Die Tagespost" wurde Erzbischof Gänswein als Leiter des Päpstlichen Hauses von seinem Amt beurlaubt.

Georg Gänswein soll sich auf den emeritierten Papst konzentrieren SN/APA (dpa)/Patrick Seeger
Georg Gänswein soll sich auf den emeritierten Papst konzentrieren

Statt öffentliche Aufgaben bei Audienzen wahrzunehmen, solle er auf Wunsch von Franziskus dem emeritierten Papst mehr Zeit widmen, schrieb das Blatt. Laut dem Vatikan-Sprecher Matteo Bruni hat es eine "gewöhnliche Umverteilung verschiedener Pflichten und Funktionen des Präfekten des Päpstlichen Hauses gegeben", Gänswein sei jedoch nicht vom Amt als Präfekt des Päpstlichen Hauses suspendiert worden.

Der 63-jährige Gänswein war zuletzt bei mehreren Besuchen und Audienzen des Papstes, für die er als Präfekt eigentlich zuständig ist, abwesend. So hatte er auch nicht an der Generalaudienz am Mittwoch teilgenommen. Gänswein selber äußerte sich bisher nicht zu dem Bericht.

Seit dem Skandal um den umstrittenen Beitrag Benedikts zum Zölibat wurde Gänsweins Doppelrolle für Benedikt und Franziskus kritisch infrage gestellt. Von dem jüngst erschienenen Buch des Kurienkardinals Robert Sarah über das Priesterzölibat, das auch einen Beitrag des früheren Papstes enthält, hatte die Nennung Benedikts XVI. als Mitautor auf Intervention Gänsweins zurückgezogen werden müssen. Sarah und Erzbischof Gänswein lieferten unterschiedliche Darstellungen des Sachverhalts. Gänswein sprach von einem "Missverständnis". Das Buch, das als Kritik am Kurs Franziskus´ betrachtet wird, sorgte für Irritation im Vatikan.

In "Des profondeurs de nos cœurs" ("Aus den Tiefen unserer Herzen") warnen Sarah und Benedikt vor einer Priesterweihe für Verheiratete. Das Buch wird als Affront gegen Papst Franziskus gewertet. Dass sich der Ex-Pontifex noch vor dem amtierenden Katholiken-Oberhaupt zu so einem heiklen Thema äußert, brandmarkten Kritiker als Grenzüberschreitung. Benedikt hatte nach seinem Rücktritt im Februar 2013 Zurückhaltung und ein stilles Leben im Gebet gelobt.

Zwei Päpsten zu dienen, war für Gänswein bisher kein Problem. Jetzt soll sich "Don Giorgio", wie die Italiener im Vatikan den Süddeutschen nennen, mehr dem emeritierten Papst widmen. 2003 bestellte ihn Josef Ratzinger, damals Präfekt der römischen Glaubenskongregation, zu seinem Privatsekretär. Während Benedikts Pontifikat war Gänswein der Schatten des Pontifex. Im Dezember 2012, wenige Monate vor seinem spektakulären Rücktritt, ernannte Benedikt seinen Privatsekretär zum Präfekten des Päpstlichen Hauses und erhob ihn gleichzeitig zum Erzbischof. Der neue Erzbischof bekam das Titularbistum Urbisaglia in der mittelitalienischen Region Marken zugewiesen.

Papst Franziskus hat unterdessen laut Kathpress erneut die Frau getroffen, die ihn am Silvesterabend auf dem Petersplatz zu sich gezerrt und fast zum Stürzen gebracht hatte. Wie italienische Medien berichteten, trafen Franziskus und die Frau, der er einen Klaps auf die Hand versetzt hatte, um von ihr loszukommen, am Dienstagabend am Rande einer der jüngsten Generalaudienzen kurz zusammen.

Abseits der Medien hätten sich die beiden die Hand gegeben und einige Worte gewechselt, so die Zeitung "Avvenire". Was sie sagten, wurde nicht berichtet. Es sei dem Papst ein Anliegen gewesen, sich für seine unbeherrschte Reaktion persönlich zu entschuldigen, hieß es in dem Bericht. Beim öffentlichen Mittagsgebet am Neujahrstag auf dem Petersplatz hatte Franziskus bereits spontan in einem Nebensatz sein Bedauern über den Vorfall geäußert.

Quelle: APA

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