International

Ganz Italien gesperrt, doch Pandemie wächst weiter

Für Italien hat ein Tag unter Quarantäne begonnen. Nach dem Beschluss von Premier Giuseppe Conte, den Handel mit Ausnahme von Supermärkten, Apotheken und Zeitungskiosken abzuriegeln, startet für die Italiener eine Zeit der Isolierung, die bis zum 25. März dauern wird. Diese könnte auch verlängert werden, sollte die Zahl der Infektionen nicht zurückgehen. Die Zahl der Opfer stieg indes weiter an.

Der Trevi-Brunnen hat schon mehr Besucher gesehen SN/APA (AFP)/ANDREAS SOLARO
Der Trevi-Brunnen hat schon mehr Besucher gesehen

Unternehmen arbeiten weiter, allerdings mit besonderen Sicherheitsprotokollen zum Schutz der Mitarbeiter. Firmen müssen alle Abteilungen schließen, die nicht für die Produktion notwendig sind. Die Sperre gilt ebenso für Dienstleister wie Friseur- und Kosmetiksalons sowie Bars und Restaurants. Außer-Haus-Lieferungen sind erlaubt. Beamte müssen auf Teleoffice-Modus setzen. Nur die wesentlichsten öffentlichen Ämter bleiben offen. Bahnen, Flüge und öffentliche Verkehrsmittel sind weiterhin garantiert, allerdings werden viele Verbindungen angesichts des Reiseverbots aufs Minimum stark eingeschränkt.

"Die Vernunft hat gesiegt. Angesichts der wachsenden Infektionszahlen gibt es keine Alternative zur totalen Abschottung", kommentierte der lombardische Präsident Attilio Fontana die Regierungsmaßnahmen. Fontana hatte von Premier Conte noch rigorosere Schritte gefordert und zwar einen kompletten Stopp des produktiven Systems und der Transporte. Der Präsident Venetiens Luca Zaia verspricht rigorose Kontrollen, damit die Vorschriften eingehalten werden.

Trotz drakonischer Vorbeugungsmaßnahmen nahm die Zahl der Coronavirus-Todesopfer in Italien weiterhin zu. Am Donnerstag wurden 189 zusätzliche Todesfälle gemeldet. Damit stieg die Zahl der Toten seit Beginn der Epidemie am 21. Februar auf 1.016, teilte der Zivilschutz mit. Die Zahl der Infektionen stieg um 2.214 auf 12.839 Fälle. 6.650 Erkrankte sind ins Spital eingeliefert worden, 1.153 werden auf Intensivstationen behandelt. 1.258 Personen sind inzwischen genesen. 98 Prozent der Todesopfer sind Menschen im Alter von über 68 Jahren.

"Wir sind noch weit vom Höhepunkt der Epidemie entfernt. Die nächsten zwei Wochen sind entscheidend, um die Entwicklung der Infektion zu begreifen. Die Auswirkungen der rigorosen Regierungsmaßnahmen werden wir nicht binnen weniger Tage sehen. Diese Woche rechne ich mit einem weiteren Zuwachs bei der Zahl der Infizierten", sagte Giovanni Rezza, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten von Italiens Oberstem Gesundheitssystem ISS.

Diese Ansicht teilt auch Premier Conte. "Wir haben erst seit kurzem begonnen, unseren Lebensstil zu ändern. Die positiven Resultate werden wir erst in einigen Wochen zu spüren bekommen. Niemand darf denken, dass man schon in den nächsten Tagen die Auswirkungen sehen wird. Wenn in den nächsten Tagen die Zahl der Infektionen weiterhin wächst, bedeutet das nicht, dass unsere Maßnahmen nicht wirken", erklärte Conte.

Der Premier ergriff die Notstandsmaßnahmen unter dem Druck der Lombardei, die einen Zusammenbruch ihres Gesundheitssystems befürchtet. "Die Zeit des Kollapses ist nicht weit. Unsere Krankenhäuser können nicht ewig diesem Druck Stand halten", sagte der lombardische Gesundheitsbeauftragte Giulio Gallera.

Italien protestierte indessen gegen Österreichs Grenzkontrollen, die zu Kilometer langen Staus an der Brenner-Grenze geführt haben. "Am Brenner ist es wegen der Gesundheitskontrollen zu Engpässen gekommen, an denen wir arbeiten. Man kann den Brenner-Korridor nicht schließen, der für Italiens Logistik und Industrie von wesentlicher Bedeutung ist", so Europaminister Vincenzo Amendola.

"Mit den österreichischen Kollegen haben wir klare Worte gesprochen: Die Aussetzung des Schengen-Abkommens ist nicht annehmbar. Die Grenzen dürfen für den Warentransport nicht geschlossen werden", sagte Amendola dem italienischen Radiosender "Radio Capital" am Donnerstag. Amendola kündigte eine Videokonferenz der EU-Verkehrsminister an, um die Probleme wegen der Grenzschließung infolge der Coronavirus-Pandemie zu diskutieren.

Für Freitag wurde unterdessen eine Rückholaktion für die letzten österreichischen, noch in Italien festsitzenden Touristen angekündigt. Wie Peter Guschelbauer, der Sprecher des Außenministeriums, verlautbarte, werden die rund 150 Betroffenen mit einem Sonderflieger zurück nach Wien geflogen. Die Maschine wird zuerst Rom und dann Venedig ansteuern und die Urlauber einsammeln, die nicht mehr aus dem Land gekommen sind, nachdem die Flug- und Zugverbindungen gekappt wurden. Nach der Landung in Wien-Schwechat und der Ankunft an ihren Wohnorten müssen die Betroffenen 14 Tage in selbstüberwachter Heimquarantäne verbringen, um sicherzugehen, dass von ihnen keine Infektionsgefahr mit SARS-CoV-2 ausgeht.

Quelle: APA

Aufgerufen am 18.01.2021 um 08:49 auf https://www.sn.at/panorama/international/ganz-italien-gesperrt-doch-pandemie-waechst-weiter-84733027

Das Coronavirus und seine Folgen

Das Coronavirus und seine Folgen

Jetzt lesen

Kommentare

Schlagzeilen