International

Gefallener Chef der Bundestheater-Holding: Georg Springer ist 70

Eigentlich ist er Jurist - und juristische Probleme führten schließlich zu seinem Rücktritt: Mit Georg Springer trat im Sommer 2014 einer der Mächtigsten im heimischen Bühnenbetrieb ab - in die Pension.

Gefallener Chef der Bundestheater-Holding: Georg Springer ist 70 SN/APA (Techt)/HANS KLAUS TECHT
Gefallener Chef der Bundestheater-Holding: Georg Springer ist 70.

Seit 1991 stand der Kulturmanager an der Spitze der Österreichischen Bundestheater. Am 20. August wird der nunmehr die Öffentlichkeit scheuende Wiener 70 Jahre alt.

Durch die Burgtheater-Affäre rund um Schwarze Kassen kam die Karriere des lange als großer Taktierer Gerühmten zu einem unrühmlichen Ende. Zuletzt beschäftigte sich der Rechnungshofbericht u.a. mit den Unterlassungen des Burgtheater-Aufsichtsrats, dem Springer vorstand. Mit zahlreichen Unregelmäßigkeiten im Finanzhaushalt des Burgtheaters beschäftigte sich der Aufsichtsrat erst Jahre nach deren Auftreten, wie der Rechnungshof monierte. Auch die Ermittlungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft dauern nach wie vor an.

Den Vorwürfen im Zusammenhang mit der Causa Burgtheater konnte der "Alchemist des Konsenses" (so einst "profil" in einem Porträt) schließlich nichts anderes mehr entgegensetzen, als seinen Pensionsantritt von 31. Dezember auf 30. Juni 2014 vorzuverlegen. Ein Rücktritt in der Light-Version, während Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann vom damaligen Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) fristlos entlassen worden war.

Laut Berichten über ein Gutachten wird davon ausgegangen, dass der Holding-Chef von den Praktiken der einstigen kaufmännischen Burgtheater-Geschäftsführerin Sylvia Stantejsky Kenntnis hatte. Somit sei Springer seinen Pflichten nicht entsprechend nachgekommen. Dabei waren die harten Zahlen eigentlich der Alltag Springers, seit der Kulturliebhaber 1991 zum Generalsekretär des Österreichischen Bundestheaterverbandes berufen worden war und nach dessen Umwandlung in eine Holding Geschäftsführer wurde. So waren die ersten Jahre nach der Ausgliederung der Bundestheater 1999 von umfangreichen Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen geprägt - während Springer gebetsmühlenartig die Anhebung der Basisabgeltung des Bundes forderte, um Inflation und steigende Gehälter ausgleichen zu können. Jene Löcher, die sich allerdings in der Burgtheater-Bilanz auftaten, waren auch für Springer zu groß.

Geboren wurde Springer am 20. August 1946 in Wien. Nach dem Besuch der Volksschule und des Realgymnasiums (je vier Jahre im Kollegium Kalksburg und im Bundesgymnasium Mödling) maturierte er im Juni 1964. Im Herbst desselben Jahres begann er ein Jusstudium an der Universität Wien, das er - nach Unterbrechungen unter anderem durch die Ableistung des Präsenzdienstes - 1973 mit der Promotion beendete.

Nach einer freiberuflichen Tätigkeit am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien wurde Springer 1975 schließlich Hochschulassistent an diesem Institut. Im April 1978 kam er zum Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes, 1984 wurde er zum Leiter der dortigen Abteilung V/4 für "Medienangelegenheiten" bestellt. Vier Jahre später holte ihn der damalige Sekretär von Franz Vranitzky (SPÖ) und spätere Unterrichtsminister Rudolf Scholten (SPÖ) als Generalsekretär-Stellvertreter in den Österreichischen Bundestheaterverband, dessen Generalsekretär er 1991 wurde.

Opernfan ist Springer seit seiner Jugend, der ehemals fanatische Stehplatz-Besucher wurde 1976 Präsident des Vereins der Wiener Opernfreunde und wurde auch über viele Jahre für Leitungsposten im Festspiel- und Opernbereich gehandelt. Als Bundestheater-Chef war er zugleich bei nahezu allen Premieren von Staats- und Volksoper, Burg-und Akademietheater präsent und bewegte sich in japanisch angehauchter Mode auch auf dem glatten Society-Parkett lange Zeit trittsicher. Ins Straucheln brachte ihn schlussendlich die Affäre um die undurchsichtige Buchführung der Burg. Seither ist Springer kaum noch in der Öffentlichkeit zu sehen, geäußert hat er sich zu den Vorgängen seither nicht mehr.

Quelle: APA

Aufgerufen am 21.11.2018 um 07:02 auf https://www.sn.at/panorama/international/gefallener-chef-der-bundestheater-holding-georg-springer-ist-70-1138783

Schlagzeilen