Kopf des Tages

Gerhard Klingenberg - der Ex-Burgtheaterdirektor wird 90

Der Wiener Schauspieler, Regisseur und Theater-Intendant Gerhard Klingenberg, 1971 bis 1976 Direktor des Wiener Burgtheaters, feiert am Samstag (11. Mai) seinen 90. Geburtstag. "Der Burgtheaterdirektor ist wie Jesus Christus: Das ist ein armer Teufel und ein Gott", erinnerte er sich vor fünf Jahren an seine Direktionszeit. Damals wurde sein Porträt in die Ehrengalerie des Hauses aufgenommen.

Gerhard Klingenberg, Ex-Burgtheaterdirektor. SN/APA/HANS PUNZ
Gerhard Klingenberg, Ex-Burgtheaterdirektor.

Am 11. Mai 1929 als Sohn eines sozialdemokratisch geprägten Vaters und einer streng katholischen Mutter geboren, wuchs Klingenberg im Arbeiterbezirk Floridsdorf auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er in Salzburg Schauspielunterricht. Als 18-jähriger Einspringer sprang er als Camille in "Dantons Tod" für den erkrankten Albin Skoda am Burgtheater ein, danach führte ihn sein erstes Engagement an das Klagenfurter Stadttheater. Hier inszenierte er schon in seinem ersten Jahr Curt Goetz' "Das Haus in Montevideo".

Nach einem Direktionswechsel verließ er Klagenfurt und ging zunächst ans neu eröffnete Stadttheater in St. Pölten, danach nach Innsbruck. Als Regisseur arbeitete er am Deutschen Theater in Ostberlin, an den Städtischen Bühnen in Köln, am Schauspielhaus Hamburg, an den Münchner Kammerspielen, am Schauspielhaus Zürich, an Berliner Schillertheater und in Düsseldorf. Außerdem inszenierte er für das deutsche und österreichische Fernsehen. Seine größte Anerkennung als Schauspieler wurde ihm zuteil, als ihn Bertolt Brecht 1956 ans Berliner Ensemble holte, wo er in der Uraufführung des Brecht-Stücks "Die Tage der Commune" mitwirkte.

1968 inszenierte Klingenberg erstmals am Burgtheater und sah sich mitten in Debatten um eine Strukturreform inklusive Auflösung der Bundestheaterverwaltung bald im Zentrum der Nachfolgespekulationen, als Direktor Paul Hoffmann sich zum vorzeitigen Rücktritt bereit erklärte. Wie er schließlich im Oktober 1970 tatsächlich "gewählt" wurde, schilderte Klingenberg in seiner 1998 erschienenen Autobiografie "Kein Blatt vor dem Mund" so: "Leopold Gratz (der zuständige Minister, Anm.) versammelte das Ensemble des Burgtheaters im Zuschauerraum und bat die Schauspieler, den Namen des Direktors, den sie sich wünschten, auf einen Zettel zu schreiben und diesen in einen vorbereiteten Karton zu werfen." Jahre später hätte er von Gratz das geheim gehaltene Ergebnis erfahren: Von 86 abgegebenen Stimmen waren auf Klingenberg 33, auf Lindtberg 11 entfallen.

In seiner Burgtheater-Zeit holte Klingenberg europäische Regiegrößen wie Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler, Peter Hall oder Luca Ronconi nach Wien und platzierte Stücke von Horvath, Bernhard, Pinter und Stoppard zwischen den "Bildungs-Klassikern". Er selbst - ein Verfechter des Theaters als moralischer Anstalt - setzte sich als Regisseur vor allem mit Shakespeare, Brecht, Marlowe, Ionesco, Schiller, Hebbel, Grillparzer, Kipphardt und Williams auseinander. Weiters versuchte er, mit der Aktion "Die Junge Burg" dem Publikum moderne Literatur und neue Darstellungs- und Inszenierungsstile vor allem am Akademietheater näher zubringen.

Nach Konflikten mit Politikern, Beamten, Presse und Ensemble machte Klingenberg 1976 Platz für Achim Benning. Anschließend wurde er Leiter des Schauspielhauses in Zürich, wo er bis 1982 blieb. Zwischen 1986 und 1995 war Klingenberg Intendant des Berliner Renaissancetheaters und erregte einiges Aufsehen, als er 1991 Harald Juhnke wegen dessen Alkoholeskapaden bei den Proben zu Shaffers "Amadeus" kurzerhand feuerte. In der Folge arbeitete Klingenberg als freier Regisseur und an Büchern wie "Das gefesselte Burgtheater" (2003) und "Aus vergangenen Burgtheater Tagen" (2009).

Zu den vielen Auszeichnungen, die der Vater des Regisseurs Reinhard Schwabenitzky erhalten hat, zählen das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2000), der Jakob Prandtauer-Preis (2002) und das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2009).

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