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Gericht hob Vorurteil-basiertes Vergewaltigungsurteil auf

Nicht alle jungen Männer sind sexbesessen - mit dieser Begründung hat ein kanadisches Gericht einen Schuldspruch wegen Vergewaltigung aufgehoben, der auf diesem Vorurteil fußte. Das Berufungsgericht der Provinz Quebec ordnete einen neuen Prozess zu dem Fall aus dem Jahr 2008 an.

Eine 18-jährige Soldatin hatte zwei Kameraden damals beschuldigt, sie im Ausbildungslager in einem Hotelzimmer vergewaltigt zu haben. Einer der Beschuldigten, der damals 21 Jahre alt war, gestand, die Soldatin und den anderen Mann beim Sex in einem Badezimmer überrascht zu haben. Er habe das Badezimmer jedoch direkt wieder verlassen und habe sich schlafen gelegt.

In einem Prozess im Jahr 2015 urteilte eine Richterin, diese Begründung sei unglaubwürdig, weil der Anblick der Sex-Szene im Badezimmer "für jeden normalen jungen Mann" aufregend gewesen sein müsse. "Aus dem Grund glaubt das Gericht auch nicht, dass er sofort eingeschlafen ist, als er im Bett war", hatte sie ihren Schuldspruch begründet. Der Soldat wurde zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt, legte jedoch Berufung ein.

Die Kommentare der Richterin basierten auf Vorurteilen und Stereotypen, kritisierte das Berufungsgericht nun. Das sei ein juristischer Fehler. "Beim Lesen ihrer Gründe ist unklar, ob die Richterin ihn wegen überzeugender Beweise für schuldig befand oder weil es wegen seines Alters gar nicht anders sein konnte, als dass er bei der sexuellen Aktivität zuschauen oder gar mitmachen wollte", hieß es in der Entscheidung. Daher ordnete das Gericht einen neuen Prozess an: "Es ist traurig, aber anders geht es nicht."

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