Kopf des Tages

Gert Steinbäcker - "Hauptstimme" von STS feiert 65er auf Solo-Tournee

Der steirische Musiker Gert Steinbäcker von STS, wo er mit Günter Timischl und Schiffkowitz spielte, feiert am Montag (27. November) seinen 65. Geburtstag. Geht man von all seinen Auszeichnungen aus, darunter das Große Goldene Ehrenzeichen der Republik, so mag es überraschen, dass Steinbäcker in der Schule in Musik- und Gitarrenunterricht durchfiel. Aktuell ist er mit "Ja eh" solo unterwegs.

Der gebürtige Grazer Steinbäcker und die Schule wurden nie so richtig innig miteinander - so gilt es fast als Auszeichnung, dass er am "Mupäd" (Musisch-pädagogisches Gymnasium) nicht reüssierte. Viele, die damals in Gitarre einen Abschluss schafften, spielten nachher nie wieder. Dafür hat er sich aus der Jugend Freundschaften mitgenommen, wie den späteren EAV-Mann Thomas Spitzer, mit dem er erste Band-Erfahrungen ("Mephisto") sammelte, später mit "Mashuun". Nach einem Deutschland-Zwischenspiel, geprägt von wenig Erfolg und unterschiedlichen Tätigkeiten als Kleindarsteller beim Film oder als Bühnenarbeiter in Graz, dockte er in der Steiermark wieder bei alten Kollegen an.

Mitte der 1970er fand sich Steinbäcker mit Schiffkowitz (eigentlich Helmut Röhrling) und Günther Timischl ("Timen") zu STS zusammen. Die Initialen ihrer Familiennamen als Bandbezeichnung wurden zum Kürzel eines der längst dienenden und erfolgreichsten österreichischen Musikprojekte. Wohl lief es auch mit diesem Projekt nicht immer rund, aber Mitte der 1980er-Jahre gelang der Durchbruch.

Seither hat sich der typische STS-Sound aus drei akustischen Gitarren und dreistimmig gesungenen Refrains im steirischen Dialekt über 35 Jahre lang etabliert, 2014 kündigte die Band jedoch an, in Zukunft nicht mehr gemeinsam aufzutreten. Als Grund nannten sie eine durch das jahrelange Gitarre spielen entstandene Arthrose im Schultergelenk von Günter Timischl, die es ihm verunmögliche, weitere Konzerte zu spielen. Dabei galten die Liveauftritte der drei Musiker gerade wegen der kargen Bühnenausstattung und dem Verzicht auf jegliche Showelemente als ausgesprochenes Erlebnis. Auf der Bühne sang zumeist dasjenige STS-Drittel, das das Lied geschrieben hat - und das war gar nicht so selten Steinbäcker, der auch einige der Lieder für seine aktuelle Solo-Tournee "Ja eh" mitgenommen hat.

Neben den bisher veröffentlichten elf Studio- und zwei Live-Alben sowie sieben Best-of-Ausgaben mit STS hat Steinbäcker sieben Soloalben seit den 1980er-Jahren eingespielt. Dazu kommt noch ein Projekt, dem Feuilleton und Fans mitunter skeptisch gegenüber gestanden waren. Mit seinem beiden STS-Kumpels und Christian Kolonovits vertonte Steinbäcker Gedichte der steirischen Dichter-Institution Peter Rosegger. Dass der Mann auch handfeste Zeit- und Sozialkritik oder Beschäftigung mit Migration und somit mehr zu bieten hatte als nur Waldbauernbübeleien, wusste schon das steirische Duo Musyl & Joseppa ("Ein Freund ging nach Amerika"), die sich auch daran versucht hatten.

Wie lange Steinbäcker schon im Geschäft ist, zeigt die Vielzahl seiner Nennungen - wenn er bei Kollegen und Freunden mitspielt, aushilft, schreibt oder komponiert. Die revanchieren sich dann gerne. So kommt es, dass sich in der wechselseitigen Kreativität Thomas Spitzer, Christian Kolonovits, Wolfgang Ambros, Georg Danzer, Joesi Prokopetz, Willi Resetarits sowie die bundesdeutschen Spezln Konstantin Wecker und Udo Lindenberg finden.

STS v.l. Schiffkowitz, Günter Timischl und Gert Steinbäcker mit dem Award für das Lebenswerk im Rahmen der Verleihung der „Amadeus Austrian Music Awards“ am 1. Mai 2013 im Vokstheater in Wien. SN/APA/HANS PUNZ
STS v.l. Schiffkowitz, Günter Timischl und Gert Steinbäcker mit dem Award für das Lebenswerk im Rahmen der Verleihung der „Amadeus Austrian Music Awards“ am 1. Mai 2013 im Vokstheater in Wien.

Die Konzerte von STS waren in ihrer Anfangszeit bestenfalls Insidertipps, erst langsam stellte sich der Erfolg ein. Dann aber: Regelmäßig und binnen kurzer Zeit ausverkauft, angekündigte "Abschiedstourneen" gab es angesichts der Beliebtheit der Musiker mehrmals, seit einigen Jahren blieben sie jedoch dabei. Steinbäcker wurde nun zunehmend auch als Solokünstler wahrgenommen und anerkannt, er holte viele seiner seit den 1980er-Jahren verkannt gebliebenen Lieder in seine Programme und Alben zurück. Seine ausgeprägte Liebe zu Griechenland und seinen Menschen spiegelt sich in etlichen Liedern wieder (u.a. "Dimitri").

Zuletzt war Steinbäcker Mitte bis Ende November in Deutschland - Schweinfurt, München und Mühldorf - mit "Ja eh" auf Tour. Am 3. Mai 2018 kehrt er mit Band dorthin zurück, wo die Tour am 16. Mai ihren unglaublich schwung- und stimmungsvollen Auftakt nahm - in Spielberg. Ein bisschen STS-Tradition mit den Weihnachtskonzerten führt er fort: Am 1. Dezember 2018 gastiert er in der Wiener Stadthalle, am 3. Dezember in - ja eh - Graz.

Quelle: APA

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